Sorge um die Bäume am Kreyenbach: Sterben die Bäume, weil sie falsch geschnitten werden?

mlzStreuobstwiesen

Reiner Schramowski sorgt sich um die Bäume am Kreyenbach und auf den Streuobstwiesen. Ein Obstgehölzpfleger hat massive Pflegefehler festgestellt. Das unternimmt die Stadt jetzt dagegen:

Deusen

, 13.08.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Reiner Schramowski ist fassungslos, wenn er von der Deusener Straße aus am Kreyenbach spazieren geht. Die Bäume entlang des Bachlaufs und auf den angrenzenden Streuobstwiesen sind für den Vorsitzenden der Siedlergemeinschaft Deusen kein schöner Anblick. „Man sieht es hier an fast jedem Baum“, sagt er. „Die Äste werden einfach irgendwo abgeschnitten, das ist nicht fachgerecht.“

Entlang des Spazierweges zeigt er an zahlreichen Bäumen, was er meint: Äste, die nicht nah beim Stamm oder einem Hauptast geschnitten sind, sondern in unterschiedlich langen Stummeln vom Baum abstehen. „Das kann doch so nicht sein“, sagt Reiner Schramowski. „Da muss doch mal jemand kommen und das kontrollieren.“

Die Kontrolle fehlt

Dass es bei der Baumpflege häufig an der Kontrolle durch einen Fachkundigen mangelt, bestätigt Obstgehölzpfleger Jochen Helle vom BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland). „Oft ist das Problem, dass viele verschiedene Stellen für kleine Bereiche zuständig sind“, erklärt er. Das neue Grünflächenamt, das 2020 an den Start gehen soll, könne da hoffentlich Abhilfe schaffen.

Jetzt lesen

Helle selbst kümmert sich um die Streuobstwiesen, für die der BUND zuständig ist. Laubbäume, wie die entlang des Kreyenbachs, fallen nicht in seinen Zuständigkeitsbereich. Mit Baumschnitt im Allgemeinen kennt er sich trotzdem aus. Bei einer Ortsbegehung erklärt er deshalb anhand eines Baumes, warum er falsch geschnitten ist.

So steht es um die Bäume

„Es ist wichtig, dass Äste nah an einem Zugast, also an einem Ast, der Wasser zieht, geschnitten werden“, sagt Jochen Helle. „Nur dann kann die Schnittstelle heilen.“ Ist ein Ast nicht korrekt geschnitten, vertrocknet und fault er. Die Gefahr: Ein Pilz könnte sich einnisten und im schlimmsten Fall dem gesamten Baum schaden. Ein besonders schlimmes Beispiel zeigt Reiner Schramowski: „Hier ist ein richtig dicker Ast, der auch einfach so geschnitten wurde.“

Sorge um die Bäume am Kreyenbach: Sterben die Bäume, weil sie falsch geschnitten werden?

Dieser Ast ist dabei auszutrocknen und abzusterben, weil er falsch geschnitten wurde. Im schlimmsten Fall nistet sich ein Pilz ein und schadet dem gesamten Baum. © Carolin West

Baumpflege sehe anders aus, so Schramowski. „Ich kann nicht verstehen, wie man die Situation hier einfach so lassen kann“, ärgert er sich. „Manche Bäume sind weggenommen und nie ersetzt worden, andere bleiben einfach tot stehen.“ Abgestorbene Bäume gibt es beispielsweise auf einer der Streuobstwiesen. „Die müssten entfernt und ersetzt werden“, sagt Jochen Helle.

Sorge um die Bäume am Kreyenbach: Sterben die Bäume, weil sie falsch geschnitten werden?

Dieser Baum ist bereits abgestorben. © Carolin West

Die Bäume auf den Streuobstwiesen könnten doppelt so groß sein

Auf den Streuobstwiesen schüttelt der Obstgehölzpfleger den Kopf. „Die Bäume hier müssten doppelt so groß sein - immerhin wurden sie vor 11 Jahren gepflanzt“, sagt er. Dass die Bäume „mickrig“ bleiben liege an der fehlenden Pflege - und vor allem am pflegenden Schnitt. „Wenn überhaupt, habe ich hier in den ersten drei Jahren mal jemanden gesehen“, erzählt Schramowski.

Normalerweise müssen Obstbäume allerdings jedes Jahr geschnitten werden, erklärt Helle. „Nur so kann sich eine stabile Krone ausbilden, die den Ertrag hält, statt darunter zusammenzubrechen.“ Er weist auf einen Baum, dessen Äste unter dem schweren Gewicht der Früchte beinahe brechen. „Solche Bäume werden nicht alt.“

Das tut die Stadt für die Baumpflege

Doch die Stadt beginne damit, sich mehr um die Pflege der Wiesen zu kümmern, berichtet Jochen Helle. „Das ist ein guter Schritt.“ Im neuen Landschaftsplan werden die Streuobstwiesen zur Pflege festgesetzt, bestätigt Stadt-Pressesprecher Christian Schön. „In der Vergangenheit waren Haushaltsmittel und personelle Kapazitäten für den Schnitt der Bäume nicht gegeben“, sagt er. „Jetzt wird dafür geworben, Mittel für den Naturschutz und die Landschaftspflege aufzustocken.“

Die drei abgestorbenen Bäume sollen in Kürze entfernt werden. „2020 werden dann auf einigen Flächen mit Alt- und Jungbaumbestand Schnittmaßnahmen an den Obstbäumen vorgenommen. Die Maßnahmen werden ausgeschrieben“, sagt Schön. „Die Obstbäume im Eigentum des Umweltamtes erhalten in den nächsten Jahren sukzessive einen Pflegeschnitt.“

Die Anfrage an die Stadt, wie es mit den Bäumen entlang des Bachlaufes aussieht, läuft noch.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt