Weihnachtsgeld trotz Krise? So halten es große Dortmunder Arbeitgeber

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Nur etwa jeder Zweite erhält in diesem Jahr Weihnachtsgeld. Das sagt eine bundesweite Umfrage. Wir haben bei Dortmunder Unternehmen nachgefragt: Wird das Weihnachtsgeld gestrichen?

Dortmund

, 13.11.2020, 13:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

Das Corona-Krisenjahr 2020 nähert sich dem Ende. Damit kommt die Frage auf: Wie halten es die Firmen in diesem Jahr mit dem Weihnachtsgeld. Eine Umfrage des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung kommt zu dem Ergebnis, dass bundesweit nur 53 Prozent der Beschäftigten mit einer Sonderzahlung zum Jahresende rechnen können.

Das sind, so stellt das Institut fest, nicht weniger als vor einem Jahr auch. Allerdings würden manche Betriebe in diesem Jahr das Weihnachtsgeld kürzen. „Am höchsten stehen die Chancen auf ein Weihnachtsgeld, wenn das Unternehmen an einen Tarifvertrag gebunden ist, das gilt auch und gerade in diesem von der Corona-Pandemie geprägten Jahr“, sagt der Leiter des WSI-Tarifarchivs, Prof. Dr. Thorsten Schulten.

Als Anbieter von Getränke-Abfüllanlagen und Verpackungslösungen beschäftigt die KHS GmbH an der Juchostraße in Wambel 1300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Es ist ein produzierender Betrieb mit Kunden in der ganzen Welt. „Trotz der Corona-Krise gibt es keine Veränderungen bei der Auszahlung des Weihnachtsgeldes“, sagt Florian Lerche, der Leiter der Unternehmenskommunikation.

Fürs Weihnachtsgeld: „Je größer die Betriebe, desto besser“

In ganz Deutschland zählt KHS 3100 Beschäftigte. Sie alle dürfen sich auf die Sonderzahlung freuen. „KHS ist ein tarifgebundenes Unternehmen und wird das Weihnachtsgeld in voller Höhe gemäß den tarifvertraglichen Regelungen auszahlen“, so Florian Lerche.

Für Wolfgang Scharf, den Geschäftsführer der Wirtschaftsauskunftei Creditreform am Phoenixsee, ist es nicht überraschend, dass solch große Firmen Weihnachtsgeld zahlen. „Je größer die Betriebe, desto besser ist für die Beschäftigten. Bei den Großen ist das Weihnachtsgeld ein abgesicherter Kostenposten, der einkalkuliert ist“, sagt der Finanzexperte.

Wolfgang Scharf, Geschäftsführer der Wirtschaftsauskunftei Creditreform am Phoenix-See in Dortmund

Wolfgang Scharf, Geschäftsführer der Wirtschaftsauskunftei Creditreform am Phoenix-See, beobachtet beim Weihnachtsgeld schon seit Jahren einen rückläufigen Trend. Beschäftigte in kleineren Firmen erhalten es, so sagt er, oft nicht. © Creditreform

Viel schwieriger sei es für die kleineren Firmen, die unter der Corona-Krise echt leiden, das Weihnachtsgeld zu zahlen. „Wer corona-geschädigt ist, wird in diesem Jahr kein Weihnachtsgeld zahlen. Für viele ist Corona auch ein Argument, um es nicht zu zahlen. Meine Beobachtung ist, dass bei den kleineren Unternehmen der Trend rückläufig ist“, so Wolfgang Scharf.

Wie sieht es also beispielsweise in der besonders gebeutelten Hotelbranche aus? Einer der größten heimischen Arbeitgeber ist hier die Hotel Drees GmbH & Co. KG der Familie Riepe. „Wir haben uns natürlich Gedanken gemacht“, sagt Markus Riepe, „allerdings haben wir uns dazu entschieden, das Weihnachtsgeld nach unserem Manteltarif-Vertrag auszuzahlen. Somit stocken wir das Kurzarbeiter-Geld bei unseren 50 Festangestellten auf. Auch bei den Azubis werden diese Gelder als Zeichen der Wertschätzung fließen.“

Zu keiner Zeit stand beim Pumpenhersteller Wilo in Hörde das Weihnachtsgeld zur Disposition. Die 2000 in Dortmund beschäftigten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erhalten den zusätzlichen Betrag mit der November-Abrechnung. Man habe, sagt Wilo-Sprecher Klaus Hübscher, wegen Corona mitunter „kostensensibel handeln“ müssen: „Aber die Löhne gehörten und gehören nicht dazu.“

Weihnachtsgeld ist „wichtiges Zeichen der Wertschätzung“

Auch für die rund 2000 Beschäftigten der am Westfalenpark beheimateten Signal Iduna Gruppe bleibt alles beim Alten. „Wir haben uns entschieden, auch in diesem Jahr ein volles Gehalt als Weihnachtsgeld zu zahlen. Das ist in diesen Zeiten keine Selbstverständlichkeit, aber für uns ein wichtiges Zeichen der Wertschätzung für die sehr gute Arbeit, die unter diesen ganz besonderen Bedingungen geleistet wurde“, sagt Vorstandsvorsitzender Ulrich Leitermann.

In Dortmund rüttelt Signal-Iduna-Chef Ulrich Leitermann nicht am Weihnachtsgeld

Signal-Iduna-Chef Ulrich Leitermann rüttelt nicht am Weihnachtsgeld. Es sei „ein wichtiges Zeichen der Wertschätzung“, sagt er. © Stephan Schuetze

Die Signal Iduna Gruppe zahlt ihren Mitarbeitenden grundsätzlich 14 Gehälter – ein Monatsgehalt „Urlaubsgeld“ (Mai) und ein Monatsgehalt „Weihnachtsgeld“ (November). Ein Teil davon ist tariflich zugesichert, ein Teil wird freiwillig vom Unternehmen gezahlt. „In den vergangenen Jahren haben wir immer die 14 Gehälter gezahlt“, sagt Edzard Bennmann, Leiter der Unternehmenskommunikation.

Sein Kollege Bernd Goletz von der Krankenversicherung Continentale berichtet Ähnliches. „Ja, selbstverständlich zahlen wir Weihnachtsgeld. Die Corona-Situation spielte bei der Entscheidung keine Rolle“, sagt er. Und: „Wir zahlen Weihnachtsgeld gemäß Tarifvertrag und Betriebsvereinbarung. In der Regel bedeutet dies 80 Prozent des Novembergehaltes, hinzu kommt ein Festbetrag.“

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Generell sind die Beschäftigten in tarifgebundenen Unternehmen gut abgesichert. Etwa bei der Stadtverwaltung. Die Stadt Dortmund zahlt den Tarifbeschäftigten nach den für den öffentlichen Dienst geltenden Regelungen eine Jahressonderzahlung aus. „Die Corona-Situation führt zu keinerlei Veränderungen“, sagt Stadtsprecher Michael Meinders.

Bei dem städtischen Tochterunternehmen DSW21 gibt es das Weihnachtsgeld ebenfalls wie gewohnt - und sogar noch mehr. „Die Frage, ob wir den rund 2.000 Beschäftigten von DSW21 ein Weihnachtsgeld zahlen, stellt sich bei uns ja nicht. Sie ist zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern tarifvertraglich geregelt“, sagt DSW21-Unternehmenssprecher Frank Fligge. Die Höhe der „Jahressonderzahlung“ betrage aktuell 82,14 Prozent eines Monatsgehaltes.

Corona-Einmalzahlung gibt es bei DSW21 on top

Auf der Grundlage des Abschlusses für den Tarifvertrag Nahverkehr NRW, auf den sich Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite just am vergangenen Samstag, 7.11., im Werkssaal von DSW21 verständigt haben, wird die Sonderzahlung ab 2022 noch einmal um 5 auf dann 87,14 % steigen, also beinahe den Umfang eines 13. Monatsgehaltes erreichen.

Ebenfalls Bestandteil des Tarifabschlusses, der formell noch von beiden Seiten bestätigt werden muss, ist eine steuerfreie Corona-Einmalzahlung in Höhe von 600 Euro, die noch in diesem Jahr ausbezahlt wird. „Als einziges Verkehrsunternehmen in NRW“, so Frank Fligge, „hat DSW21 außerdem bereits im Frühjahr nach dem ersten Lockdown einen Bonus von bis zu 500 Euro an alle rund 900 Bus- und Stadtbahnfahrer bzw. -fahrerinnen gezahlt.“

Für das Institut WSI der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung dient das Weihnachtsgeld auch der Stärkung der Kaufkraft. In diesem Jahr sei es nach krisenbedingten Einkommenseinbußen für viele besonders wichtig.

Für das Institut WSI der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung dient das Weihnachtsgeld auch der Stärkung der Kaufkraft. In diesem Jahr sei es nach krisenbedingten Einkommenseinbußen für viele besonders wichtig. © dpa

Klar ist die Sache auch bei der Entsorgung Dortmund GmbH (EDG). Dort zeigt man sich demütig, „dass unsere Branche wirtschaftlich nicht in der Weise betroffen ist, wie es leider viele andere Unternehmen sind.“ Prokurist Matthias Kanitz erklärt: „Die Zahlung von Weihnachtsgeld erfolgt im EDG Konzern auf der Basis tarifvertraglicher Regelungen und in Form finanzieller Zuwendungen.“ Die 982 Beschäftigten der EDG und 351 Beschäftigten der Schwesterunternehmen erhalten ihr Weihnachtsgeld also wie gewohnt.

Keine Frage ist es auch bei den Krankenhäusern, die Leistungen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gerade in diesem Jahr anzuerkennen. Bei der Klinikum Westfalen GmbH, zu der das Knappschaftskrankenhaus in Brackel mit rund 1300 Beschäftigten gehört, erfolgen alle tariflich geregelten Zahlungen in vollem Umfang, teilt Pressesprecher Klaus-Peter Wolter mit.

Krankenhaus-Beschäftigten erhalten „das gewohnte Weihnachtsgeld“

Wie gewohnt werde es auch am Klinikum Dortmund für die rund 5000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein Weihnachtsgeld nach öffentlichem Tarif geben, erklärt Sprecher Marc Raschke. „Es ändert sich auch nichts durch Corona“, sagt er. Für die circa 3500 Beschäftigten im Johannes-Hospital und den weiteren Krankenhäusern der St. Johannes-Gesellschaft gilt das genauso. Gezahlte werde „das gewohnte Weihnachtsgeld“, so Sprecherin Gudula Stroetzel.

Gleiches Bild auch an der Technischen Universität. Dort erhalten rund 3300 Personen die tarifliche Jahressonderzahlung. „Die liegt in diesem Jahr je nach Entgeltgruppe zwischen 32,95 und 88,91 Prozent eines Monatsgehalts. Der Prozentsatz nimmt mit steigendem Einkommen ab“, erklärt TU-Sprecherin Eva Prost. Verbeamtetes Personal, studentische und wissenschaftliche Hilfskräfte sowie Lehrbeauftragte erhalten kein Weihnachtsgeld.

Mit Tarifvertrag bekommen den Daten des WSI zufolge mehr als drei Viertel aller Beschäftigten (77 Prozent) Weihnachtsgeld. Dagegen erhalten nur vier von zehn Beschäftigten (41 Prozent), die in nicht tarifgebundenen Betrieben arbeiten, ein Extra zum Jahresende.

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Ob auch die europaweit 21.000 Beschäftigten des Handelsunternehmens TEDi, das seinen Firmensitz in Brackel hat, in diesem Jahr Weihnachtsgeld bekommen, verrät die Geschäftsführung nicht. Das Unternehmen bittet auf Anfrage um Verständnis dafür, „dass wir über betriebsinterne Entgeltzahlungen generell keine Auskunft erteilen.“

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