Spenden: Nach Weihnachten und Sternsingern war‘s das elf Monate lang mit großem Herzen

mlzKlare Kante

Anfang Januar ziehen Hunderte Kinder durch Dortmund und sammeln Spenden für den guten Zweck. Unser Redakteur meint: Saisonale Spenden helfen dem eigenen Gewissen mehr als allem anderen.

Dortmund

, 06.01.2020, 04:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Weihnachtszeit ist die Zeit der Besinnlichkeit, der Mitmenschlichkeit und der Großzügigkeit. Man holt Geschenke für die Liebsten und kocht große Festmahle. Irgendwie ist für ein paar Wochen lang alles etwas emotionaler - da öffnet man das Portemonnaie auch schon mal für den guten Zweck.

Im Advent tauchen plötzlich überall Spendenaktionen auf. TV-Gala hier, Sammelaktion da. Rund um den Dreikönigstag am 6. Januar ziehen dann noch Hunderte Kinder durch die Straßen und sammeln Geld für bestimmte Projekte - in diesem Jahr hauptsächlich für Aktionen im Libanon und in Venezuela.

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Keine Frage, jeder Cent kann helfen, egal ob für Schulen in Venezuela oder in Wickede. Es ist persönliche Glaubenssache, ob man lieber vor der eigenen Haustür oder in Krisenregionen weltweit helfen will. Aber dieser winterlich-saisonale Aktionismus ist doch wirklich scheinheilig.

Die allermeisten Menschen spenden ja nur, wenn sie öffentlich dazu genötigt werden. Wenn beim einzigen jährlichen Kirchgang der Klingelbeutel rumgeht, wenn alle anderen sehen, ob man etwas reinschmeißt oder nicht. Oder eben wenn die Sternsinger an der eigenen Haustür klingeln.

An die Haustür wird geschrieben, wer gespendet hat

Die knuffigen Mini-Könige kann man ja nicht einfach so wegschicken. Aber wie viel soll man geben? Schweißperlen bilden sich auf der Stirn. So wenig wie nötig, aber bloß nicht zu knauserig. Die Nachbarn gucken bestimmt zu. Hinterher wird sogar an den Türrahmen geschrieben, ob der Haushalt die Könige wohlwollend empfangen hat oder nicht.

Wenn die Tür zufällt, ist der Druck dann aber endlich vorbei. Elf Monate lang kann man sich dann endlich wieder mit sich selbst beschäftigen. Wenn der eigene Nachwuchs nicht im Sommer zufällig einen Spendenlauf in der Schule hat und man dann wieder zum guten Zweck genötigt wird.

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Mit den Spenden ist es wie mit dem eigenen Sparen. Es ist doch viel einfacher, jeden Monat 10 Euro zur Seite zu tun, als in der Weihnachtszeit auf einen Schlag 120 Euro auszugeben. Laut Deutschem Spendenrat geben übrigens immer weniger Deutsche Geld für den guten Zweck. 42,5 Prozent aller Spender seien älter als 70 Jahre.

Nicht falsch verstehen: Hauptsache man tut überhaupt etwas und gibt etwas ab, wenn man selbst genug hat. Und es gibt auch genug Dortmunder, die jeden Cent bei sich halten müssen. Aber es ist so simpel, als dauerhafter Spendenpate Gutes zu tun. Im Internet dauert es bei verschiedenen Organisationen keine fünf Minuten, bis man sich angemeldet und einen Überweisungs-Dauerauftrag eingerichtet hat.

Masern-Impfungen in Afrika zu verschenken

Im Übrigen ist es zu meinem Lieblings-Geburtstagsgeschenk geworden, Spenden zu verschenken. Ideal für Leute, die schon alles Nötige haben. Mit 15 Euro können in Afrika 100 Kinder gegen Masern geimpft werden. Das kann Leben retten. Deutlich sinnvoller als irgendein geschenkter Krempel, der eh nur im Schrank steht. Das Geburtstagskind bekommt dafür eine symbolische Urkunde ausgestellt. Auch das ist im Internet ruckzuck zu erledigen.

Denken Sie bitte mal drüber nach: Wer nur zum Jahreswechsel etwas Gutes tut, hilft seinem eigenen Gewissen mehr als allem anderen. Dauerhaftes Engagement bringt doch viel mehr, ob als ehrenamtliche Mitarbeit irgendwo oder eben per gespendetem Geldbetrag.

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