Bevor an Schwanenwall und Ostwall der Radwall gebaut wird, muss nach Bombenblindgängern gesucht werden. © RN-Archiv
Vorarbeiten für Radwall

Stadt Dortmund muss am Wall erneut auf Blindgänger-Suche gehen

Ostwall und Schwanenwall werden wieder zur Baustelle. Bevor hier die Arbeiten für den Radwall beginnen, wird nach Bombenblindgängern gesucht. Das weckt Erinnerungen.

Normalerweise herrscht in der City im Dezember der „Weihnachtsfrieden“. Um das Weihnachtsgeschäft nicht zu stören, lassen die städtischen Tiefbauer alle Baustellen am und innerhalb des Wallrings ruhen. Angesichts des Corona-Lockdowns wird das in diesem Jahr nicht der Fall sein, kündigte Baudezernent Arnulf Rybicki am Dienstag (15.12.) nach der Sitzung des Verwaltungsvorstands an.

Im Gegenteil: Das Tiefbauamt will einige Baustellen, die eigentlich für Januar geplant waren, sogar in den Dezember vorziehen, um die Zeit der Zwangsruhe in der City zu nutzen. Dazu gehören mehrere Baustellen im Wall-Bereich, berichtete Rybicki.

Vorbereitende Arbeiten für den Radwall

Geplant sind keine Großbaustellen, sondern vorbereitende Maßnahmen für den Bau des geplanten Radwalls im Bereich Schwanenwall/Ostwall. Dort sollen, meist im Bereich der Nebenfahrbahnen, breite, komfortable Radwege entstehen.

Wie bei allen Baustellen ist eine Maßnahme auch hier im Vorfeld obligatorisch: Die Suche nach Bombenblindgängern aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs. Dazu sollen nun kurzfristig Sondierungsarbeiten stattfinden, kündigte der Baudezernent an.

Vorher wurden bereits Luftbilder aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs ausgewertet. Insgesamt fünf Verdachtspunkte für Blindgänger wurden dabei ausgemacht, die jetzt vor Ort sondiert werden. Dazu finden dann Bohrungen statt.

Sondierungen an fünf Verdachtspunkten

Zwei Verdachtspunkte befinden sich am Schwanenwall im Bereich Reinoldinum, einer am Fußgängerüberweg gegenüber der Geschwister-Scholl-Straße, zwei weitere Verdachtspunkte befinden sich am Ostwall, davon einer in Höhe des Stadtgymnasiums, der andere im Parkplatzbereich der Junggesellenstraße, berichtet Stadtsprecher Christian Schön.

Geplant sind die einzelnen Sondierungen jeweils an mehreren Tagen zwischen dem 25. Januar und dem 3. Februar. Zur Vorbereitung müssen die Leitungen und gegebenenfalls Kanäle im jeweiligen Sondierungsbereich freigelegt werden, erklärt Schön. Das solle nun Zug um Zug stattfinden.

Vor genau einem Jahr wurde auf dem Hohen Wall nach Bombenblindgänger gesucht. Damals musste der Außenring des Walls sogar komplett gesperrt werden.
Vor genau einem Jahr wurde auf dem Hohen Wall nach Bombenblindgänger gesucht. Damals musste der Außenring des Walls sogar komplett gesperrt werden. © Oliver Volmerich (Archiv) © Oliver Volmerich (Archiv)

Die Aktion weckt Erinnerungen an die Sondierung von Bomben-Verdachtspunkten vor genau einem Jahr. Die Blindgänger-Suche sorgte damals für Engpässe auf dem Wall. Der Hohe Wall musste zeitweise sogar komplett gesperrt werden.

Weil der Blindgängerverdacht dort und an zwei Stellen im Klinikviertel auch bei Sondierungen nicht ausgeräumt werden konnte, fand schließlich am 12. Januar eine spektakuläre Evakuierungsaktion statt. 13.000 Anwohner mussten ihre Häuser verlassen, mehrere Kliniken und zwei Seniorenheime ganz oder teilweise geräumt werden.

Am Ende wurden zwei Bombenblindgänger an der Luisenstraße und an der Beurhausstraße erfolgreich entschärft. Am Hohen Wall wurden statt einer Bombe nur alte Rohre gefunden.

Auch bei den Verdachtspunkten am Schwanenwall und Ostwall hofft man bei der Stadt nun, dass sich bei den Sondierungen der Blindgänger-Verdacht nicht erhärtet – wie in den meisten Fällen. Anderenfalls muss mit dem Kampfmittelbeseitigungsdienst der Bezirksregierung ein Plan zur weiteren Bombensuche und möglichen Entschärfung entwickelt werden. Nur dann wäre eine weitere Evakuierungsaktion im City-Bereich nötig.

Lange aufschiebbar wäre eine solche Aktion nicht. Denn weil für den Radwall Fördermittel aus dem Programm „Emissionsfreie Innenstadt“ fließen, stehen die Bauarbeiten unter Zeitdruck. Bis Ende 2022 muss der Radwall fertig sein. Die Bauarbeiten müssen deshalb im Frühjahr 2021 beginnen.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Oliver Volmerich, Jahrgang 1966, Ur-Dortmunder, Bergmannssohn, Diplom-Journalist, Buchautor und seit 1994 Redakteur in der Stadtredaktion Dortmund der Ruhr Nachrichten. Hier kümmert er sich vor allem um Kommunalpolitik, Stadtplanung, Stadtgeschichte und vieles andere, was die Stadt bewegt.
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Oliver Volmerich

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