Der Geldsegen von Bund und Land dürfte im Stadthaus für Erleichterung sorgen. © Dieter Menne (A)
Stadtverwaltung

Stadt Dortmund schlägt Alarm: Fast 1000 Stellen in Verwaltung nicht besetzt

Der Städte- und Gemeindebund schlägt Alarm: In den Stadtverwaltungen herrscht Fachkräftemangel, Personal ist nur schwer zu finden. Das hat Folgen für wichtige Projekte - auch in Dortmund.

Neue Stellen für die Verkehrsplanung hat der Rat der Stadt am Donnerstag (23.9.) beschlossen. In der Politik gibt es dazu breite Zustimmung. Die Frage ist nur, ob und wann die Stellen auch tatsächlich besetzt werden können. Denn es fällt auch der Stadt Dortmund immer schwerer, geeignete Bewerber für Fachaufgaben zu finden.

Die Planungs- und Bauverwaltung der Stadt ist da nur ein Problembereich: Gut 9000 Stellen hat die Dortmunder Stadtverwaltung – jede zehnte davon ist nicht besetzt. Die Stadt meldet eine Besetzungsquote von 90,1 Prozent.

Vollzeitverrechnet waren bei der Stadt Ende August 939 Stellen frei – neu geschaffene Stellen mit eingerechnet. Die Vakanz ist aber ein Dauerproblem: Durchschnittlich sind die Stellen 449 Tage unbesetzt, teilt die Stadt mit – also rund 15 Monate.

Engpass im Gesundheitsbereich

Besonders schwer ist nach Angaben der Stadt die Neu- oder Wiederbesetzung von Fachkraft-Stellen. Das reicht vom Vermessungsingenieur über Architekten und Bauingenieure bis zum Abwassertechniker und IT-Experten. Sehr schwer sei es auch Facharzt-Stellen im öffentlichen Gesundheitsdienst zu besetzen. Unterschiedliche Fachrichtungen, etwa in der Arbeitsmedizin könnten „nur noch schwerlich oder mittlerweile gar nicht mehr besetzt werden“.

Selbst im klassischen Verwaltungsbereich gibt es bei Wiederbesetzungen Probleme – mit unterschiedlicher Betroffenheit. Manche Aufgabengebiete in der Verwaltung lassen sich noch recht gut, andere dagegen deutlich schlechter besetzen, heißt es. Oft stehe man bei externen Ausschreibungen auch in Konkurrenz zu anderen Arbeitgebern im öffentlichen Dienst.

Konkrete Projekte, die wegen Personalmangels ins Stocken geraten, kann oder will die Stadt nicht benennen. Man bemühe sich durch organisatorische Maßnahmen Zeit zur Einstellung entsprechender Kräfte zu schaffen und Projekte planmäßig durchzuführen. Bekannt ist aber unter anderem, dass das Projekt Radschnellweg Ruhr (RS1) mangels Planern nur sehr langsam vorankommt – was jetzt auch zu den beschlossenen neuen Stellen führt.

Ein Mittel gegen den Personalmangel ist für die Stadt Dortmund, die Fluktuation zu verringern, also die Arbeitskräfte zu halten. Allein durch Altersfluktuation und Änderung der persönlichen Lebensverhältnisse von Beschäftigten werde man aber immer wieder Stellen nachbesetzen müssen, heißt es.

Werben um Nachwuchs

Deshalb wurden und werden die Ausbildungskapazitäten erhöht. Mittlerweile sei die Zahl der jährlich eingestellten Nachwuchskräfte bedarfsgerecht auf knapp 400 angestiegen, teilt die Stadt mit. Dazu kommen Trainee-Programme und gezieltes Werben um externe Bewerber. Mit einer Broschüre „Gute Gründe für eine Beschäftigung bei der Stadt Dortmund“ schildert man die Vorteile, die eine Beschäftigung in der Verwaltung biete.

„Der Konkurrenzkampf um die besten Nachwuchskräfte unter den Unternehmen wird immer größer“, lautet die Erkenntnis. Deshalb versucht man, frühzeitig an Nachwuchskräfte heranzukommen. Ebenfalls an diesem Donnerstag beschloss der Rat unter dem Titel „Studijobs zur Personalgewinnung“ ab 2022 bis zu 20 Werkstudentinnen und -studenten einzustellen.

Ziel sei, „akademische Fachkräfte bereits während ihres Studiums durch gezielte fachliche Einsätze für höherqualifizierte Aufgabenbereiche zu

gewinnen“ und im besten Fall mittelfristig, nach erfolgreichem Studienabschluss an die Stadt Dortmund zu binden.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Oliver Volmerich, Jahrgang 1966, Ur-Dortmunder, Bergmannssohn, Diplom-Journalist, Buchautor und seit 1994 Redakteur in der Stadtredaktion Dortmund der Ruhr Nachrichten. Hier kümmert er sich vor allem um Kommunalpolitik, Stadtplanung, Stadtgeschichte und vieles andere, was die Stadt bewegt.
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Oliver Volmerich

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