Stadt Dortmund weiß nicht genau, wie viele Corona-Genesene es gibt

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Die Zahl der Genesenen ist ein Lichtblick im täglichen Corona-Geschehen in Dortmund. Zuletzt lag sie oft über jener der bestätigten Neuerkrankungen. Bei der Zahl gibt es aber ein Problem.

Dortmund

, 17.04.2020, 11:26 Uhr / Lesedauer: 2 min

Statistiken rund um die Coronavirus-Pandemie waren lange Zeit eine Garantie für schlechte Laune und Angst. Bis die Genesenen-Zahlen auftauchten: Plötzlich war da etwas, was Mut und Hoffnung machte: Schau mal her, da gibt es Menschen, die haben die Krankheit überstanden.

Im täglichen Corona-Update der Stadt Dortmund wurden sie in den vergangenen Tagen zum eigentlichen Star: Die Zahlen der Genesenen lagen teils deutlich über jenen der neuen Fälle. Am Donnerstag beispielsweise meldete die Stadt 27 Neu-Genesene bei nur 3 Neu-Erkrankten - ein Verhältnis von 9 zu 1.

Doch so eindeutig und klar, wie Statistiken manchmal erscheinen, ist die Realität selten. Das betrifft auch die Zahlen rund um das Coronavirus. Dass bei den Neuerkrankungen nur die bestätigten positiven Tests erfasst werden und die Dunkelziffer der Infizierten sehr wahrscheinlich bedeutend größer ist, gehört mittlerweile zum Corona-Allgemeinwissen. Weniger bekannt ist jedoch, dass auch die Zahl der Genesenen nur begrenzt belastbar ist.

Das Grundproblem: In Deutschland gibt es keine Meldepflicht, wenn ein zuvor an Covid-19 Erkrankter die Krankheit überwunden hat - ganz im Gegensatz zu Neuerkrankungen und Todesfällen. Das hat einen einfachen Grund, schreibt das Robert-Koch-Institut auf seiner Seite: „Das würde die ohnehin knappen Ressourcen des öffentlichen Gesundheitsdienstes unnötigerweise belasten, da sie dafür jeden Fall über Wochen verfolgen müssten und daraus keine weiteren Maßnahmen erfolgen.“

Also behelfen sich die Behörden mit Schätzungen - auch in Dortmund: „Als ‚genesen‘ gilt für das Gesundheitsamt, wer nicht mehr ansteckend ist“, erklärt die Stadt Dortmund auf Anfrage. „Nach dem Stand des Wissens ist davon auszugehen, dass 14 Tage nach Beginn der Symptomatik keine Ansteckungsfähigkeit mehr gegeben ist.“ Daher ende auch die häusliche Quarantäne nach 14 Tagen.

Eine Ausnahme gibt es bei schweren Krankheitsverläufen, bei denen die Infizierten in einem Krankenhaus behandelt werden müssen. Dort endet die Quarantäne nicht 14 Tage nach den ersten Symptomen, sondern erst zwei Wochen nach der Entlassung aus dem Krankenhaus.

Aus Corona-Kranken werden automatisch Genesene

Somit wird für die Stadt Dortmund aus einem Corona-Kranken zwei Wochen nach dessen letztem Kontakt mit dem Gesundheitssystem - entweder der Anordnung der häuslichen Quarantäne oder der Entlassung aus dem Krankenhaus - automatisch ein Genesener. Da ein Großteil der Infizierten einen leichten Krankheitsverlauf hat, folgen die Genesenen-Zahlen mit einer Verzögerung von zwei Wochen ziemlich genau den Zahlen der gemeldeten Neuinfektionen - schließlich haben sie größtenteils die gleiche Datengrundlage.

Mit dieser Methode ist die Stadt Dortmund nach eigener Aussage nicht allein. „Alle Gesundheitsämter verfahren wie geschildert“, schreibt sie auf Anfrage.

Auch der Referenzpunkt vieler Experten in der Corona-Krise, das bundesweit maßgebliche Robert-Koch-Institut, nutzt die gleiche Schätzmethode: „Wenn man sich also bei den Meldefällen die Fälle anschaut, die weder eine Pneumonie [Lungenentzündung, die Red.] hatten noch unter Dyspnoe [Atemnot, die Red.] litten, die nicht hospitalisiert werden mussten und nicht verstorben sind - all diese Informationen werden bestenfalls mit erfasst und übermittelt - kann man davon ausgehen, dass diese nach 14 Tagen (konservativ geschätzt) wieder gesund sind und eine entsprechende Zahl berechnen.“

Die konstant steigende Zahl der Genesenen wird den Deutschen also weiterhin Hoffnung geben. Sie ist wie die Zahl der bestätigten Neuinfektionen jedoch nur eine Annäherung an die Realität - ein Behelfsmittel in Zeiten, in denen so vieles noch neu und nicht erforscht ist.

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