Stadt verschweigt Ekel-Lokale

Hygiene in Gaststätten

Gammel in Gaststätten: Jedes Jahr müssen in Dortmund etwa fünf Betriebe vorübergehend geschlossen werden, weil Kontrolleure diverse Unappetitlichkeiten finden. Welche das sind, dazu schweigt die Stadt beharrlich. Man will Wirte vor dem Ruin schützen.

DORTMUND

von Von Ulrike Böhm-Heffels

, 08.04.2011, 12:02 Uhr / Lesedauer: 2 min
Auch Pommesbuden werden vom Ordnungsamt kontrolliert.

Auch Pommesbuden werden vom Ordnungsamt kontrolliert.

Der Haken dabei könnte die Dunkelziffer sein. Es gibt nämlich nur 13 Lebensmittelkontrolleure im Ordnungsamt. Und die sind nicht ausschließlich für rund 1400 Gaststätten und gaststättenähnliche Betriebe zuständig, sondern für den gesamten Lebensmittelbereich, für den Bäcker an der Ecke und den Metzger des Vertrauens. 2010 wurden insgesamt 8560 Kontrollen in Dortmund durchgeführt.Ein Besuch pro Jahr

"Dortmunds Wirte müssen in der Regel mit mindestens einem jährlichen Besuch des Ordnungsamtes rechnen", so Stadtsprecher Hans-Joachim Skupsch. "Soweit etwas zu beanstanden ist, erfolgt die Anweisung, den Mangel abzustellen, was auch im Rahmen einer Nachkontrolle überprüft wird. Im schlimmsten Fall wird der Betrieb kurzfristig geschlossen, bis die festgestellten Mängel restlos beseitigt sind." Die Gäste aber erfahren nichts darüber, sie können allenfalls ihre Schlüsse ziehen, wenn eine Gaststätte plötzlich geschlossen ist und irgendwann wieder unterm gleichen Betreiber öffnet.

"Keine Abweichungen"

"In Dortmund werden die Betreiber gastronomischer Betriebe nach wie vor nicht besonders gekennzeichnet", so Skupsch. Schon, als vor zwei Jahren der Bezirk Pankow in Berlin erstmals seine Liste der "Schmuddelrestaurants" veröffentlichte, hielten die heimischen Ordnungswächter nichts davon, die Ekel-Lokale "an den Pranger zu stellen".Von 35.000 kontrollierten Berliner Betrieben soll fast ein Drittel gegen Hygienevorschriften verstoßen. Und daran soll auch die Negativ-Liste nichts geändert haben, reklamieren ihre Kritiker, darunter der Hotel- und Gaststättenverband Westfalen.Nicht jeder Betrieb wird kontrolliert NRW-weit wurden letztes Jahr 55.434 von 94.620 gastronomischen Betriebe unter die Lupe genommen. Also bei weitem nicht jeder Betrieb einmal im Jahr. Hygieneverstöße fanden die Kontrolleure auch in jedem dritten Lokal (18 685 bzw. 33,7 Prozent). 2006 lag die Beanstandungsquote bei 20,6 Prozent. Bezogen auf Dortmund bleibt Skupsch allgemein: "Bei der Zahl der Beanstandungen kann das Ordnungsamt keine prägnanten negativen Abweichungen feststellen." Auch aus dem Landesministerium waren keine Ergebnisse für Dortmund zu erfahren.Aktualisierung 12.02 Uhr: Inzwischen hat uns Bernhard Tibura, der Chef der Lebenmittel-Überwachung geschrieben, dass es Ekel-Lokale in Dortmund gar nicht gebe. "Lokale, vor denen Gäste durch Veröffentlichung der Missstände geschützt werden müssten, gibt es insofern nicht, als die gravierenden Mängel, die zu einer vorübergehenden Schließung führen (ca. 5 Fälle jährlich), unverzüglich behoben werden müssen und zum Zeitpunkt einer Veröffentlichung also gar nicht mehr bestehen würden. Der Wirt müsste aber bis zur nächsten Kontrolle (frühestens in sechs Monaten) mit der „Anprangerung“ leben, was einem Ruin des Betriebes gleichkommt", so Tibura. Dass es auch anders geht, zeigt das in diesem Artikel verlinkte Beispiel aus dem Berliner Bezirk Pankow.

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