Uni-Absolventen werfen ihre Barette in die Luft - auch an manchen Deutschen Unis Tradition nach Erringen eines höheren Bildungsabschlusses. Qualifikation muss wichtiger sein als Parteibücher, wenn es um Spitzenjobs in Dortmund geht, meint unser Autor. © dpa
Meinung

Spitzenjobs: Das Posten-Geschacher der Parteien schadet Dortmund

Bei der Besetzung von Führungsjobs in städtischen Betrieben reden in Dortmund viele mit. Bei dem Geschacher drohen die wichtigsten Voraussetzungen auf der Strecke zu bleiben. Ein Kommentar.

Rund zehn Monate nach der Kommunalwahl im September 2020 steht in Dortmund vor allem fest, dass so gut wie nichts feststeht. Sowohl in den städtischen Betrieben als auch im obersten Zirkel der Stadtverwaltung werden auf Sicht wichtige Führungsposten frei. Oder sie sind es bereits. Wie bei der städtischen Entsorgungstochter EDG, wo der Schreibtisch des Hauptgeschäftsführers seit rund 1,5 Jahren de facto leersteht.

Seitdem wird das Unternehmen von den verbleibenden zwei Führungsleuten gelenkt: vom kaufmännischen Geschäftsführer und vom Arbeitsdirektor – einem Duo, das sich alles andere als grün ist. Die Abteilungsleiter in der Ebene darunter können sich nun aussuchen, von wem sie sich Entscheidungen und Projekte absegnen lassen.

Gleichzeitig wird bereits munter fabuliert, welcher weitere Geschäftsführer künftig das Feld räumen soll. Vielleicht sogar beide? Selbst diese Variante wird diskutiert.

Erstaunlich, wie gelassen die im Rat versammelte Politik ihre Eigentümerfunktion beim kommunalen Entsorger wahrnimmt. Statt Nägel mit Köpfen zu machen und endlich eine konkrete Stellenausschreibung auf den Weg zu bringen, wird erstmal ausbaldowert, ob und welches Parteibuch der oder die Neue an der EDG-Spitze haben soll.

Politik vom Verschiebebahnhof

Dabei ist die Besetzung des EDG-Chefpostens nur ein kleiner Teil im großen Personal-Puzzle. Die Stelle des Hafen-Vorstands, die im Sommer 2022 frei wird, gehört ebenso zum Spiel wie etwa der Poker um die Nachfolge von Planungsdezernent Ludger Wilde. Er verabschiedet sich im März 2023. Die Liste ließe sich verlängern.

Das Planungsressort, von strategisch wichtiger Bedeutung für die Stadtentwicklung Dortmunds, liegt gefühlt seit Ewigkeiten bei der SPD. Dort soll es nach SPD-Wunsch auch tunlichst bleiben. Gleichzeitig melden auch die Grünen als zweitgrößte Rathausfraktion Anspruch aufs Planungsdezernat an.

Die Folgen sind Kompensationsgeschäfte an anderer Stelle. Getreu dem Motto: „Wenn wir diesen Posten besetzen, bekommt ihr halt einen anderen.“ Rangierarbeit auf dem politischen Verschiebebahnhof. Für die Fraktionen gilt: rausholen, was eben rauszuholen ist. Als Verlierer will keiner dastehen; egal, wie das Wahlergebnis ausgefallen ist.

Bei allem Geschacher um Macht, Einfluss und Geld drohen am Ende die wichtigsten Voraussetzungen für eine Job-Vergabe unterzugehen: Qualifikation, Fachkenntnis und das Können eines Bewerbers, den Fallstricken der Kommunalpolitik möglichst elegant auszuweichen, ohne die Politik zu verprellen. Das Parteibuch darf bei der Auswahl der Kandidaten, wenn überhaupt, bestenfalls die zweite Geige spielen. Das Starren auf die politische Farbenlehre macht nicht nur blind. Es schadet der Stadt insgesamt.

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Jahrgang 1961, Dortmunder. Nach dem Jura-Studium an der Bochumer Ruhr-Uni fliegender Wechsel in den Journalismus. Berichtet seit mehr als 20 Jahren über das Geschehen in Dortmunds Politik, Verwaltung und Kommunalwirtschaft.
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