So läuft die sprachliche Integration in der Harkort-Grundschule

mlzFlüchtlinge in Dortmund

Über Flüchtlinge wird inzwischen etwas weniger diskutiert, im Hintergrund laufen Integrations-Maßnahmen weiter. Wir haben den Sprachunterricht an der Harkort-Grundschule besucht.

Hombruch

, 22.03.2019, 15:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Zweitklässler Giovanni aus Italien und Giovanna aus Angola sind bei ihrer wöchentlichen DAZ-Doppelstunde in der Willkommensklasse an der Harkort-Grundschule. DAZ steht für Deutsch als Zweitsprache und richtet sich an insgesamt 15 Schüler. Die meisten sind Flüchtlinge, einige kommen aus dem EU-Ausland.

Giovanna, die seit Mai 2018 in Deutschland lebt, geht mit einem digitalen Stift über Motive wie Häuser oder Blumen. In dem Moment werden die Worte über kleine Lautsprecher abgespielt. So prägen sich die Kinder die Worte ein. Giovanni lebt seit eineinhalb Jahren hier und schreibt Worte ab, die neben den passenden Bildern stehen. So verbessert sich seine Rechtschreibung. Außerdem gibt es für beide Bild- und Wortkarten, die nach lebensnahen Themen wie Schulhof, Klassenzimmer oder Jahreszeiten sortiert sind.

Wissensvermittlung und Traumaverarbeitung

Gefördert werden die Schüler in den Willkommensklassen von Stephanie Dahl, die für gewöhnlich Mathe, Deutsch und Sport unterrichtet. Als sie nach dem Mutterschutz gekommen ist, hat sie die DAZ-Stunden übernommen. Darauf wurde sie von einer Kollegin vorbereitet, die mehrere Fortbildungen besucht hat. Neben der Wissensvermittlung, gehört dazu auch der Umgang mit psychisch vorbelasteten Kindern.

Der DAZ-Unterricht wurde im Februar 2015 eingeführt. In jener Zeit, als vermehrt Flüchtlinge aus Krisen- und Kriegsgebieten - vor allem aus dem Nahen- und Mittleren Osten - eingewandert sind. Die DAZ-Schüler besuchen den Unterricht in Dreiergruppen für zwei Stunden in der Woche. In der Anfangsphase waren es jeweils zwei Stunden pro Tag - in einer 15-köpfigen Klasse.

DAZ-Unterricht als Ergänzung zu den Regelklassen

„Da sich die Sprachkenntnisse der Schüler im Laufe der Jahre verbessert haben, haben wir die Stundenanzahl und Klassengröße reduziert“, so die Schulleiterin Maria Quel. Durch die kleineren Gruppen könne man noch individueller auf die Schüler eingehen, ergänzt Quel.

So läuft die sprachliche Integration in der Harkort-Grundschule

© Rezek

Die DAZ-Stunden in den Willkommensklassen werden ergänzend zum Unterricht in den Regelklassen angeboten. Wenn eine Deutsch-Lehrerin im regulären Unterricht bemerkt, dass ein neu zugewandertes Kind beispielsweise eine Geschichte nicht schreiben kann, findet ein Austausch mit Stephanie Dahl von der Willkommenklasse statt. Auch in Mathe kann es zu Schwierigkeiten kommen, wenn es sich um eine textlastige Aufgabe handelt. Im DAZ-Unterricht wird dann noch einmal nachgearbeitet. Für Schüler mit mehr Lernbedarf gibt es ergänzend Förderunterricht in Deutsch und Mathe, der für alle Schüler offen ist.

Immer weniger Flüchtlinge in Förderklassen

„Der Erfolg im Sprachunterricht ist von unterschiedlichen Faktoren abhängig“, so Stephanie Dahl. Manche hätten eine bessere Auffassungsgabe als andere. „Ein Schüler spricht nach eineinhalb Jahren sehr gutes Deutsch. Seine Grammatik und Wortwahl ist einwandfrei“, sagt Quel anerkennend. Wenn Flüchtlingskinder einen Ganztagsplatz bekommen, gelingt die sprachliche Integration umso besser, ergänzt die Schulleiterin.

Wie geht es nach der Grundschule weiter?

Laut der Schulleiterin sind Eltern mit und ohne Flüchtlingsgeschichte gar nicht so unterschiedlich, wenn es um die Schullaufbahn ihrer Kinder nach der Grundschule geht. In der Regel orientieren sich die Eltern an den Empfehlungen der Lehrer. Manche neigen jedoch dazu, ihre Kinder an höheren Schulformen anzumelden. Eine Tendenz, welche Schulform die Flüchtlingskinder nach der vierten Klasse besuchen, gibt es laut der Schulleiterin nicht. „Von der Hauptschule bis zum Gymnasium ist alles dabei“, sagt sie. Derweil hat es geklingelt. Giovanni und Giovanna gehen wieder in den regulären Unterricht.

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