Anne Saußen wurde vor 22 Jahren in ihrer Wohnung umgebracht. DNA-Spuren an einer gestohlenen Aluleiter könnten jetzt möglicherweise den Täter überführen. © Polizei Dortmund
Verbrechen

So rollt die Dortmunder Polizei mit DNA-Spuren Cold Cases wieder auf

Mithilfe von DNA-Spuren werden heute Verbrechen noch nach Jahrzehnten aufgeklärt. Aktuell ist es eine Ausziehleiter, auf die Polizei- und Staatsanwaltschaft ihre Hoffnung in einem Cold Case setzen.

22 Jahre nach einem Raubmord suchen Polizei und Staatsanwaltschaft Dortmund in einem „Cold Case“ nach dem Täter. Das Mordopfer Anne Saußen, eine 84-jährige Witwe, wurde in der Nacht zum 24. März 1998 in ihrer Wohnung in Bergkamen-Oberaden überfallen, geknebelt und am nächsten Morgen tot aufgefunden. Sie war erstickt.

Neueste wissenschaftliche Erkenntnisse zur Auswertung von DNA-Spuren geben den Ermittlern die Hoffnung, den oder die Täter endlich zu finden. Eine heiße Spur könnte eine Ausziehleiter sein, mit der die Täter in die Wohnung des Opfers eingestiegen sind.

Vermutlich wurde die Leiter, die damals 339 DM kostete, aus einer ehemaligen Baumarktfiliale in Hamm gestohlen. Durch die Spurensicherung am Tatort konnte unmittelbar nach der Tat DNA-Material gesichert werden. Jetzt, im Jahr 2020 und über 8000 Tage nach der Tat, verfügen die Ermittler über neue Untersuchungsmethoden, durch die DNA-recherchefähiges Material extrahiert werden kann. Eine mögliche Identifizierung des oder der Täter ist zumindest nicht auszuschließen.

DNA-Spuren im Fall Schalla

Ein Beispiel dafür, dass vor Jahren gesicherte DNA-Spuren durch fortgeschrittene Auswertungsmethoden zur Lösung eines bis dato unaufgeklärten Falls führen können, ist der Tod von Nicole Denise Schalla, der 27 Jahre nach der Tat zurzeit am Dortmunder Landgericht verhandelt wird.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten Ralf H. aus Castrop-Rauxel vor, die 16-Jährige im Herbst 1993 heimtückisch ermordet zu haben. Er habe versucht, Nicole-Denise Schalla zu vergewaltigen, und sie im Kampf erwürgt. Es dauerte 25 Jahre bis zu seiner Festnahme. Ein DNA-Treffer hatte die Ermittler auf seine Spur gebracht. Die winzige Hautschuppe, die man 1993 auf Nicoles Leiche fand, hatte nach all der Zeit einen Treffer in der Datenbank ausgespuckt.

Mord verjährt nie. Deshalb hat das Landeskriminalamt (LKA) Nordrhein-Westfalen eine hohe Anzahl ungeklärter Mordfälle in eine „Cold Cases“-Datenbank aufgenommen und arbeitet diese systematisch ab. Profiler der OFA (Operative Fallanalyse) beim LKA NRW recherchieren beispielsweise mögliche Tatzusammenhänge, rekonstruieren Tatabläufe und leiten Motive her. Die Altfälle reichen bis in die 70er-Jahre zurück.

Immer wieder Cold Cases

Auch wenn sie keine konkreten Zahlen nennen konnte, sagte die Dortmunder Staatsanwältin Sandra Lücke: „Wir haben immer wieder Cold Cases, die wir routinemäßig überprüfen. Durch veränderte Möglichkeiten bei der DNA-Analyse werden immer wieder Verfahren aufgerollt.“ Neu sei allerdings, sagt Polizei-Pressesprecherin Kristina Purschke, dass man den Fall von Anne Saußen medial so proaktiv begleite.

Für sachliche Hinweise, die im Fall Saußen zur Ergreifung des Täters oder der Täter führen, hat die Staatsanwaltschaft eine Belohnung in Höhe von 5000 Euro ausgelobt.

Weiterer Ansatz sind Schuldgefühle

Doch die Ermittler haben noch einen weiteren Ansatz: „Wir wissen von vielen ähnlich gelagerten Fällen, dass Täter, Tatbeteiligte oder Mitwisser die seelische Last einer solchen Tat oft lange mit sich herumtragen“, sagt der Leiter der Mordkommission „Saußen“, Gregor Schmidt: „Deshalb gilt unser Aufruf insbesondere den Personen, die etwas über diesen Fall wissen, uns aber bisher noch nichts dazu gesagt haben. Und auch der Täter könnte jetzt nach über zwei Jahrzehnten des Schweigens endlich sein Gewissen erleichtern.“

Personen, die sachdienliche Hinweise zum Raubmord an Anne Saußen geben können, können sich bei der Kriminalwache der Dortmunder Polizei unter der Telefonnummer 0231/132-7441 melden oder sie per E-Mail kontaktieren: kwache.dortmund@polizei.nrw.de.

Über die Autorin
Redaktion Dortmund
Stellvertretende Leiterin der Dortmunder Stadtredaktion - Seit April 1983 Redakteurin in der Dortmunder Stadtredaktion der Ruhr Nachrichten. Dort zuständig unter anderem für Kommunalpolitik. 1981 Magisterabschluss an der Universität Bochum (Anglistik, Amerikanistik, Romanistik).
Zur Autorenseite
Gaby Kolle

Der neue Lokalsport-Newsletter für das Münsterland

Immer dienstags und freitags um 18:30 Uhr das Wichtigste aus dem Lokalsport direkt in Ihr E-Mail-Postfach.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.