SPD-Stichwahl und GroKo-Aus: Kevin Kühnert und Saskia Esken waren zu Gast in Dortmund

Politische Woche

Was Kevin alles verstaatlichen will und wie schnell Saskia aus der GroKo will: Diese Fragen diskutierte die SPD in der Alten Schmiede in Huckarde - mit Kevin Kühnert und Saskia Esken.

Huckarde

, 20.11.2019, 12:26 Uhr / Lesedauer: 2 min
SPD-Stichwahl und GroKo-Aus: Kevin Kühnert und Saskia Esken waren zu Gast in Dortmund

Volles Haus in der Alten Schmiede. Gut 100 Besucher erlebten den Juso-Bundesvorsitzenden Kevin Kühnert und Saskia Esken, die sich mit Norbert Walter-Borjans um den Parteivorsitz bewirbt, in Huckarde. © SPD/Stankewitz

Kevin Kühnert ist als Juso-Bundesvorsitzender der Debattenkönig der SPD. Deshalb hatte ihn der SPD-Stadtbezirk Huckarde zu seiner 50. Politischen Woche in die Alte Schmiede eingeladen. Dass dort am Mittwochabend als Überraschungsgast auch Saskia Esken auftauchte, die sich gemeinsam mit Norbert Walter-Borjans gerade um den SPD-Parteivorsitz bewirbt, war ein ganz besonderer Coup der Huckarder Sozialdemokraten.

„Das hat erst zum Schluss geklappt. Mein Stellvertreter Veith Lemmen, der auch stellvertretender SPD-Landesvorsitzender ist, hat das eingefädelt“, sagte der Stadtbezirks-Vorsitzende Manfred Stankewitz.

Man kann nicht sagen, dass Saskia Esken die Herzen in der zum größten Teil mit Sozialdemokraten besetzten Alten Schmiede nur so zuflogen. Es war und blieb ein nüchterner politischer Abend.

Ein Heimspiel war es für den Gast aus dem Nordschwarzwald trotzdem. Die gut 100 Besucher waren ihr wohlgesonnen. Schließlich hat ja auch der hiesige SPD-Unterbezirk ganz offen die Empfehlung an die Mitglieder ausgesprochen, bei der Stichwahl bis zum 29. November das Duo Walter-Borjans/Esken und nicht das Duo Scholz/Geywitz zu wählen. Die meisten Dortmunder Genossen wollen raus aus der Großen Koalition in Berlin. Saskia Esken soll das richten. Will sie das auch?

Saskia Esken: „Haben eine Gesellschaft der Egoismen“

Direkt mit Ja antwortet sie darauf nicht. Sie sagt Sätze wie diese: „Ein Kompromiss mit den Konservativen kann nie ein großartiger sozialdemokratischer Erfolg sein“ oder „Wir haben eine Gesellschaft der Egoismen. Die SPD hat eine Abkehr von dieser Denke schon wieder geschafft, nur kann sie diese in der Koalition nicht durchsetzen.“

Ein langjähriger Sozialdemokrat aus dem Publikum merkte dazu an. „Aus der Opposition geht das doch erst recht nicht. Wir sind doch dann nicht plötzlich wieder die Könige. Für unsere Ziele brauchen wir Macht.“

Da fühlte sich Kevin Kühnert, der ja erst gar nicht rein wollte in die GroKo, herausgefordert. „Ich habe keine Oppositions-Sehnsucht, aber wir brauchen in unserer Partei auch einen Selbsterhaltungstrieb“, sagte er. Was bei Neuwahlen passiere, wisse heute keiner.

Und dann beschworen die beiden, die schnell die Zukunft der SPD sein könnten, ihre Themen. „Wir wollen Hartz IV hinter uns lassen“, „Wir nehmen Kinderarmut nicht mehr hin“, „Beim Klimapaket muss es sozial gerecht zugehen“, sagte Saskia Esken.

Kevin Kühnert: „Pflege und Wohnen nicht zur Ware machen“

In der Sache war sie klar, im Ton immer bedacht. Ob sie so zur großen Menschenfängerin der SPD wird, sei dahingestellt. Weit emotionaler und plakativer agiert der Juso-Chef. „Gemeinwohl ist der Begriff, der bei uns seine Heimat hat“, sagte er und leitete daraus seine Verstaatlichungs-Pläne ab.

„Ein Bus soll nicht nur fahren, wenn er sich rechnet. Er soll Teilhabe ermöglichen. Und Pflege und Wohnen darf man nicht zu Ware machen“, sagte Kühnert. Es dürfe in unserer Gesellschaft nicht nur das gemacht werden, was sich rechnet. Dafür gab es viel Applaus.

Jetzt lesen

Einig waren sich die Basis-Sozialdemokraten aus den Ortsvereinen im Stadtbezirk Huckarde und die Gäste oben auf dem Podium auch darin, dass die Kommunen im Ruhrgebiet nicht abgehängt bleiben dürfen. „Man erlebt hier, wie die Kräfte schwinden und kein Vertrauen in die Städte mehr existiert“, sagte ein Besucher.

Er stieß auf offene Ohren. „Wir haben den Staat ein stückweit handlungsunfähig gespart“, hatte Saskia Esken schon vorab in einem Pressegespräch gesagt. Und mit folgendem Satz ging sie dann aufs Podium: „Wofür die SPD steht, kann man derzeit nicht beantworten. Das wollen wir ändern.“

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt