Das Neubaugebiet Hohenbuschei in Brackel ist eines der größeren der vergangenen Jahre in Dortmund. © Blossey (A) (Symbolbild)
Wohnungsmarkt

Stadt will hunderte Wohnungen bauen: Außer Beifall wird jetzt auch Kritik laut

Es mangelt an günstigen Mietwohnungen in Dortmund. Deshalb will die Stadt nun selbst hunderte Wohnungen bauen. Dazu gibt es nun kritische Anmerkungen - aus verschiedenen Gründen.

Nach langen Diskussionen im Vorfeld will Oberbürgermeister Thomas Westphal nun eine stadteigene Gesellschaft für den Wohnungsbau mobilisieren. Geplant ist, die Dortmunder Stadtentwicklungsgesellschaft (DSG) finanziell so auszustatten, dass sie bis 2027 insgesamt gut 1200 Wohnungen zur Verfügung stellen kann. Die meisten davon sollen neu entstehen.

340 der Wohnungen sind bereits im Bestand, weitere 50 sollen gekauft und saniert werden – und 830 Mietwohnungen soll die DSG komplett neu bauen. Vorteil der stadteigenen Gesellschaft: Sie muss nicht erst noch Baugrundstücke für viel Geld kaufen. Die Flächen gehören der Stadt und werden von ihr direkt eingebracht.

Angedacht ist, Grundstücke in einem Umfang von 63 Millionen Euro als Eigenkapital einzulegen, Kredite aufzunehmen und die DSG ans Bauen zu bringen.

„Endlich gibt es konkretere Überlegungen, wie Wohnungen in Regie der Stadt neu gebaut werden könnten“, kommentiert Markus Roeser vom Dortmunder Mieterverein. Allerdings meldet Roeser Nachbesserunsgbedarf an: Die DSG müsse mehr preiswerten Wohnraum schaffen. „Die Zahl der maximal geplanten Wohnungen enttäuscht“, so Roeser.

Mieterverein will mehr öffentlich geförderte Wohnungen

Mit der angedachten Marge käme die DSG bis 2027 im besten Fall auf insgesamt rund 170 neue Wohnungen im Jahr. Rund die Hälfte sollen öffentlich geförderte Wohnungen mit gedeckelten Mieten sein. „Umgerechnet würden damit im Schnitt nur 80 bis 85 öffentlich geförderte Wohnungen pro Jahr entstehen“, rechnet Roeser vor.

Das sei zu wenig. Erst recht, wenn Dogewo21 als kommunaler Wohnraumversorger nicht ebenfalls öffentliche geförderte Wohnungen baue. Da müsse von der DSG mehr kommen, fordert der Mieterverein – und schlägt vor, „zu prüfen, ob in den angedachten Baugebieten weitere Stadt-Wohnungen entstehen könnten.

Nach Darstellung von OB Westphal sollen Grundstücke in die DSG eingebracht werden, die sich in laufenden Bebauungsplänen befinden. „Die Richtung stimmt“, kommentiert CDU-Fraktionschef Jendrik Suck das DSG-Konzept. Wichtig sei, dass die Flächen zügig bebaut werden könnten.

Wie ist das Verhältnis zwischen DSG und Dogewo?

Neben weiteren Aspekten müsse aber auch das künftige Verhältnis zwischen DSG und Dogewo21 geklärt werden. „Dass wir quasi eine zweite Dogewo aufbauen, kann langfristig nicht im Sinne des Erfinders sein“, sagt Suck. Dabei hebt der CDU-Fraktionschef auch auf die personelle Ausstattung der DSG ab.

Nach ersten Überlegungen sollen sie rund elf Mitarbeiter haben. Das ist nicht viel für ein Wohnungsunternehmen. „Wer soll den Bestand der DSG künftig verwalten?“, fragt Suck.

Auf eine mögliche Kooperation zwischen DSG und Dogewo hebt auch Ingrid Reuter ab, Fraktionsprecherin der Grünen. „Im Grundsatz nehmen wir die Pläne zur Aktivierung der DSG positiv auf“, sagt Reuter – und erinnert an die Punkte im schwarz-grünen Antrag zum kommunalen Wohnungsbau im März. „Wir werden die Aufgabenbeschreibung der DSG genau prüfen“, kündigt Reuter an.

„Auch die DSG muss beim Bauen wirtschaftlich sein“

Im Juni soll das Beschlusspapier der Verwaltung im Rat der Stadt liegen. Ähnlich wie CDU-Fraktionschef Suck mahnt auch Reuter „Klärungsbedarf für das Verhältnis zwischen DSG und Dogewo an“.

„Wir wollen, dass die DSG baut“, signalisiert SPD-Fraktionschefin Carla Neumann-Lieven erste Zustimmung. Es seien aber noch „Gespräche zur Feinabstimmung zu führen“.

Auch die DSG sei gefordert, „wirtschaftlich zu bauen“, sagte Neumann-Lieven mit Blick auf den Mix von freifinanzierten Wohnungen mit etwas höheren Mieten und öffentlich geförderten Wohnungen mit preiswerten Mieten. OB Westphal möchte eine DSG, die sich nach Anlaufverlusten in den ersten Jahren mittel- und langfristig selber trägt und ohne Zuschüsse aus dem Stadt-Haushalt auskommt.

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Jahrgang 1961, Dortmunder. Nach dem Jura-Studium an der Bochumer Ruhr-Uni fliegender Wechsel in den Journalismus. Berichtet seit mehr als 20 Jahren über das Geschehen in Dortmunds Politik, Verwaltung und Kommunalwirtschaft.
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