So haben Sie Tiere noch nie gesehen

"Arche Noah" im Museum Ostwall

Die Ausstellung "Arche Noah – Über Tier und Mensch in der Kunst" hat nur einen sehr begrenzten Kuschelfaktor. Die neue Schau des Museums Ostwall im Dortmunder U ist eine ernsthafte Auseinandersetzung mit dem schwierigen Verhältnis, das wir Menschen zur Schöpfung haben.

DORTMUND

, 13.11.2014, 18:08 Uhr / Lesedauer: 2 min

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

Vom Kuscheltier zum Schlachtvieh: "Arche Noah" im Museum Ostwall

Wölfe, Löwen, Hasen, Maden, eine Würgeschlange und viele Tiere mehr bevölkern die sechste Etage des U-Turms. Klingt wie ein Zoo, ist aber Kunst, und die Kunstwerke sind lustig, schön, bissig und erschreckend. Der Gang durch die Schau "Arche Noah" - Über Tier und Mensch in der Kunst" im Museum Ostwall ist unterhaltsam, spannend und abwechslungsreich wie ein guter Kinofilm.
13.11.2014
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Diese hochgezüchteten Rennhunde kat Jo Longhurst porträtiert. Den Hunden ist die harte Züchtung über Generationen hinweg anzusehen - fraglich, ob dieser Einfluss des Menschen mit Tierliebe zu tun hat. "Ich weiß, was du denkst", heißt die Serie.© Foto: Tilman Abegg
Witziges Foto von Friedrich Seidenstückeraus den 1920er-Jahren: "Das Zebra wird neu gestrichen".© Foto: Tilman Abegg
Es hängt an der Wand, die die Besucher beim Eintritt begrüßt. Rechts hinten hängt "Aquarium" von Norbert Tadeusz.© Foto: Tilman Abegg
Um die Ecke liegt dieses Bronze-Schwein namens "Gewohnheitstier" von Rosemarie Trockel. An der Wand das Bild "Großer Zoologischer Garten" von August Macke.© Foto: Tilman Abegg
Erstaunlich: Diese Iglu-artige Behausung haben Schmetterlingsraupen gebaut, um zu schlüpfen - im Atelier von Joos van de Plas. In der Schau sind zwölf verschiedene zu sehen, und keine gleicht der anderen.© Foto: Tilman Abegg
Absolut verstörend ist dieses Wolfsmädchen und das merkwürdige Wesen, das es im Arm hält. "The Comforter" von Patricia Piccinini wirkt so lebensecht, dass man, wenn man davorsteht, jede Sekunde damit rechnet, dass es sich bewegt.© Foto: Tilman Abegg
Fast ebenso echt wirkt dieser Schweinemensch von Deborah Sengl mit dem Titel "All you can lose". Vor allem die Hände und Arme sind von denen eines lebenden Menschen optisch nicht zu unterscheiden.© Foto: Tilman Abegg
"Dragon Head" - Drachenkopf - hat Marina Abramovich ihren Film genannt. Er zeigt die Künstlerin, um deren Hals und Kopf sich eine Würgeschlange windet. Die Künstlerin hat die Schlange vorher zwei Wochen lang hungern lassen. Abramovich ist für ihre extremen, selbstgefährdenden Performances berühmt.© Foto: Tilman Abegg
Diese Installation ist von der Dortmunder Künstlerin Anett Frontzeck. "Wie Phoenix aus der Asche" nennt sie die Schautafeln und Info-Karteikarten, die über die Gänse und anderen Tiere am Phoenix-See in Dortmund-Hörde informieren und den Einfluss, den die Menschen auf sie genommen haben.© Foto: Tilman Abegg
Die Räume der Ausstellung sind abwechslungsreich aufgebaut. Langweilig wird den Besuchern hier sicher nicht so schnell. Die Plastik in der Vitrine vorne links "Karnickelköttelkarnickel (Scheißhase)" von Dieter Roth aus Stroh und Kaninchenkot ist überigens aus der eigenen Sammlung des Museums Ostwall. Die Leihgeber der geliehenen Werke sind die Künstler selbst oder Museen aus Deutschland.© Foto: Tilman Abegg
Die Klassiker: Rechts eine Lithografie von Fernand Leger, links eine Zeichnung von Pablo Picasso.© Foto: Tilman Abegg
Die vierzehn Bilder an der linken Wand von Deborah Sengl zeigen den Leidensweg Christi...© Foto: Tilman Abegg
...in dem Jesus durch einen Hahn ersetzt ist. Darüber...© Foto: Tilman Abegg
...schwebt dieses Kreuz mit der Inschrift "KFC", das einen Hahn mit Dornenkrone und Lendenschurz trägt. Die Inschrift ist der Fast-Food-Kette "Kentucky Fried Chicken" nachempfunden, die in erster Linie Geflügelfleisch verkauft.© Foto: Tilman Abegg
"Auf dem Rücken der Tiere" nennt Christiane Möbus ihre imposante Installation von 1990/1994.© Foto: Tilman Abegg
Diese Arche steht im letzten Raum der Ausstellung.© Foto: Tilman Abegg
Das Affenskelett "Spider Monkey" von Mark Dion, dahinter vier riesige Affen-Porträts von Gabriele Muschel.© Foto: Tilman Abegg
Dies ist ein "Wolf im Schafspelz"...© Foto: Tilman Abegg
...und ein "Schaf im Wolfspelz", beide von Tim Ulrichs.© Foto: Tilman Abegg
In der Schau stehen sie einander gegenüber. Die einen finden diese Zwitterwesen gruselig, die anderen witzig.© Foto: Tilman Abegg
Harter Tobak: Die labyrinthartige Installation "Schlachthaus Berlin" von Jörg Knoefel. An den nackten Metallwänden hängen Fotos, die Knoefel in einem Schlachthaus aufgenommen hat, in dem er als junger Mann gejobbt hat. Diese Installation ist für Unter-16-Jährige nur in Begleitung ihrer Eltern gedacht.© Foto: Tilman Abegg
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Es zwitschert in der 6. Etage des U-Turms. Leise Tiergeräusche dringen aus den Videoinstallationen. Das passt, denn gleich zu Beginn erlebt der Besucher den herrlichen „Großen Zoologischen Garten“ von August Macke – ein dreiflügeliges Bild von 1912, das seit 1957 zum Schatz des Museums gehört.

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Vom Kuscheltier zum Schlachtvieh: "Arche Noah" im Museum Ostwall

Wölfe, Löwen, Hasen, Maden, eine Würgeschlange und viele Tiere mehr bevölkern die sechste Etage des U-Turms. Klingt wie ein Zoo, ist aber Kunst, und die Kunstwerke sind lustig, schön, bissig und erschreckend. Der Gang durch die Schau "Arche Noah" - Über Tier und Mensch in der Kunst" im Museum Ostwall ist unterhaltsam, spannend und abwechslungsreich wie ein guter Kinofilm.
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Diese hochgezüchteten Rennhunde kat Jo Longhurst porträtiert. Den Hunden ist die harte Züchtung über Generationen hinweg anzusehen - fraglich, ob dieser Einfluss des Menschen mit Tierliebe zu tun hat. "Ich weiß, was du denkst", heißt die Serie.© Foto: Tilman Abegg
Witziges Foto von Friedrich Seidenstückeraus den 1920er-Jahren: "Das Zebra wird neu gestrichen".© Foto: Tilman Abegg
Es hängt an der Wand, die die Besucher beim Eintritt begrüßt. Rechts hinten hängt "Aquarium" von Norbert Tadeusz.© Foto: Tilman Abegg
Um die Ecke liegt dieses Bronze-Schwein namens "Gewohnheitstier" von Rosemarie Trockel. An der Wand das Bild "Großer Zoologischer Garten" von August Macke.© Foto: Tilman Abegg
Erstaunlich: Diese Iglu-artige Behausung haben Schmetterlingsraupen gebaut, um zu schlüpfen - im Atelier von Joos van de Plas. In der Schau sind zwölf verschiedene zu sehen, und keine gleicht der anderen.© Foto: Tilman Abegg
Absolut verstörend ist dieses Wolfsmädchen und das merkwürdige Wesen, das es im Arm hält. "The Comforter" von Patricia Piccinini wirkt so lebensecht, dass man, wenn man davorsteht, jede Sekunde damit rechnet, dass es sich bewegt.© Foto: Tilman Abegg
Fast ebenso echt wirkt dieser Schweinemensch von Deborah Sengl mit dem Titel "All you can lose". Vor allem die Hände und Arme sind von denen eines lebenden Menschen optisch nicht zu unterscheiden.© Foto: Tilman Abegg
"Dragon Head" - Drachenkopf - hat Marina Abramovich ihren Film genannt. Er zeigt die Künstlerin, um deren Hals und Kopf sich eine Würgeschlange windet. Die Künstlerin hat die Schlange vorher zwei Wochen lang hungern lassen. Abramovich ist für ihre extremen, selbstgefährdenden Performances berühmt.© Foto: Tilman Abegg
Diese Installation ist von der Dortmunder Künstlerin Anett Frontzeck. "Wie Phoenix aus der Asche" nennt sie die Schautafeln und Info-Karteikarten, die über die Gänse und anderen Tiere am Phoenix-See in Dortmund-Hörde informieren und den Einfluss, den die Menschen auf sie genommen haben.© Foto: Tilman Abegg
Die Räume der Ausstellung sind abwechslungsreich aufgebaut. Langweilig wird den Besuchern hier sicher nicht so schnell. Die Plastik in der Vitrine vorne links "Karnickelköttelkarnickel (Scheißhase)" von Dieter Roth aus Stroh und Kaninchenkot ist überigens aus der eigenen Sammlung des Museums Ostwall. Die Leihgeber der geliehenen Werke sind die Künstler selbst oder Museen aus Deutschland.© Foto: Tilman Abegg
Die Klassiker: Rechts eine Lithografie von Fernand Leger, links eine Zeichnung von Pablo Picasso.© Foto: Tilman Abegg
Die vierzehn Bilder an der linken Wand von Deborah Sengl zeigen den Leidensweg Christi...© Foto: Tilman Abegg
...in dem Jesus durch einen Hahn ersetzt ist. Darüber...© Foto: Tilman Abegg
...schwebt dieses Kreuz mit der Inschrift "KFC", das einen Hahn mit Dornenkrone und Lendenschurz trägt. Die Inschrift ist der Fast-Food-Kette "Kentucky Fried Chicken" nachempfunden, die in erster Linie Geflügelfleisch verkauft.© Foto: Tilman Abegg
"Auf dem Rücken der Tiere" nennt Christiane Möbus ihre imposante Installation von 1990/1994.© Foto: Tilman Abegg
Diese Arche steht im letzten Raum der Ausstellung.© Foto: Tilman Abegg
Das Affenskelett "Spider Monkey" von Mark Dion, dahinter vier riesige Affen-Porträts von Gabriele Muschel.© Foto: Tilman Abegg
Dies ist ein "Wolf im Schafspelz"...© Foto: Tilman Abegg
...und ein "Schaf im Wolfspelz", beide von Tim Ulrichs.© Foto: Tilman Abegg
In der Schau stehen sie einander gegenüber. Die einen finden diese Zwitterwesen gruselig, die anderen witzig.© Foto: Tilman Abegg
Harter Tobak: Die labyrinthartige Installation "Schlachthaus Berlin" von Jörg Knoefel. An den nackten Metallwänden hängen Fotos, die Knoefel in einem Schlachthaus aufgenommen hat, in dem er als junger Mann gejobbt hat. Diese Installation ist für Unter-16-Jährige nur in Begleitung ihrer Eltern gedacht.© Foto: Tilman Abegg
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Gleich daneben hängt eine kürzlich erworbene Vorstudie. Eine „Grasende Kuh“ von Ewald Mataré – niemand erfasste das Eigentliche des Tieres so wie dieser Bildhauer –, ein lustiger Frosch von Picasso, „Äffchen und Mensch“ von Franz Marc, ein Schäferhund von Otto Dix oder gar der wuschelige Schoßhund von Peggy Guggenheim, gemalt von Max Ernst – das alles sind ausdrucksvolle Tierporträts, die zu erwarten waren. Doch schon das Bronze-Schwein von Rosemarie Trockel, das gleich neben dem Macke-Gemälde frech in der Ecke zu schnarchen scheint, will nicht mehr niedlich sein. Aber die Schau geht noch weiter. Viel weiter. Sie geht dahin, wo es wehtut. Und beleuchtet die mal unheimliche, mal brutale Seite der Natur, aber auch die noch viel brutalere Haltung des Menschen.

Nur ganz schwer erträglich ist vor allem das Video „La danse de Saint Guy“ von Émilie Pitoiset, das Aufnahmen von George Franju aus dem Jahr 1949 verwendet und strampelnde Lämmer auf dem Weg zur Schlachtbank zeigt. Wer die Schau mit Kindern besucht, sollte dieses und ein paar andere Werke lieber links liegen lassen. Doch die Wahrheit ist: Wir leben „Auf dem Rücken der Tiere“, wie die gigantische Arche von Christiane Möbus zum Schluss der Schau nahelegt. Der eigentlich Knüller ist jedoch die Installation „The dark museum“ von Mark Dion, bekannt von der „Emscherkunst“ 2010/13. Er schuf einen finsteren Raum, den der Besucher mit einer Taschenlampe erforschen darf. Ein Löwe, ein Elch und eine Galapagos-Schildkröte tauchen aus dem Dunkel auf. Ein Abenteuer – wie in den Hollywood-Filmen „Nachts im Museum“. Sehr ungewöhnlich ist bei der Ausstellung „Arche Noah“ des Museums Ostwall im Dortmunder U die Zusammenarbeit mit dem Dortmunder Zoo. Wer eine Eintrittskarte zur Ausstellung in der Stadtmitte erwirbt, kann auch den beliebten Tierpark einmal kostenlos besuchen. Umgekehrt gelten Tickets aus dem Zoo auch einmal für den Besuch des Museums. Ein gutes Angebot, mit dem Familien zwei Attraktionen sehen und Geld sparen können. Außerdem präsentiert das Museum im Zoo auch Tierplastiken von Bernhard Hoetger, der 1874 in Dortmund-Hörde geboren wurde. Dieser Künstler, dessen Bildnis der Tänzerin Sent M´Ahesa am Dortmunder Schildplatz steht, schuf wunderbare Skulpturen von Elefant und Eisbär, Kamel und Gorilla.  

Museum Ostwall im Dortmunder U: „Arche Noah - Über Tier und Mensch in der Kunst“, 15.11.2014 - 12.4.2015, Leonie-Reygers-Terrasse.
Geöffnet Di/Mi 11-18 Uhr, Do/Fr 11-20 Uhr, Sa/So 11-18 Uhr. Geschlossen am 24.12./25.12./ 31.12./ 1.1.
Eintritt 6 Euro, ermäßigt 3 Euro. Die Karte ist bis zum Ende der Ausstellung auch für einen Besuch der Zoos Dortmund gültig.
Sehr zu empfehlen ist der Katalog für 12 Euro, der im Stil eines Magazins aufgemacht ist und die vielen Themen optisch ansprechend und sehr unterhaltsam vertieft.

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