Mahdi Khalil ist Muslim und arbeitet in einem Dortmunder Architekturbüro. Trotz der beruflichen Belastung fastet er jeden Tag. Dadurch könne er sogar noch konzentrierter arbeiten.

Dortmund

, 09.05.2019, 16:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Mahdi Khalil ist Muslim, fastet und arbeitet in einem Dortmunder Architekturbüro. Entwürfe zeichnen, Baustellen abmessen, Kostenschätzungen vornehmen und Kundengespräche führen. All das gehört zu dem Alltag des 26-Jährigen. Dass das Fasten seine Arbeit erschwert, weist er von der Hand: „Ich kann sogar besser arbeiten, wenn ich faste.“ Das ist für viele schwer nachvollziehbar, aber er ist fest davon überzeugt.

Selbst wenn andere neben ihm essen, störe ihn das nicht. Er erzählt von einem Freund, der aus Rücksicht nichts gegessen habe, aber das sei nicht nötig, betont Khalil.

Fasten im Ramadan bedeutet für Muslime, 30 Tage lang von Beginn der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang weder zu essen noch zu trinken und keinen Geschlechtsverkehr zu haben. Rauchen ist auch verboten, was Khalil nicht leichtfällt, da er seit zehn Jahren qualmt. „Gerade wenn ich andere rauchen sehe, habe ich das Verlangen danach. Gestern hatte ich nur zwei Zigaretten. Eine nach dem Fastenbrechen und eine vor dem Einschlafen“, sagt er mit einem gewissen Stolz in der Stimme.

Fasten als Kind

Khalils Tag beginnt gegen 6.30 Uhr. „Mein zweijähriger Sohn weckt mich meistens“, sagt er. Seine Frau macht eine Ausbildung zur Erzieherin und ist aktuell in Elternzeit. Beide fasten gemeinsam und machen dem Nachwuchs Frühstück.

„Meinen Sohn werde ich zur richtigen Zeit an das Fasten heranführen“, sagt Mahdi und erinnert sich an seine Kindheit zurück. „Ich wollte schon mit acht Jahren fasten, aber meine Eltern haben es mir verboten, weil ich zu jung war.“

Fasten und die Gemeinschaft

Im Islam gilt das Fastengebot ab der Pubertät. Trotzdem gibt es Kinder, die ihre Eltern nachahmen und für einige Stunden auf das Essen verzichten. So hat es auch Mahdi ab seinem zehnten Lebensjahr mit Erlaubnis seiner Eltern praktiziert. „Es war schön, weil man sich als Teil der Gemeinschaft gefühlt hat. Wir alle spürten denselben Hunger.“ Wenn er krank war, musste er jedoch aussetzen, so ist es im Islam geregelt. Seit er 13 ist, fastet Khalil jedes Jahr.

Von 8 bis 17 Uhr ist er montags bis freitags im Architekturbüro. Morgens führt er meistens die telefonischen Kundengespräche, so macht er es in und außerhalb der Fastenzeit.

Bessere Arbeitsatmosphäre während des Fastens

Um 13 Uhr würde Khalil zu Mittag essen, wenn nicht Ramadan wäre. Stattdessen macht er zwischendurch kleinere Spaziergänge. „Ohne Mittagessen habe ich keine träge Phase“, sagt er – und wirkt tatsächlich ausgeglichen.

So verbringt ein Dortmunder Muslim Ramadan auf der Arbeit und mit der Familie

Wenn Mahdi nicht gerade am Schreibtisch sitzt, dann steht er am Zeichentisch, um Entwürfe zu erstellen. © Said Rezek

Sein Chef, der Diplom-Ingenieur Mustafa Burc, sagt über Khalil und die anderen muslimischen Mitarbeiter im Architekturbüro: „Die Kollegen arbeiten besser, wenn sie fasten, und die Arbeitsatmosphäre ist während dieser Zeit sehr angenehm.“

Inneres und äußeres Fasten

Um 17 Uhr macht Mahdi Feierabend und erledigt anschließend Einkäufe. „Da sind die Augen größer als der Magen“, sagt er mit einem Schmunzeln. Häufig kauft er zu viele Süßigkeiten, weil der Appetit so groß ist. Danach geht er manchmal mit seiner Frau und dem Sohn auf den Spielplatz. Um 19 Uhr geht er täglich für eine Stunde in die Moschee.

„Durch die innere und äußere Enthaltsamkeit spüre ich die Gottesnähe intensiver. Ich lese mehr Bittgebete und rezitiere aus dem Koran“, sagt er. Das innere Fasten geschieht mit allen Sinnen – das bedeutet, dass sich Muslime stärker als in anderen Monaten von allen Sünden fernhalten sollten. Mahdis persönliche Schwäche sei die Ungeduld. Im Ramadan arbeite er verstärkt dagegen an, um ein besserer Mensch im moralischen Sinne zu werden.

Die letzten Stunden vor dem Fastenbrechen

Gleichzeitig mache er sich weniger Gedanken über „weltliche Angelegenheiten“, wie er selbst sagt. Damit meint er weniger Beschäftigung mit Fußball, Autos und Serien. Dadurch könne er die Zeit viel effizienter nutzen.

Gegen 20 Uhr beginnt die für ihn schwierigste Phase. Das gehe häufig mit Kopfschmerzen und Erschöpfung einher. Deswegen lege er sich abends oft für eine Stunde hin.

Ein großzügig gedeckter Tisch zum Fastenbrechen

Um 21.30 Uhr ist der Fastentag vorbei. Das Fasten bricht Mahdi mit seiner Frau und dem Sohn in der Regel bei seinen Eltern. Die Menüs sind abwechslungsreich und fallen üppig aus. Reis, Salat, Hähnchen und Suppe stehen immer auf dem Tisch.

„Gestern ist die Hälfte auf dem Tisch liegen geblieben, was natürlich nicht Sinn und Zweck des Fastens ist, weil man Verzicht üben sollte“, sagt Khalil selbstkritisch. Er ist jedoch zuversichtlich, dass sich im Laufe des Monats ein Lernprozess einstellt. Das passiere alle Jahre wieder.

Die Ramadan-Routine

Nach dem Essen sitzt die Familie bei ausgelassener Stimmung noch bis zu einer Stunde beisammen. Es wird viel gescherzt und nebenbei nutzen alle die Zeit zum Wasser trinken, um den Bedarf für den nächsten Tag zu decken.

Kurz vor Mitternacht geht Mahdi für gewöhnlich ins Bett. Wenige Stunden später beginnt bereits der nächste Fastentag. Für 30 Tage wird dieser Rhythmus zur Routine. Mahdi weiß bereits jetzt: „Ich werde Ramadan danach vermissen, vor allem das Zusammensein mit der Familie.“

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