Sommerferien sorgen für Pflege-Notstand

Kurzzeit-Betreuung

Pflegenotstand – in der Ferienzeit ist er schon traurige Realität. 407 Kurzzeitpflegeplätze gibt es in Dortmund, alle sind in der Regel Monate vorher ausgebucht. Dabei steigt der Bedarf rasant: In 14 Jahren werden fast 40 Prozent mehr hochaltrige Bürger in Dortmund leben als jetzt.

DORTMUND

von Von Ulrike Böhm-Heffels

, 18.08.2011, 20:43 Uhr / Lesedauer: 2 min
Diskussionen um Sterbehilfe neu entflammt.

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„Bei uns richten Angehörige ihren Urlaub nach der Verfügbarkeit eines Kurzzeitpflegeplatzes. Haben sie erst einmal einen Platz, wird dieser für die nächsten Jahre im Voraus gebucht. Dann verreisen die pflegenden Angehörigen immer zur gleichen Zeit“, weiß Martin Kaiser, Geschäftsführer der acht städtischen Seniorenheime. Sie allein bieten 54 Plätze an. Beim Caritasverband sind es 45 Kurzzeitpflegeplätze in fünf Einrichtungen, die genauso begehrt sind. Auch Brigitte Skorupka, Chefin der Caritas-Altenpflege, bestätigt, dass ganze Ferienreisen verlegt würden nach Verfügbarkeit eines Pflegeplatzes.

Kaiser hat angesichts der aktuellen Engpässe und der drohenden, deutlichen Verschlimmerung in naher Zukunft die Vision von einem Pflegehotel entwickelt, besser noch von mehreren kleineren Häusern, dezentral eingerichtet. Denn: Die Gruppe der über 80-Jährigen, bei der auch die stärkste Pflegebedürftigkeit zu erwarten ist, wird in Dortmund bis zum Jahr 2025 um 38,8 Prozent steigen – laut Fachbereich Statistik der Stadt. Es ist der höchste zu erwartende Anstieg in der Bevölkerungs-Prognose. Schon heute leben 31 043 Hochaltrige in Dortmund, die meisten noch in Selbstständigkeit oder innerhalb ihrer Familien (Stand 31.12.2010).

Martin Kaiser sieht als mögliche Standorte für hotelähnliche Kurzzeit-Pflege etwa das Burgholz neben dem Fredenbaumpark, angegliedert ans dortige städtische Seniorenzentrum, ferner den Phoenix-See („Schürmann baut dort auch ein Ärztehaus“), die Stadtmitte („dort, wo jetzt Hotels aufgegeben werden“), die Hagener Straße in Kirchhörde, aber auch den Rombergpark als Bestandteil der neuen Nutzung, die im nördlichen Grundstücksteil beabsichtigt ist. In Pflegehotels müssten sowohl der stationäre Bereich als auch ambulante Versorgung abgedeckt sein, hierzu seien Ärzte-Netzwerke notwendig, Kooperation mit neu errichteten Praxis-Zentren, von denen es schon etliche gebe im Stadtgebiet, so Kaiser. Notdienste, medizinische 24-Stunden-Versorgung, all dies müsste sichergestellt sein. „Wir hatten auch schon das alte Gesundheitsamt ins Auge gefasst. Die obere Etage wäre ideal als Pflegehotel“, sagt der Praktiker.

Reinhard Pohlmann vom Fachdienst Senioren im Sozialamt ist ein großer Befürworter der Idee: „Je attraktiver solche Kurzzeitpflegeangebote werden, zum Beispiel auch nach Klinikaufenthalten und nicht nur innerhalb der Ferien, desto eher werden Angehörige zu Hause betreut.“ Alle schauen gebannt nach Berlin, wo die Pflegereform ansteht. „Noch sind die finanziellen Unwägbarkeiten für weitere Kurzzeitpflegeplätze zu groß“, weiß Pohlmann. Von den 407 Plätzen in Dortmund ist über die Hälfte in stationäre Einrichtungen „eingestreut“, so der Fachbegriff. Das Problem dabei: Sie könnten bei Bedarf zu finanziell besser kalkulierbaren Dauerpflegeplätzen umgewidmet werden.

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