Spektakulärer Kabelklau im S-Bahn-Tunnel: Anwohnerin wundert das nicht

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Der Diebstahl ist außergewöhnlich: In der vorletzten Woche stahlen Unbekannte jede Menge Kabel aus einem S-Bahn-Tunnel. Der mögliche Ort des Abtransports ist unauffällig.

Lütgendortmund

, 25.05.2020, 17:54 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Tat ist spektakulär: Am 14. Mai entdeckten Bahn-Mitarbeiter bei einer Routine-Kontrolle den Diebstahl von Kabeln in einem S-Bahn-Tunnel. Der Schaden liegt bei rund 30.000 Euro. Die Bundespolizei nimmt an, dass die Kabel durch einen Notausgang des Tunnels abtransportiert wurden.

Dieser Notausgang liegt am Lütgendortmunder Hellweg gegenüber der Hausnummer 187: eine Grünfläche unterhalb der Böschung zur Autobahn A40. Im Takt der S-Bahn hören Passanten und Anwohner das Rauschen der Züge aus dem Untergrund. Der dichte Verkehr auf dem Hellweg und das Brummen der Fahrzeuge auf der Autobahn tun ihr Übriges: Eine ruhige Wohngegend ist anders.

Transporter gehören zum alltäglichen Straßenbild in diesem Bereich des Hellwegs.

Transporter gehören zum alltäglichen Straßenbild in diesem Bereich des Hellwegs. © Uwe von Schirp

Der Notausstieg aus dem Tunnel liegt rund 500 Meter von der S-Bahn-Endstelle Dortmund-Lütgendortmund-S unter dem Heinrich-Sondermann-Platz und 800 Meter von der Haltestelle Somborn entfernt. Auf dem unterirdischen 1,3 Kilometer langen Streckenabschnitt demontierten die Täter die Kabel aus den Bahnanlagen.

Vor dem Notausgang parken immer Kleintransporter

Von zwei Häusern fällt der Blick direkt auf den Notausgang und Löschzugang der Feuerwehr. Eine junge Frau ist von der Diebstahl-Nachricht überrascht: „Nein, gehört habe ich nichts. Ich schlafe aber auch nach hinten raus.“ Ein Abtransport von Diebesgut an der vielbefahrenen Straße sei womöglich auch nachts nicht sonderlich auffällig. „Hier stehen ja viele Kleintransporter an der Straße.“

Und das nicht nur nachts: Eine Firma für Abdichtungen hat hier ihren Sitz. Zwei Häuser weiter sitzt ein Servicepartner der Deutschen Post. Der Vermieter der jungen Frau hat von dem Diebstahl aus dem Bericht dieser Redaktion erfahren. „Gesehen habe ich aber auch nichts“, sagt er. „Sonst hätte ich mich schon bei der Polizei gemeldet. Tut mir leid.“

Anwohnerin beobachtete mehrfach junge Leute

Der Anwohner verweist aber auf eine Nachbarin, die ihr Schlafzimmer zur Straße heraus habe. Die Seniorin ist von der Nachricht über den Kabelklau nicht sonderlich überrascht. „Ich habe schon mehrfach beobachtet, dass junge Leute da rein gegangen sind“, berichtet sie.

Durch diese Tür an der Seite des Notausgangs verschafften sich junge Leute unerlaubt Zutritt zur Tunnelanlage der Deutschen Bahn, beobachtete mehrfach eine Anwohnerin.

Durch diese Tür an der Seite des Notausgangs verschafften sich junge Leute unerlaubt Zutritt zur Tunnelanlage der Deutschen Bahn, beobachtete mehrfach eine Anwohnerin. © Uwe von Schirp

„Die gehen vom Marktplatz durch den Tunnel und öffnen die Tür.“ Der Rest der Gruppe sei mit dem Auto gekommen und dann in den Tunnel gestiegen. Bislang seien es wohl immer Graffiti-Sprayer gewesen. Sie zeigt auf die Schmierereien an den Gebäuden.

Am Rettungseinstieg für die Feuerwehr hinterließen die Graffiti-Sprayer ihre Spuren.

Am Rettungseinstieg für die Feuerwehr hinterließen die Graffiti-Sprayer ihre Spuren. © Uwe von Schirp

Im vergangenen Jahr habe sie das auch der Lütgendortmunder Polizei gemeldet. „Großes Interesse zeigte die junge Beamtin nicht, aber es ist ja auch die Bundespolizei zuständig“, sagt die 80-Jährige befremdet. Seitdem behalte sie ihre Beobachtungen über die Sprayer für sich. „Wenn ich allerdings diesen Abtransport gesehen hätte, hätte ich die Polizei alarmiert.“

Jetzt lesen

Bundespolizei sucht Zeugen

  • Die Bundespolizei bittet weiterhin um Hinweise. Sie sucht Zeugen, die zwischen dem 11. und 14. Mai Auffälligkeiten im Bereich des Lütgendortmunder Hellwegs nahe der Autobahnunterführung gemacht haben.
  • Zum Abtransport könnte ein größerer Transporter oder ein Baustellenfahrzeug genutzt worden sein.
  • Zeugen können sich unter der kostenfreien Servicenummer 0800 6888000 an die Bundespolizei oder jede andere Polizeidienststelle wenden.