Spiegel locken Vögel in den Tod

Fensterfronten am Westfalendamm

Große Fensterfronten und verspiegelte Fassaden schaffen Licht und Raum. Für Vögel und Insekten aber bilden diese tödliche Fallen. In Dortmund gibt es reichlich davon. Weit mehr als 120 000 Vögel fallen ihnen jedes Jahr zum Opfer.

von Von Susanne Riese

, 26.03.2011, 06:08 Uhr / Lesedauer: 2 min
Auch das verspiegelte RWE-Gebäude an der Florianstraße bedeutet für viele Vögel den Tod.

Auch das verspiegelte RWE-Gebäude an der Florianstraße bedeutet für viele Vögel den Tod.

Tierkadaver finden sich seltener rund um das kupferfarben verspiegelte Bürohaus an der B1. „Krähen und Füchse schnappen sich die toten oder benommenen Vögel weg.“ Was diese sowie Hund, Katze, Marder und Ratte übrig lassen, muss den Forschern des Naturschutzbundes NABU als Hinweis reichen.Von 1560 Vögeln legten Schlusen und Heimel in ihrer Untersuchung Federdokumente an, darunter Waldschnepfen, Gartenrotschwänze – Dorngrasmücke, der seltene Mittelspecht und Grünspechte. Hinweise auf Meisen, Drosseln, Kleiber, Tauben, Goldhähnchen, Baumläufer und Finken fanden sich gleich massenweise. „Wir haben 60 Vogelarten dokumentiert“, sagt Heimel besorgt. Damit seien ein Viertel der deutschen Brutvogelarten betroffen. Zwischen Mai und Juni, wenn die Jungvögel ihre ersten größeren Ausflüge unternehmen, spielten sich regelrechte Familientragödien ab.

„Die Dunkelziffer ist immens.“ Die Tiere seien im Luftraum ungeschützt, „normalerweise gibt es im Biotop Luft keine Hindernisse“. Das macht Verdrahtung, Verglasung und Verkehr zu ihren Feinden. Ein Sprecher der Amprion GmbH, Mieter in der ehemaligen VEW-Hauptverwaltung, ist bekümmert über die Statistik. „Wenn es so schlimm ist, werden wir etwas unternehmen“, sagt Dr. Andreas Preuß, Sprecher des Übertragunsgnetzbetreibers. Zunächst wolle man mit dem NABU über Maßnahmen sprechen und sich dann mit dem Vermieter abstimmen. Das ca. 30 Meter hohe Amprion-Haus neben dem Westfalenpark nimmt zwar eine herausragende Position unter Dortmunds Vogelfallen ein, aber auch an anderen Gebäuden kommen Dutzende Tiere zu Tode. Beispielsweise am Signal Iduna Haus und vielen weiteren Bauten entlang der B1.

 „Die Alleestraße ist für die Vögel eine Leitlinie.“ Bei starkem, kalten Wind sind die Vögel gezwungen, niedrig zu fliegen. Dann kollidieren sie auch mit Gebäuden in der Innenstadt wie Berswordt-Halle, CineStar, RWE-Tower und Karstadt-Haus. Für Gegenmaßnahmen lohnt ein Blick ins Nachbarland: Mit Lamellen, Folien und Farbe bringen die Schweizer Struktur auf die Fenster. Der „Birdpen“ schafft das sehr dezent mit einer für das menschliche Auge kaum wahrnehmbaren Farbe, die das UV-Licht für Vögel sichtbar reflektiert. Es gibt auch eine einfachere Methode: Fenster nicht mehr putzen, dann spiegelt sich nichts.

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