Stadt verschickt Krebs-Umfrage an Dorstfeld-Süd-Bewohner

Fragen und Antworten

Das Gesundheitsamt der Stadt Dortmund hat Fragebögen an die Bewohner der Siedlung Dorstfeld-Süd verschickt. Es fragt nach Krebserkrankungen in den Familien dort. Die Siedlung galt vor 30 Jahren als mit Bodengiften belastet. Noch immer ist die Unsicherheit vieler Bewohner dort groß. Fragen und Antworten zum Thema.

DORSTFELD

, 13.04.2016, 05:12 Uhr / Lesedauer: 2 min
Die Siedlung Dorstfeld-Süd aus der Luft: Die Anwohner haben Fragebögen des Gesundheitsamts bekommen. Darin werden sie zu Krebserkrankungen in ihrem Umfeld befragt.

Die Siedlung Dorstfeld-Süd aus der Luft: Die Anwohner haben Fragebögen des Gesundheitsamts bekommen. Darin werden sie zu Krebserkrankungen in ihrem Umfeld befragt.

Was ist in Dorstfeld-Süd damals passiert?

Mit dem Begriff Dorstfeld-Süd ist einer der größten Altlasten-Skandale der Bundesrepublik verknüpft. In den Achtziger-Jahren ist eine Wohnsiedlung auf dem Gelände einer ehemaligen Kokerei erreichtet worden - ungeachtet der Gifte, die beim Betrieb der Kokerei bis in die Sechziger Jahre in den Boden gelangt sind. Erst als die ersten Häuser standen und die ersten Bewohner darin lebten, fiel auf, dass es ungewöhnlich stank. Es folgten ein Baustopp, viele Anwohner im sogenannten Kerngebiet verließen die Siedlung wieder.

Um welche Gifte ging es?

Im Betrieb der Kokerei sind viele verschiedene Gifte in den Boden gelangt, doch damals ging es in erster Linie um Benzol, eine wasserhelle, leicht entflammbare Flüssigkeit, die leicht flüchtig ist. Sie gilt als krebserregend.

Ist der Boden in Dorstfeld-Süd noch immer vergiftet?

Nachdem das Gift im Boden festgestellt worden war, hat die Stadt Dortmund einen Teil der Fläche und einige Häuser von den Bewohnern zurückgekauft, um sie aufwendig zu sanieren. Vergifteter Boden wurde ausgegraben und auf Halden entsorgt. Teilweise wurde der Boden aber auch thermisch behandelt, das heißt er wurde in eine Spezialfirma gebracht, dort hoch erhitzt und später wieder in Dorstfeld-Süd eingebracht. Das Gebiet gilt seither als saniert, die Stadt Dortmund betont bis heute, dass es unbedenklich sei, dort zu leben.

Warum die Fragebögen?

Die Menschen, die in Dorstfeld-Süd leben, haben den Altlasten-Skandal nie vergessen. Einige hegen weiter Zweifel, ob die Flächen tatsächlich sauber waren. Sie schauen genauer hin, wenn jemand in ihrem Umfeld erkrankt. Berichte über eine Häufung der Krebserkrankungen machten die Runde, auch in den Medien erzählten Betroffene von ihren Erkrankungen. Das führte zur Verunsicherung bei einigen Bewohnern. Im Juli 2015 kündigte die Stadt Dortmund an, sich dieses Unsicherheitsgefühls annehmen zu wollen. Jetzt sind die Fragebögen an 700 Haushalte in Dorstfeld-Süd verschickt worden. "Wenn es etwas geben sollte, sollten wir das wissen", sagte Stadtsprecherin Anke Widow am Dienstag.

Was passiert mit den Fragebögen?

Mit den Fragebögen sollen 1250 Menschen erfasst werden. Mit offenem Ergebnis, wie Stadtsprecherin Anke Widow betont. Man gehe seitens der Stadt aber nach wie vor davon aus, dass es unbedenklich sei, in der Siedlung zu leben, auch wenn man nun diese Fragebögen verschickt habe. Die Umfrage läuft bis Ende Juni, dann sollen die Antworten medizinisch bewertet werden.

Wie reagieren die Anwohner auf die Fragebögen?

Laut Stadt Dortmund sind bereits 300 der 700 Fragebögen an das Gesundheitsamt zurückgeschickt worden. "Täglich kommen neue an", so Anke Widow. Frühere Bewohner der Siedlung Dorstfeld-Süd hatten sich in der Redaktion gemeldet. Sie hätten keine Fragebögen bekommen. Tatsächlich hat die Stadt zunächst Fragebögen an die Dorstfeld-Süd-Bewohner verschickt. Aber jeder, der früher dort gelebt habe und sich beim Gesundheitsamt melde, könne ebenfalls einen Bogen bekommen, so Widow.

Fragen zu den Fragebögen beantwortet das Gesundheitsamt unter Te. (0231) 5022537.

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