Derne, Kirchderne, Hostedde: Ein Plus beim Thema Wohnen

mlzStadtteilcheck

Die Bewohner von drei Stadtteilen im Stadtbezirk Scharnhorst loben die allgemeine Lebensqualität in ihren Orten, haben aber auch einige Kritikpunkte.

Derne, Kirchderne, Hostedde

, 12.12.2018, 04:04 Uhr / Lesedauer: 4 min

Heiko (36) und Mareike Nickel (33) wohnen seit elf Jahren in Kirchderne – inzwischen mit Tochter Hanna (8). „Als wir damals eine Wohnung gesucht haben“, sagt Heiko Nickel, „war es für uns nicht ganz so wichtig, in welchem Stadtteil sie sich befindet“. Dass es dann Kirchderne geworden sei, sei im Nachhinein betrachtet ein Glücksfall gewesen. Er möge den dörflichen Charakter Kirchdernes mit dem starken Zusammengehörigkeitsgefühl der Bewohner, aber auch die Natur, die zu Spaziergängen einlade: „In die Stadt zu ziehen wäre uns nie in den Sinn gekommen.“

Heiko Nickel ist jedoch nicht so blauäugig, nicht auch die Nachteile seines Wohnorts zu sehen: Es gibt in Kirchderne so gut wie keine Geschäfte. Um Lebensmittel und anderes einzukaufen, muss man ins Einkaufszentrum nach Derne fahren. Und er weiß auch, dass in Derne, das wir für unseren Stadtteilcheck mit Kirchderne und Hostedde zusammengefasst haben, seine Schattenseiten hat. Als Allererstes fällt ihm dabei der Zustand der Altenderner Straße auf. „Das ist schlicht eine Katastrophe. Durch die Stagnation in dieser Hinsicht erhalten die Menschen vor Ort das Gefühl, weniger wert zu sein als die Bewohner anderer Stadtteile.“

In den Anmerkungen zu unserem Stadtteilcheck teilten viele Bürger diese Auffassung – auch der SPD-Stadtbezirksvorsitzende Lars Wedekin sieht‘s so: „Wir Politiker können den Menschen immer schwerer erklären, warum die Sanierung noch nicht erfolgt ist.“ Allerdings sei die Politik auf die Verwaltung angewiesen.

Derne, Kirchderne, Hostedde: Ein Plus beim Thema Wohnen

Die Altenderner Straße ist nach wie vor in einem katastrophalen Zustand. © Oliver Schaper

Und die Verwaltung leide erstens an Personalmangel und finde zweitens immer schwerer Fachfirmen, die solche Aufträge ausführen. Das bekräftigte auch Oberbürgermeister Ullrich Sierau in der Dezember-Sitzung der Bezirksvertretung Scharnhorst, die er mit Teilen des Verwaltungsvorstands besuchte. Sierau machte den Dernern jedoch Hoffnung, dass die Sanierung der Altenderner Straße im ersten Quartal 2019 beginnen soll. Die Aufträge dazu seien vergeben. Insgesamt, so sagt aber Heiko Nickel, komme ihm Derne ein wenig wie ein „vergessener Stadtteil“ vor. Vieles mache einen verwahrlosten Eindruck und werde sich selbst überlassen.

Das wurde positiv bewertet:

Wohnen: Bei unserem Stadtteilcheck haben die Teilnehmer den Komplex „Wohnen“ mit sieben Punkten besser bewertet als im stadtweiten Durchschnitt (sechs Punkte). Das deckt sich nicht nur mit den guten Erfahrungen Heiko Nickels – auch Lars Wedekin wundert dieser Wert nicht. Zum einen sei Wohnraum in Derne noch bezahlbar (zumindest im Vergleich zu anderen Stadtteilen, zum Beispiel im Süden), zum anderen seien offenbar die neu entstandenen Siedlungen gut bewertet worden. Beispiel ist hier der fast vollständig vermarktete Bereich „Wohnen am Hochzeitswald“ am Rande des Gneisenauparks.

Zumindest genauso gut wie im stadtweiten Durchschnitt haben die Derner, Kirchderner und Hostedder die Bereiche Verkehrsanbindung, Kinderbetreuung, Jugendliche und Verkehrsbelastung bewertet. „Genau“, meint auch Lars Wedekin, „Die Verkehrsanbindung ist mit Buslinien und Stadtbahn hervorragend.“ Im Nu habe man den Verkehrsknotenpunkt Schulte Rödding oder in wenigen Minuten die Dortmunder Innenstadt erreicht. Gerade diese Kombination aus guter Erreichbarkeit einerseits und Nähe zur Natur andererseits mache den Wohnwert in Derne ja aus.

Derne, Kirchderne, Hostedde: Ein Plus beim Thema Wohnen

Viele Derner mögen ihren Gneisenaupark mit Tomson-Bock und Doppelbock. © Foto: Oliver Schaper

Auch ein allgemeiner Punkt, die Lebensqualität, wird in Derne, Kirchderne und Hostedde genauso gut bewertet wie im stadtweiten Durchschnitt. Das deckt sich mit den Erfahrungen der Dernerin Gertrud Löhken-Mehring, die für den Stadtbezirk Scharnhorst im Seniorenbeirat sitzt. „Hier kann jeder leben, wie er will, ohne dass der Nachbar daran groß Anstoß nimmt“, sagt sie.

Das wurde negativ bewertet:

Gastronomie: nur vier von zehn möglichen Punkten (gegenüber sieben im stadtweiten Durchschnitt). Es gebe in der Tat nicht viele Restaurants, sagt auch Lars Wedekin. Das „Haus Lange“ an der Nierstefeldstraße habe dicht gemacht, und auch der „Derner Hof“ ist zumindest momentan geschlossen. Es gebe das „Haus Wienke“ an der Altenderner Straße und eine Kneipe in Hostedde. Das Rauchverbot habe wohl vielen Gastronomen geschadet, glaubt er, und es sei sehr wohl wünschenswert, dass sich der eine oder andere Gastronomiebetrieb ansiedeln würde. „Auch eine Eisdiele wäre schön“, so Wedekin, und: „So etwas gehört zu den weichen Standortfaktoren, die darüber mitentscheiden, ob Menschen in einem Stadtteil wohnen möchten oder eben nicht.“ Für die Politik sei es natürlich kaum möglich, von oben mehr Gastronomie zu verordnen. Ein solcher Betrieb müsse sich schließlich auch rechnen.

Heiko Nickel nennt die Pizzeria La Palma bei Stefano an der Derner Straße in Kirchderne als gute Ausgehadresse, die so beliebt sei, dass man dafür eine Tischreservierung brauche.

Sauberkeit: nur fünf von zehn Punkten (bei sieben in der gesamten Stadt): Sicher, es gebe schon ein paar Schmuddelecken, sagt Heiko Nickel. Aber er sehe das eher als gesamtgesellschaftliches Problem. Viele Menschen seien eben nicht umweltbewusst eingestellt und schmissen ihren Dreck einfach hinter sich. Nickel:

Derne, Kirchderne, Hostedde: Ein Plus beim Thema Wohnen

Grafik: Martin Klose

„Das ist eine Never-Ending-Story und ein Kampf gegen Windmühlen.“ Für den Gneisenaupark mit Tomson-Bock und Doppelbock-Gerüst könne er die Wertung aber nicht nachvollziehen. Der Park wirke gepflegt.

Sport: Auch in sportlicher Hinsicht kommt Derne schlechter weg als im gesamtstädtischen Mittelwert (sechs gegenüber sieben Punkten). Das kann Lars Wedekin nicht nachvollziehen. Es gibt den SV Derne, der ein Freibad und ein Hallenbad (Letzteres allerdings im EKS in Scharnhorst) betreibt, und es gebe beim SuS Derne und beim BV Viktoria Kirchderne sogar zwei Kunstrasen-Fußballplätze.

Gesundheit: Auch in diesem Punkt bewerten die Bewohner der drei Stadtteile ihre Orte eher negativ: fünf Punkte gegenüber acht im gesamtstädtischen Mittel. Lars Wedekin kommentiert das so: „Es gibt zwei Zahnärzte und zwei Allgemeinmediziner.“ Allerdings fehlen Fachärzte, was natürlich vor allem für ältere Menschen, die nicht mehr so mobil sind, ein Problem darstelle. Insofern sei diese Wertung nachzuvollziehen. Andererseits sei das Facharztzentrum an der Droote in Scharnhorst auch nicht allzu weit entfernt.

Nahversorgung: Acht Punkte gegenüber neun im stadtweiten Mittelwert. Hier müsse man sicherlich zwischen Derne einerseits und Kirchderne und Hostedde andererseits unterscheiden, so Lars Wedekin. Während Derne mit dem Einkaufszentrum an der Altenderner Straße gut abschneidet, fehlen in Kirchderne und Hostedde die Geschäfte.

Alle Ergebnisse unseres Stadtteilchecks auf einen Blick in unserer Übersichtskarte.

Historie

Derne hieß früher Altenderne-Oberbecker

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Das Josephs-Hospital an der Altenderner Straße gibt‘s heute gar nicht mehr. © Klaus-Dieter Reichert (Archiv)

  • Derne hieß ursprünglich Altenderne-Oberbecker. Am 22. November 1922 wurden die bis dahin selbstständigen Gemeinden Altenderne-Niederbecker und Hostedde in die Gemeinde Altenderne-Oberbecker eingegliedert, deren Name bereits am 27. Oktober 1923 in Derne geändert wurde.
  • Am 1. April 1928 wurden Teile des Ortes in die Stadt Dortmund eingemeindet, anderes ging an Lünen.
  • Auch Kirchderne wurde 1928 nach Dortmund eingemeindet. Wahrzeichen des Ortes ist die evangelische Dionysiuskirche, die bereits im zweiten Viertel des 13. Jahrhunderts errichtet wurde.
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