Ist der Betriebsfrieden gestört? Bei der EDG am Sunderweg gärt es auf vielen Ebenen. © RN
Entsorgung Dortmund

Sorge um Betriebsfrieden: EDG will „Aufständische“ mit Videoaufnahmen enttarnen

Die EDG kommt nicht zur Ruhe: Teile der Arbeitnehmer beschweren sich über Repressalien und rauhes Betriebsklima - und bitten sogar die SPD-Ratsfraktion einzugreifen. Die EDG zieht nun die Konsequenzen.

Was ist bei der Entsorgung Dortmund (EDG) los? Drei Jahre nach der Abberufung des früheren Arbeitsdirektors Wolfgang Birk im Juni 2018 gärt es in Teilen der Arbeitnehmerschaft noch immer. Seit Tagen kursiert ein Flyer, in dem schwere Vorwürfe erhoben werden.

Mitarbeiter, die Dinge hinterfragten, würden mit „Repressionen bzw. arbeitsrechtlichen Konsequenzen bedroht“, heißt es in dem Schreiben. Beschäftigte, die unbequem seien, würden „unter Druck gesetzt und gezielt krank gemacht“, indem der Verlust des Arbeitsplatzes angedroht werde.

Erneut beklagen die Verfasser die damalige Abberufung von Birk. Durch diesen Vorgang habe man ihnen „ihre Stimme innerhalb der Geschäftsführer-Ebene genommen“, heißt es weiter. Dass es mit Arbeitsdirektor und EDG-Geschäftsführer Sebastian Prange längst einen Nachfolger gibt, wird nicht erwähnt. Stattdessen gibt es einen offenen Aufruf an die SPD-Ratsfraktion: „Wir brauchen eure Hilfe!“

Verdi-Chef spricht von „Scheißhausparolen und Halbwarheiten“

Unterschrieben ist der Flyer mit „Die Belegschaft“. Bei der EDG selbst wird vermutet, es handele es sich um einen zahlenmäßig „eher kleinen Kreis“, der unter den rund 750 Müllwerkern seit geraumer Zeit Stimmung mache.

Die SPD-Fraktion kann mit dem „Hilferuf“ nichts anfangen. „Zu anonymen Schreiben äußern wir uns grundsätzlich nicht“, sagt Fraktionsgeschäftsführer Jan Pogadl. Zumal das Papier keine Belege oder gar Beweise für die Behauptungen enthalte.

Verdi-Geschäftsführer Michael Kötzing äußert sich ungleich deutlicher. Er spricht von „Scheißhausparolen und Halbwahrheiten, die aus dem Zusammenhang grissen“ und von einem kleinen Teil der Belegschaft verbreitet würden. „Seit ich im Amt bin, werde ich damit konfrontiert“, sagt Kötzing.

Betriebsrat gibt Videoaufnahmen auf Betriebsgelände zur Prüfung frei

Ebenso weist der Verdi-Boss Gerüchte zurück, nach denen „rund 100 EDG-Arbeitnehmer“ inzwischen die Seiten gewechselt hätten: Sie sollen aus Verdi ausgetreten sein und sich der Gewerkschaft Komba angeschlossen haben, die sich als Fachgewerkschaft für Beamte und Beschäftigte der Kommen versteht. Es gebe zwar Austritte, räumt Kötzing ein.

Die in Umlauf gebrachten Zahlen aber könne er nicht bestätigen. Gelassen reagiert Kötzing auch auf Gerüchte, bei den nächsten EDG-Betriebsratswahlen würden neben der Verdi-Liste erstmals auch Kandidaten von Komba antreten. „Das bleibt abzuwarten“, kommentiert Kötzing. Ansonsten werde er die anonymen Anschuldigungen nicht weiter kommentieren.

Die EDG selbst ist nicht mehr gewillt, die Vorgänge tatenlos hinzunehmen: Da die Flyer auch in abgestellten Müllfahrzeugen auf dem Innenhof der EDG verteilt worden sind, haben sich Geschäftsführer Prange und der aktuelle Betriebsrat zu einem ungewöhnlichen Schritt entschlossen: Jetzt sollen Videoaufnahmen ausgewertet werden, die das tägliche Geschehen auf dem Betriebsgelände am Sunderweg festhalten.

Aufsichtsratsvorsitzender: „Betriebsfrieden steht an erster Stelle“

Überlicherweise werden die Aufnahmen nach 24 Stunden gelöscht. Diesmal nicht. Auf diesem Wege hofft man, die „Aufständischen“ auf frischer Tat zu erwischen. Ihnen drohen „arbeitsrechtliche Konsequenzen“, abhängig vom Einzelfall und der Beweislage.

Betriebsratsvorsitzende Bianca Herrmann mochte das auf Anfrage nicht weiter kommentieren: „Es handelt sich um ein laufendes Verfahren.“ EDG-Aufsichtsratsvorsitzender Norbert Schilff betonte: „Für mich steht der Betriebsfrieden an oberster Stelle.“ Wer sich beschweren wolle, könne sich direkt an ihn wenden, so Schilff. „Ich sichere Vertraulichkeit zu.“

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Jahrgang 1961, Dortmunder. Nach dem Jura-Studium an der Bochumer Ruhr-Uni fliegender Wechsel in den Journalismus. Berichtet seit mehr als 20 Jahren über das Geschehen in Dortmunds Politik, Verwaltung und Kommunalwirtschaft.
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