Späte Erkenntnis

Gelb oder Grün müssen die Schadstoff-Plaketten sein, wenn man durch die 300 Meter lange Mini-Umweltzone in der Brackeler Straße fahren will. Ab Herbst gilt aber auch für Autos mit rotem Sticker freie Fahrt - die neue, große Umweltzone macht es möglich.

24.01.2008, 18:56 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die soll nach dem mit den Städten abgestimmten Vorschlag der Bezirksregierung für einen Bereich zwischen B 236, Marten, Eving und Hörde gelten (wir berichteten) - und würde damit die schon bestehende Fahrverbots-Zone Brackeler Straße mit einschließen. Mit dem Effekt, dass die dort seit 12. Januar geltende strengere Regelung, nach der eine gelbe oder grüne Plakette für die Durchfahrt Pflicht ist, wieder aufgeweicht wird und auch rote Plaketten ausreichen.

Einheitliche Regelung

"Wir wollen eine einheitliche Regelung", begründete Umweltdezernent Wilhelm Steitz das Begehren der Stadt. Gekippt werden soll dann auch das vor zwei Jahren eingeführte generelle Durchfahrtsverbot für LKW durch die Nordstadt. Künftig hätten alle Brummis mit roter, gelber oder grüner Plakette wieder freie Bahn.

Für eine Überraschung bei den Umweltzonen-Planern hat indes der Kurswechsel bei der SPD-Fraktion gesorgt. In einer Stellungnahme zu den Vorschlägen der Bezirksregierung erteilte Fraktionschef Ernst Prüsse nicht nur den Plänen von Regierungspräsident Helmut Diegel eine Absage, sondern stellte generell den Sinn von Umweltzonen in Frage. "Wenn wir die durch den Autoverkehr bedingte Feinstaubbelastung in den Griff bekommen wollen, müssen wir an der Quelle, also an den Fahrzeugen, ansetzen und nicht Flächen festlegen, in denen bestimmte Fahrzeuge nicht fahren dürfen", so Prüsse. Eine Regelung, die am Auspuff ansetze, sehe die Dortmunder SPD-Fraktion "als einzig sinnvolle Alternative zum bürokratischen Umweltzonismus".

Im vergangenen Jahr hatte sich die SPD gemeinsam mit den Grünen noch für eine große, regionale Umweltzone im Ruhrgebiet stark gemacht. Inzwischen habe man dazu gelernt, begründet SPD-Fraktionsgeschäftsführer Dr. Andreas Paust den Sinneswandel. So lasse die Tatsache, dass nur noch wenige PKW überhaupt unter ein Fahrverbot fallen und auch die Autobahnen ausgenommen sind, am Sinn einer Umweltzone zweifeln.

Antrag geplant

Der grüne Partner reagiert mit Verwunderung, wenn auch vorerst gelassen. Man bereite eigentlich einen gemeinsamen Antrag zu den Umweltzonen-Plänen zur nächsten Ratssitzung vor, kündigte Grünen-Fraktionssprecher Mario Krüger an. Ob es bei der SPD-Haltung bleibe, werde man bei den kommenden Gespräche sehen.

Verwundert zeigt sich auch der FDP-Kreisvorsitzende Michael Kauch. "Die SPD trägt eine wesentliche Verantwortung für die Ausgestaltung der Feinstaub-Gesetzgebung", stellt er fest. "Es ist eine späte Erkenntnis, dass Umweltzonen wenig für die Umwelt bringen und ein Ansetzen an der Quelle besser wäre." Oliver Volmerich

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