Bedeutend weniger Dortmunder stecken sich derzeit mit der Grippe oder anderen klassischen Infektionskrankheiten an. © dpa (Symbolbild)
Infektionskrankheiten

So wenig Grippe-Fälle wie noch nie in Dortmund

Über dieses Corona-Opfer freuen sich wohl alle: die Grippe. In Dortmund gibt es diesen Winter so wenig Influenza-Fälle wie noch nie. Auch andere Krankheiten „leiden“ unter der Pandemie.

Die Grippe-Saison in Dortmund fällt diesem Winter quasi komplett aus. „Ich habe bisher noch keinen Patienten mit Influenza-Symptomen in meiner Praxis gehabt“, sagt Dr. Prosper Rodewyk, Hausarzt aus Hörde und Dortmunder Bezirksstellenleiter der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe.

In diesem Winter wurden dem Gesundheitsamt bis Freitag (29.1.) lediglich 3 Fälle der Influenza (also des „richtigen“ Grippevirus‘, nicht des schwächeren grippalen Infekts) gemeldet – in ganz Dortmund, wohlgemerkt.

Nach Angaben des Landeszentrums Gesundheit (LZG) NRW, das die Daten aller Gesundheitsämter sammelt, waren es im Winter 2019/20 zur gleichen Zeit bereits 43. Im Vergleich ist das ein Rückgang von 93 Prozent.

Damit steuere Dortmund auf eine historische Grippesaison zu, meint Dr. Frank Renken, Leiter des Gesundheitsamts, auf Anfrage: Diesen Winter werde es „so wenige Grippefälle in Dortmund geben, wie wir es wahrscheinlich noch nie erlebt haben“.

Verantwortlich dafür sind laut Gesundheitsamt die Corona-Schutzmaßnahmen. Denn was schlecht für das Coronavirus ist, ist es auch für die Grippe:

  • Den größten Einfluss habe die Reduzierung der Kontakte. Nimmt man dem Virus seine potenziellen Wirte, kann es sich nicht ausbreiten.
  • An zweiter Stelle steht für das Gesundheitsamt der Mindestabstand von 1,5 Metern: „Je größer der Abstand ist, desto unwahrscheinlicher wird die Übertragung des Virus von Mensch zu Mensch.“
  • Auch wichtig sei das Tragen der Masken: „Sie bieten einen zusätzlichen Schutz vor einer möglichen Virenübertragung.“

Darüber hinaus haben sich diesen Winter besonders viele Dortmunder gegen die Grippe impfen lassen, so das Gesundheitsamt.

In Zeiten geschlossener Schulen und Geschäften hat es nicht nur die Influenza schwer: Es gibt einen Rückzug von Infektionskrankheiten auf breiter Front – und das nicht nur in Dortmund, sondern in ganz NRW.

Egal ob Masern, Mumps, Windpocken oder Tuberkulose – bei all diesen Krankheiten wurden seit Beginn der Corona-Pandemie landesweit bedeutend weniger Fälle gemeldet als in den vergangenen Jahren.

Wird also als Nebenprodukt der Corona-Krise immerhin die Grippe ausgerottet? Leider nicht: Bei den amtlichen Zahlen handele sich schließlich nur um die gemeldeten Fälle, die Dunkelziffer sei nicht zu unterschätzen.

Und die ist aktuell wahrscheinlich noch höher als vor der Pandemie: Angesichts der Angst vor einer Corona-Ansteckung im Wartezimmer scheuen mehr Menschen als sonst den Gang zum Arzt. Und wer doch kommt, wird aktuell weniger häufig auf Influenza untersucht.

„Ehrlicherweise testen wir aktuell nur auf Covid-19“, sagt der Hörder Hausarzt Rodewyk. „Wir wollen die Labore nicht noch durch andere Tests belasten.“

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Redaktion Dortmund
1984 geboren, schreibe ich mich seit 2009 durch die verschiedenen Redaktionen von Lensing Media. Seit 2013 bin ich in der Lokalredaktion Dortmund, was meiner Vorliebe zu Schwarzgelb entgegenkommt. Daneben pflege ich meine Schwächen für Stadtgeschichte (einmal Historiker, immer Historiker), schöne Texte und Tresengespräche.
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Thomas Thiel

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