Autoabgase bei steigender Verkehrsbelastung sorgen dafür, dass die Stadt Dortmund ihren Klimazielen hinterherhinkt. © Bernd Paulitschke (A)
Klimabilanz

Stadt Dortmund hat Klimaziel 2020 wohl verfehlt

Mehr Klimaschutz verspricht die Stadt Dortmund. Bis 2020 sollte deshalb der CO2-Ausstoß um 40 Prozent verringert werden. Jetzt zeichnet sich ab, dass das Ziel wohl nicht erreicht wurde.

Runter mit dem CO2-Verbrauch ist eine der zentralen Forderungen von Klima-Initiativen wie „Fridays for Future“. Denn der Ausstoß an schädlichem Kohlendioxid gilt als einer der Haupttreiber des Klimawandels.

Viele Staaten, aber auch Städte haben sich deshalb vorgenommen, ihre CO2-Emissionen zu verringern. Dortmund hatte sich mit dem Handlungsprogramm Klimaschutz vorgenommen, den CO2-Ausstoß bis zum Jahr 2020 um 40 Prozent gegenüber dem Basisjahr 1990 zu reduzieren. Jetzt zeichnet sich ab, dass dieses Ziel wohl nicht erreicht wurde.

Zwischenbilanz mit Zahlen von 2018

Alle zwei Jahre wird Zwischenbilanz gezogen – wobei die Auswertung zeitlich immer hinterherhinkt. Die aktuelle Bilanz basiert auf den Daten von 2018 – und die lassen vermuten, dass das große Ziel für 2020 wohl verfehlt wurde.

Die jetzt von Umweltdezernent Ludger Wilde vorgestellte Bilanz für das Jahr 2018 weist eine CO2-Minderung von 32 Prozent im Vergleich zu 1990 aus. „Wenn man die Zahlenentwicklung fortschreibt, würden wir das 40-Prozent-Ziel für 2020 wohl nicht erreichen“, räumt Wilde ein. Endgültige Zahlen für 2020 liegen aber noch nicht vor.

Er tröstet sich damit, dass Dortmund im Vergleich zu anderen Ruhrgebiets-Städten noch ganz gut liegt. „Da müssen wir uns nicht verstecken“, sagt Wilde. Die Frage ist auch, ob die zu erwartende „Corona-Delle“ einen Sondereffekt bringen, weil der Verkehr in der Lockdown-Zeit zurückgegangen ist.

Rückgänge bei Industrie und Haushalten

Denn der Straßenverkehr ist der wichtigste Hebel für weitere Maßnahmen zur CO2-Einsparung. Auf ihn entfallen mit 35 Prozent die meisten Treibhausgas-Emissionen, 34 Prozent kommen aus dem Sektor private Haushalte und 29 Prozent aus der lokalen Wirtschaft. Die Stadtverwaltung spielt mit einem Anteil von weniger als 2 Prozent nur eine untergeordnete Rolle.

Positiv in der Bilanz niedergeschlagen haben sich bislang vor allem die Rückgänge im Bereich Wirtschaft und private Haushalte, berichtet der Umweltdezernent. Bei der Wirtschaft liegen die Gründe auf der Hand. 1990 wurden in Dortmund noch Eisen und Stahl produziert, seitdem sind viele große Industriebetriebe verschwunden – und mit ihnen auch CO2-Emissionen.

Stromverbrauch ist gesunken

Als erfreulich wertet Wilde den Trend, dass der Stromverbrauch der privaten Haushalte deutlich gesunken ist. Allein zwischen 2012 und 2018 gab es hier einen Rückgang um rund 10 Prozent, der wohl vor allem auf die Nutzung effektiverer Geräte und gestiegenes Energiespar-Bewusstsein zurückzuführen ist.

Weniger erfreulich: Die Treibhausgas-Emissionen durch den Verkehr sind nahezu gleichgeblieben. Da sei der Effekt moderner Motorentechnik wohl durch die insgesamt steigende Verkehrsbelastung ausgeglichen worden, vermutet der Umweltdezernent.

Projekte zur Verkehrswende

Der Fokus, um weitere CO2-Einsparungen zu erreichen, liegt deshalb klar auf dem Verkehrsbereich – zumal vor allem im Industriebereich kaum noch Spielraum für Reduzierungen besteht. Die Zahlen zeigten, wie groß die Herausforderungen der Verkehrswende seien, stellt Ludger Wilde fest.

In Richtung Verkehrswende zielen denn auch Klimaschutz-Programme, etwa das Projekt „Emissionsfreie Innenstadt“, mit dem die Stadt umweltfreundliche Alternativen zum Autoverkehr fördern will. Im Fokus stehen der Ausbau des Öffentlichen Nahverkehrs und des Radverkehrs.

Auch die Umweltspur an der Brackeler Straße soll zur „Verkehrswende“ beitragen.
Auch die Umweltspur an der Brackeler Straße soll zur „Verkehrswende“ beitragen. © Oliver Volmerich © Oliver Volmerich

Solche kommenden Maßnahmen könnten dann auf das nächste, noch ehrgeizigere Klimaziel einzahlen: Bis zum Jahr 2030 soll der CO2-Ausstoß gegenüber 1990 um 55 Prozent reduziert werden.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Oliver Volmerich, Jahrgang 1966, Ur-Dortmunder, Bergmannssohn, Diplom-Journalist, Buchautor und seit 1994 Redakteur in der Stadtredaktion Dortmund der Ruhr Nachrichten. Hier kümmert er sich vor allem um Kommunalpolitik, Stadtplanung, Stadtgeschichte und vieles andere, was die Stadt bewegt.
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Oliver Volmerich

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