Im Quartier Smart Rhino sollen Wissenschaftsfabriken und 9300 Arbeitsplätze, 2000 Wohnungen für Studierende, Hochschullehrer und Unternehmer sowie eine Hochschule der Zukunft für 20.000 Studierende entstehen. © Thelen Gruppe
Stadtentwicklung

„Smart Rhino soll funktionieren wie das Google-Hauptquartier“

Smart Rhino ist zwar nicht Dortmunds direkte Antwort auf die Corona-Krise, das Zukunftsprojekt ist aber der Hoffnungsträger für die Zeit nach Corona. Es soll ein Wirtschaftswunder werden.

Smart Rhino wird quasi ein neuer, digitaler Stadtteil auf einem alten Industriegelände. Wo 170 Jahre lang Stahl verarbeitet wurde, bis 2015 Hoesch Spundwand (HSP) ihre Tore schloss, soll ab 2023/24 ein vielleicht europaweit wegweisendes Quartier für Arbeiten, Wohnen, Forschung, Entwicklung und Freizeit entstehen.

Die meisten Dortmunder werden sich diese futuristisch anmutende Stadt(um-)gestaltung zwischen der Rheinischen Straße und dem Hafen, zwischen dem U-Turm und der Dorstfelder Allee heute ebenso wenig vorstellen können, wie man sich seinerzeit an der Stelle des ewigen Stahlwerks in Hörde den Phoenix-See vorstellen konnte.

„Das Vorhaben hat nach knapp drei Jahren jetzt einen beachtlichen Reifegrad erreicht. Und es geht dabei nicht um ein bisschen Schmuck fürs Nachthemd der Stadt, sondern es gibt knallharte wirtschaftliche Notwendigkeiten“, sagt Klaus Brenscheidt, Stellvertretender Geschäftsführer und zuständig für Standortpolitik bei der Industrie-und Handelskammer (IHK) zu Dortmund.

Smart Rhino soll Motor für Innovationen werden

Er ist der Mann, der Smart Rhino in den vergangenen Jahren mit dem früheren Oberbürgermeister Ullrich Sierau entwickelt hat. „Es ist sein Kind“, sagt IHK-Hauptgeschäftsführer Stefan Schreiber. Und anders als der Phoenix-See soll Smart-Rhino kein Villen- und Ausflugs-Hotspot werden, sondern ein Motor für Innovationen und damit für Arbeitsplätze.

Diese Grafik zeigt, wie Smart Rhino in Dortmund Mitte der 2030er-Jahre aussehen könnte und wo das Quartier entsteht - zwischen Rheinischer Straße und OWIIIa am Hafen.
Diese Grafik zeigt, wie Smart Rhino Mitte der 2030er-Jahre aussehen könnte und wo das Quartier entsteht – zwischen Rheinischer Straße und OWIIIa am Hafen. © Thelen Gruppe/Redaktion © Thelen Gruppe/Redaktion

Angetrieben werden soll dieser Motor nicht nur von der Fachhochschule, über deren Ansiedlung bisher viel berichtet wurde, sondern vor allem von „Science Factories“. Klaus Brenscheidt nutzt diesen Begriff immer wieder und er meint mit diesen „Wissenschaftsfabriken“ quasi Werkstätten, in denen der Wissenstransfer zu marktgängigen Produkten führt.

„Die Science Factories sind die entscheidenden Schnittstellen zum Markt. Sie sind für die Studierenden so etwas wie ‚fliegende Klassenzimmer‘. Unser Programm lautet: Raus aus den Hörsälen, rein in die konkreten Anwendungsfälle der Hochschule und weitermachen in den Science Factories. Sie zeigen, ob das vermittelte Wissen der Hochschule wirtschaftlich zu verwerten ist. Dort können sich die jungen Leute beweisen und ihre Karrieren starten“, sagt Klaus Brenscheidt.

Smart Rhino mit rund 150 „Innovationskuben“

In den Plänen der Essener Thelen Gruppe, die fast zwei Milliarden Euro in Smart Rhino investieren will, sind die „Science Factories“ auf einer Fläche von rund 13 Hektar vorgesehen. Es wird eine Bruttogeschossfläche von rund 200.000 Quadratmetern angestrebt – verteilt auf würfelförmige Gebäude.

Entstehen sollen rund 150 sogenannte „Innvotionskuben“ mit einer genormten Größenordnung zwischen 750 und 1500 Quadratmetern – ausgestattet mit standardisiertem Equipement, das abhängig von Technologien und Themenfeldern modulartig aufgerüstet werden kann. Am Ende, also in rund 10 Jahren, sollen in ihnen etwa 9300 Menschen arbeiten.

Die größte Investition in ein einziges Vorhaben, die es in Dortmund in der Nachkriegsgeschichte je gegeben hat, soll auf diesem ehemaligen Industrie-Arial von Hoesch Spundwand vorgenommen werden. Die Essener Thelen Gruppe investiert rund zwei Milliarden Euro. Öffentliche Gelder sollen noch hinzu kommen.
Die größte Investition in ein einziges Vorhaben, die es in Dortmund in der Nachkriegsgeschichte je gegeben hat, soll auf diesem ehemaligen Industrie-Arial von Hoesch Spundwand vorgenommen werden. Die Essener Thelen Gruppe investiert rund zwei Milliarden Euro. Öffentliche Gelder sollen noch hinzu kommen. © Thelen Gruppe © Thelen Gruppe

Hauptsächlich werden sie im IT-Bereich arbeiten, denn die Informationstechnologie ist der Innovationstreiber Nummer 1. Und auf diesem Feld gilt es, den Kampf mit China aufzunehmen. Für Klaus Brenscheidt ist es der Kampf von David gegen Goliath.

Smart Rhino soll Steinschleuder im Kampf gegen Goliath sein

„China“, sagt er, „bildet in enormen Größenordnungen IT-Fachkräfte aus. Jedes Jahr stehen der chinesischen Volkswirtschaft eine Million frisch ausgebildete Informatiker zur Verfügung. Gleiches gilt für Indien. Wir in Deutschland bringen jedes Jahr etwa 30.000 akademisch ausgebildete Informatiker auf den Arbeitsmarkt.“

Für Brenscheid gilt es in diesem Kampf, flexibel, kreativ und clever zu sein: „Für den Sieg von David war der Einsatz der Steinschleuder die wichtige strategische Entscheidung. Smart Rhino soll für unseren Standort die Steinschleuder sein. Wir müssen nämlich um das qualitativ besser sein, was wir quantitativ nicht in die Waagschale werfen können.“

Mit einem visionär klingenden Satz gibt er dann einen Hinweis darauf, was vielleicht sein Vorbild ist. „Smart Rhino soll funktionieren wie das Google-Hauptquartier.“ Die Rahmenbedingungen sollen Begegnung und Austausch fördern, einen Ort freien Denkens bieten, Unternehmertum begünstigen, Hierarchien einebnen und dazu führen, dass Gleichgesinnte zusammenfinden.

Es wird ein Umfeld geschaffen, davon ist man bei der IHK überzeugt, das junge Leute lieben werden und das eine Bindung schafft an die Stadt und die Region. „Wir möchten ja die gut ausgebildeten Leute hier halten. Und dafür müssen wir Innovationsdynamik und Urbanität bieten. Das schaffen wir mit Smart Rhino“, so Klaus Brenscheidt.

Smart Rhino: Rund 26 Millionen Euro Steuereinnahmen

Nach einer Modellrechnung in Analogie zum Technologiepark Dortmund geht man bei der IHK davon aus, dass in dem neuen Quartier bis etwa Mitte der 2030er-Jahre rund 210 Unternehmen mit durchschnittlich jeweils 43 Arbeitsplätzen entstehen.

Davon werde natürlich auch die Stadtkasse profitieren. „Die ausgelösten wirtschaftlichen Aktivitäten der Unternehmen im Quartier Science Factory“, erklärt IHK-Hauptgeschäftsführer Stefan Schreiber, „führen bei Vollauslastung und unter der Annahme, dass das Steuersystem Stand heute bestehen bleibt, zu ca. 26 Mio. Euro jährlichen Steuereinnahmen, die der Kommune zufließen. Im Wesentlichen sind dies Gewerbesteuer, Grundsteuer und anteilige Einkommenssteuer.“

Klaus Brenscheidt ist überzeugt, dass Smart Rhino nicht mehr lange nur in den Köpfen der Planer vorhanden sein wird: „Anfang 2023 geht es zur Sache. Und zur Internationalen Garten-Ausstellung (IGA) 2027 in Dortmund wird mehr als nur Rohbau fertig sein.“

Quartier Smart Rhino

Grösstes Städtebauprojekt in Dortmund

  • Gemeinsam mit der Stadt Dortmund, der Fachhochschule Dortmund und der IHK zu Dortmund plant die Essener Thelen Gruppe seit 2017 das Entwicklungsprojekt Smart Rhino, benannt nach Dortmunds zweitem Wappentier, dem geflügelten Nashorn.
  • Die 52 Hektar große Brachfläche des ehemaligen Hoesch Spundwand und Profil GmbH (HSP) Geländes soll zu einem nachhaltigen gemischtgenutzten Stadtquartier entwickelt werden. Smart Rhino soll Heimat für den Zukunftscampus der Fachhochschule Dortmund werden und gleichzeitig Raum für Wohnen, Freizeit, Innovation, Bildung und rund 9.300 neue Arbeitsplätze bieten.
  • Smart Rhino soll auch, so steht es auf der Homepage der Thelen Gruppe Bindeglied und Beschleuniger sein für die weitere Entwicklung des Unionviertels und des Stadtteils Dorstfeld.
Über den Autor
Redaktion Dortmund
Nach mehreren Stationen in Redaktionen rund um Dortmund bin ich seit dem 1. Juni 2015 in der Stadtredaktion Dortmund tätig. Als gebürtigem Dortmunder liegt mir die Stadt am Herzen. Hier interessieren mich nicht nur der Fußball, sondern auch die Kultur und die Wirtschaft. Seit dem 1. April 2020 arbeite ich in der Stadtredaktion als Wirtschaftsredakteur. In meiner Freizeit treibe ich gern Sport: Laufen, Mountainbike-Fahren, Tischtennis, Badminton. Außerdem bin ich Jazz-Fan, höre aber gerne auch Rockmusik (Springsteen, Clapton, Santana etc.).
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Peter Wulle

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