Protest gegen Thor Steinar: In vielen Städten mussten die Läden wieder schließen

mlzThor Steinar

Wenn ein Geschäft der bei Neonazis beliebten Modemarke Thor Steinar aufmacht, sind die Gegner oft nicht weit. Viele Filialen machten wieder dicht. Auch in Dortmund formiert sich Protest.

Dortmund

, 30.08.2019, 18:13 Uhr / Lesedauer: 2 min

Derzeit sind es vor allem antifaschistische Gruppen in Dortmund, die sich einig sind: Der neueröffnete Thor-Steinar-Laden am Brüderweg darf nicht lange bleiben. Diverse Akteure fordern die Stadt auf, gegen die Filiale aktiv zu werden - motivieren aber auch alle Bürger, sich gegen die Neueröffnung zur Wehr zu setzen: „Wir werden nicht auf das Handeln der Stadt warten, sondern rufen alle Dortmunder dazu auf, gegen den Neonazi-Laden aktiv zu werden“, heißt es in einer Pressemitteilung der Autonomen Antifa 170, einer antifaschistischen Gruppe aus Dortmund.

Thor Steinar ist ein Modelabel, das nicht nur gerne von Neonazis getragen wird, sondern hinter dem offenbar auch Betreiber mit starken Verbindungen zur Neonazi-Szene stecken.

Filiale in Essen hielt sich zehn Jahre lang

Die Gruppe Mean Streets Antifa schlägt vor, sich ein Beispiel an Essener Aktivisten zu nehmen. Dort gab es bis März 2019 ebenfalls eine Filiale von Thor Steinar, das Geschäft Oseberg. Es gab es immer wieder Proteste und Demonstrationen vor dem Ladenlokal, es gründete sich sogar das „Bündnis gegen Oseberg“. Der Protest blieb allerdings nicht nur friedlich und legal: Einmal beschmierten Unbekannte die Schaufensterfront mit rosa Farbe.

Dennoch hielt sich das Geschäft zehn Jahre lang. Der Hausbesitzer wollte den Vertrag eigentlich schon nach fünf Jahren kündigen, doch das Mietrecht machte ihm einen Strich durch die Rechnung. So blieben die Ladenbetreiber bis Frühjahr 2019.

Gegenüber der WAZ gab der Vermieter offen zu, bei der Vermietung einen Fehler gemacht zu haben: „Ich möchte mich nochmal bei allen Bürgern entschuldigen, dass ich diese Vermietung zugelassen habe, so ein Fehler passiert mir nicht nochmal“, wird er zitiert. Er habe sich im Vorfeld nicht ausreichend informiert, welche Mieter da in sein Ladenlokal einziehen wollten.

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Vermieter werfen Thor-Steinar-Händler raus

Dass Vermieter nach eigenen Angaben nicht wissen, wer hinter dem Bekleidungsgeschäft steckt, das in ihrem Haus eröffnet, ist schon öfter vorgekommen. 2008 mussten laut einem Bericht der „Welt“ die Betreiber eines Thor-Steinar-Geschäfts ihr Ladenlokal in Berlin-Mitte räumen. Der Vermieter, ein Hamburger Immobilienunternehmen, kündigte mit der Begründung, über die Hintergründe der Firma absichtlich getäuscht worden zu sein.

Leider hielt sich der Protest auch hier nicht im legalen Rahmen: Bevor sie das Lokal in Mitte räumen mussten, flogen hier Farbbeutel auf die Schaufensterfront, ein anderes Mal wurden die Scheiben eingeschlagen, berichtet die Junge Welt, eine weit linksgerichtete Zeitung.

Ebenfalls Proteste in Dortmund?

Leipzig und Magdeburg: Auch hier zeigten sich Vermieter entsetzt, als sie erfuhren, wer die neuen Mieter in ihrem Ladenlokal sind – und kündigten ihnen. In beiden Fällen gaben die Gerichte ihnen recht, die Ladenbetreiber mussten die Geschäftsräume verlassen, berichten die Welt und der Tagesspiegel.

Wie der Vermieter der Ladenfläche am Brüderweg 15 zu seinen neuen Mietern steht, ist offen. Er war am bis zum Redaktionsschluss dieses Textes am Freitag, 18 Uhr, nicht für eine Stellungnahme erreichbar. Auch die Pressestelle der Stadt Dortmund äußerte sich am Freitag nicht zu der Frage, ob oder wie man gegen den Laden vorgehen könne und wolle.

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Blockado kündigt Gegenprotest an

Auf Twitter kündigte sie jedoch an, gegen die missbräuchliche Nutzung des Stadtwappens durch Thor Steinar vorzugehen. In ihrer Werbung zur Neueröffnung verwendet das Label den schwarzen Adler auf gelbem Grund. Dafür bräuchte es eine Genehmigung durch die Stadt - die liegt offenbar nicht vor.

Der BVB bezieht übrigens schon lange klar Stellung: Das Tragen von Thor-Steinar-Kleidung ist im Stadion seit langem verboten.

Das antifaschistische Bündnis Blockado kündigte derweil eine Demo an. Am Montagabend (2.9.) werde man auf der Straße vor dem Geschäft eine Kundgebung abhalten. Weitere könnten folgen.

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