Rad- und Fußgänger-Verkehr

Stadt will wichtigen Weg zum BVB-Stadion sperren: Streit geht weiter

Fußgänger und Radfahrer laufen Sturm gegen temporäre Sperrungen eines Weges an den Westfalenhallen, der zum Signal-Iduna-Park führt. BVB-Fans sollen unter der Sperrung laut Stadt nicht leiden.
Um einen Durchgang zum BVB-Stadion gibt es Ärger zwischen der Stadt und Fuß- und Radverkehrsverbänden. © Stephan Schütze (Archiv)

Die Stadtspitze will die Wegeverbindung zwischen den Westfalenhallen 3 und 4, die BVB-Fans vor Corona bei Heimspielen für den Durchgang zum Signal-Iduna-Park genutzt haben, für bis zu 30 Tage im Jahr für die Öffentlichkeit sperren. Dagegen laufen die Fuß- und Radverkehrsverbände Sturm.

Mit seinem Kompromiss-Vorschlag will der Verwaltungsvorstand der Stadt den Westfalenhallen ermöglichen, den Durchgang für den Auf- und Abbau von größeren Messen und Veranstaltungen aus sicherheits- und haftungsrechtlichen Gründen zu schließen. Diesem Vorschlag liege eine Gefährdungsbeurteilung durch die Dekra zugrunde, heißt es. Bei BVB-Heimspielen soll der Durchgang geöffnet bleiben.

„Wenn der Weg wie geplant an bis zu dreißig Tagen im Jahr gesperrt wird, ist er für Fuß- und Radverkehr verloren“, sagt Sven Teschke von Aufbruch Fahrrad Dortmund und erklärt: „Im Alltagsverkehr und insbesondere auf dem Weg vom Kreuzviertel zum Bahnhaltepunkt Signal-Iduna-Park sind verlässliche Geh- und Fahrzeiten erforderlich.“ Temporäre Sperrungen wirkten fast so negativ wie eine dauerhafte Sperrung, weil die Zeit für einen möglichen Umweg immer eingeplant werden müsse.

Gegen Falschparker vorgehen

Darum sprechen sich die Organisationen ADFC, Aufbruch Fahrrad Dortmund, BUND, FUSS, VCD und VeloCityRuhr erneut nachdrücklich gegen temporäre Sperrungen des Wegs aus. Bereits 2019, als erstmals Pläne zur Schließung des Wegs bekannt wurden, hatten sich 33 Organisationen, die 8000 Menschen vertreten, für den Erhalt des Weges und gegen dauerhafte oder temporäre Sperrungen eingesetzt.

„Wir hoffen, dass die Politik, die diese Frage letztlich entscheiden muss, unseren Argumenten mehr Gehör schenkt als der Verwaltungsvorstand“, sagt Lorenz Redicker vom VCD – die Bezirksvertretung Innenstadt-West, die sich bereits im April 2020 einstimmig dafür ausgesprochen hat, den Weg „für die Allgemeinheit ohne Einschränkung dauerhaft offenzuhalten“.

Auch der Beirat Nahmobilität, der Politik und Verwaltung berät, hat dem Rat und den zuständigen Ausschüssen empfohlen, temporäre Sperrungen des Wegs auszuschließen. Er spricht sich dafür aus, mögliche Gefahren, die von den falsch parkenden Lkw ausgehen, nicht durch Sperrungen des Wegs, sondern durch Beendigung des Falschparkens zu beseitigen.

Geplante Wegeführung nur „ein Trostpflaster“

Auch wenn die Westfalenhallen den Wunsch nach einer Sperrung mit Sicherheitsbedenken begründeten, sei eine Häufung von Unfällen an der Stelle bisher nicht bekannt geworden, sagt Peter Fricke von Aufbruch Fahrrad Dortmund und VeloCityRuhr. „Der Weg ist außerordentlich sicher. Wenn man diesen Weg aus Sicherheitsgründen schließen will und nicht mit zweierlei Maß misst, muss man so ziemlich jede andere Straße in Dortmund ebenfalls sperren“, so Fricke weiter.

Nur vereinzelt gebe es Konflikte, wenn Gabelstapler hinter den kreuz und quer geparkten Lkw hervorkämen, räumt Fricke ein. Das Problem lasse sich aber leicht lösen, indem man Parkflächen markiere und einen Sicherheitsdienst anweise, auf Ordnung zu achten. „Das ist lösbar, sei es mit eigenem Personal oder mit Unterstützung eines externen Unternehmens“, so Fricke.

Die als Ersatz für den Weg geplante Führung des Radverkehrs auf Umwegen über die Rosenterrassen überzeugt die Verbände ebenfalls nicht: „Rad- und Fußverkehr brauchen direkte Wege, keine Trostpflaster“, sagt Redicker.

Schleppender Ausbau der Radwege

Werner Blanke vom ADFC verweist zudem auf den schleppenden Ausbau der Radwege und sagt: „Es ist widersinnig, einerseits über eine Fahrradstadt Dortmund und den Umstieg vom Auto auf nachhaltige Verkehrsmittel zu reden – und andererseits durch die Sperrung eines wichtigen Wegs Radverkehr, Fußverkehr und die Nutzung der Bahn zu erschweren und so Anreize zur vermehrten Autonutzung zu schaffen.“

Der neue Lokalsport-Newsletter für das Münsterland

Immer dienstags und freitags um 18:30 Uhr das Wichtigste aus dem Lokalsport direkt in Ihr E-Mail-Postfach.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.