So sieht der Blick auf die Musiker aus - in diesem Fall auf den Solomusiker "N", der für die Gitarrenspur zuständig ist und sich nur mit Dietmar Wäsche den Raum teilt. © Didi Stahlschmidt
Dortmunder Kulturzentrum

Songs auf Distanz: Musiker produzieren nach dem Stille-Post-Prinzip

Das Projekt "Silent Post" des Musik- und Kulturzentrum Dortmund e. V. (MUK) ist eine einzigartige, witzige und Corona gerechte Produktion mit mehreren Bands, Songs und Videoproduktionen.

Jeder kennt das “Stille Post”-Prinzip, bei dem eine Nachricht von Person zu Person weitergetragen am Ende ein neues Ergebnis, eine neue Nachricht ergibt. Überträgt man diese Idee auf Musiker, entsteht ein gewagtes, doch sehr kreatives und höchst interessantes Musikprojekt.

“Die Idee war plötzlich um 1 Uhr nachts da. Ich bin aufgestanden, habe das Projekt aufgeschrieben und nachts via E-Mail an den MUK geschickt”, so Dietmar Wäsche, Mitglied der Band “Los dos Cerrados”.

Die Idee kam plötzlich mitten in der Nacht

Seine Idee traf sofort auf Anklang und passte bestens in die Planungen des MUK. Der Verein hatte schon beim ersten Lockdown ein Livemusik-Projekt umgesetzt. Unter dem Titel “MUK-ON – Nicht systemrelevante Konzerte” hatten sie unter den auferlegten Corona-Auflagen zehn Videokonzerte in unterschiedlichen Locations wie dem domicil oder der HirschQ produziert.

“Eigentlich waren für November drei weitere Konzerte als Relaunch der ersten Reihe geplant. Dann kam der zweite Lockdown und es kam die Frage auf, ob man etwas macht und wenn, was?!”, so Wäsche.

Die nächtliche Eingebung war die kreative Lösung. Denn die neue Infektionsschutzverordnung zerstörte kurzfristig die bereits bestehenden Planungen für eine Fortsetzung der “Nicht systemrelevanten Konzerte”, da unten diesen Bedingungen die Produktion nicht mehr rechtssicher ist.

Keiner weiß, was am Ende für ein Stück herauskommt

Die neue Idee machte dies aber nun möglich. Denn Musiker aus verschiedenen Bands nehmen nun gemeinsam einen Song auf, ohne in Kontakt zu stehen oder sich in irgendeiner Weise abzusprechen, eben nach dem Prinzip der Stillen Post.

“Jeder Musiker hat seinen eigenen Raum und kommt mit keinem anderen in Kontakt”, erklärt Wäsche. Somit spielt jeder mit seinem jeweiligen Instrument eine Musikspur ein, während der nächste Musiker eine Stunde Zeit hat, damit zu arbeiten und seine Spur einzuspielen. So entsteht im Baukastenprinzip nach und nach ein neuer Song.

Ein einzigartiges musikalsiches Kunstprojekt

Alles wird in jeder Produktionsphase gefilmt, sodass final nicht nur der Song professionell gemixt wird, sondern ein sehr spezielles Musikvideo entsteht: ein kurzer Film in der Länge des Stücks und circa zwei Minuten Making Of.

“Die Bands und Musiker sind alle begeistert und haben viel Spaß bei dem Projekt, das einige in dieser Form als Kunstprojekt sehen”, freut sich Wäsche. Aktuell werden die drei bis vier geplanten Songs produziert. Der Ablauf kann jeweils mehrere Tage dauern – je nachdem, wie viele Musiker beteiligt sind. Die erste Veröffentlichung ist für die letzten Tage im November geplant.

So sieht der Blick vom Musiker auf den Filmer und Mischer Dietmar Wäsche aus – der mit genügend Abstand und Maske die Produktionen leitet. © Didi Stahlschmidt © Didi Stahlschmidt

Für Silvester plant das MUK-Team eine weitere Aktion. “Wir machen eine mehrstündige, abwechslungsreiche MUK-Silvester-Show”, verrät Wäsche. Dabei werden über den Jahreswechsel etwa 15-20 Bands präsentiert und von mehreren Kurzinterviews begleitet. Mehr wollen sie aber noch nicht verraten.

Doch wahrscheinlich wird auch das nicht das letzte Gemeinschaftsprojekt des Vereins an der Güntherstraße sein. Alle bisher und zukünftig produzierten Konzerte und Songs sind kostenfrei unter www.muk-on.de zu sehen.

Das MUK (Musik- und Kulturzentrum Dortmund) ist ein Verein, der neben der Verwaltung von mehr als zwei Dutzend Proberäumen, zahlreichen Ateliers und Geschäftsräumen der Eventbranche, sich auch der Kulturförderung widmet. Dazu zählt u. a. seit zehn Jahren das „Mukkefux“-Festival. In diesem Jahr mussten jedoch corona-bedingt drei Festivals ausfallen, ein viertes wurde als Videofestival durchgeführt.

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Seit Februar 2007 bin ich als freier Redakteur mit der Kolumne "quer gehört" für die Bereiche Musik/ Nightlife/ Kultur/ Creativ Industries bei den Ruhr Nachrichten aktiv. Parallel arbeite ich als freier Journalist für verschiedene Magazine, Gastronomie-Führer, als freier Fotograf und als Autor und Werbe-Texter.
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