Ein Hin und Her über 22 Monate: Stadt baut nun doch neue Turnhalle in Nette

mlzSporthallen-Planung

Welch ein Hin und Her: Erst wollte die Stadt die Turnhalle in einem Schulzentrum neu bauen, dann sanieren. Nun soll doch ein Neubau erfolgen. Auf wessen Kosten?

Nette

, 18.09.2019, 17:39 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Rein in die Kartoffeln – raus aus den Kartoffeln“: Auf diese Redensart passen die städtischen Planungen für die ehemalige „Hauptschul-Turnhalle“ im Netter Schulzentrum. Seit fast zwei Jahren geht es um die Frage: Sanierung oder Neubau?

„Es erfolgt ein Neubau der Turnhalle“, antwortet Stadtsprecher Christian Schön auf eine Anfrage dieser Redaktion. Eigentlich sollte der Neubau aus Bundesmitteln erfolgen, jetzt aber stemmt die Stadt die Millioneninvestition aus dem Haushalt. Geplant ist eine Einfach-Turnhalle in Systembauweise. Diesen Plan gab es schon einmal: im November 2017, damals gefördert aus Bundesmitteln im Kapitel 2 des Kommunalinvestitions-Förderungsgesetzes (KIF 2).

Die Halle ist „in die Jahre gekommen“

Formal zählt die Turnhalle zur Albert-Schweitzer-Realschule. Die Hauptschule gibt es nicht mehr. Realschule und Heinrich-Heine-Gymnasium nutzen sie gemeinsam. Sie ist eines der ältesten Gebäude im Schulzentrum und unstrittig in die Jahre gekommen.

Bei den Neubauplänen bleibt es, als sich die Bezirksvertretung (BV) im März 2018 mit dem Landesprogramm „Gute Schule 2020“ beschäftigt. Im Protokoll heißt es wieder: „Weiterhin sei eine neue Turnhalle an der Albert-Schweitzer-Realschule geplant. Dies sei allerdings ein KIF-2-Projekt.“

Gleich mehrfach ist die Turnhalle dann am 10. Oktober 2018 Thema in der BV. In den Beratungen zum städtischen Haushalt fällt den Mengeder Politikern ein Widerspruch auf. Es gibt plötzlich keinen Neubau, der im Haushaltplan-Entwurf noch geführt wird. Als richtig erweist sich das, was im Papier zum „Sachstand Sporthallenprogramm und Sanierungsfahrplan Turn- und Gymnastikhallen“ steht. Dort taucht die Netter Turnhalle nun in einer Liste der Hallen auf, die saniert werden sollen.

Stadtkämmerer verweist auf Entlastung des städtischen Haushalts

Zur selben Sitzung beantwortet Stadtkämmerer Jörg Stüdemann eine Anfrage der SPD-Fraktion vom Februar. Und bestätigt die geänderte Planung: Das Ergebnis der Projektentwicklung über die Frage Neubau oder Sanierung habe ergeben, die Turnhalle zu sanieren.

„Dies bietet unter anderem den Vorteil, die Schließungszeiten der Turnhalle im Vergleich zur Neubauvariante deutlich zu reduzieren“, schreibt Jörg Stüdemann. Auch hier: „Für die Maßnahme können Mittel aus dem Kommunalinvestitionsförderungsprogramm Kapitel II generiert werden.“ Und: „Dies führt zu einer nachhaltigen Entlastung des städtischen Haushalts.“

Wirschaftlichkeitsprüfung gibt den Ausschlag

Das ist nun Schnee von gestern, es gibt eine erneute Kehrtwende. Eine „weitergehende technische Bestandsaufnahme“ habe, „belegt durch eine Wirtschaftlichkeitsprüfung“, die „Vorteilhaftigkeit eines Neubaus“ ergeben, schreibt Christian Schön. Bei einem Neubau könne zudem der „zusätzliche und nachhaltige Bedarf“ an einem Seminar-/Motorikraum berücksichtigt werden.

Der Stadtsprecher beantwortet auch unsere Frage nach der Finanzierung: „Die Maßnahme wird aus dem städtischen Haushalt finanziert.“ In den KIF-2-Planungen 2017 war der Neubau mit Kosten von 1,59 Millionen Euro beziffert. Wie bei anderen Baumaßnahmen dürften sie jetzt rund 15 bis 20 Prozent höher liegen.

Die Stadt legt allerdings Wert auf die Feststellung, dass keine Fördermittel verschenkt worden seien: „Anstelle der Turnhalle rutscht ein anderes Projekt in dieses Förderprogramm hinein“, betont Schön. Aus dem KIF-Programm könnten nur Projekte gefördert werden, die ohnehin auf einer Liste der städtischen Investitionen gestanden hätten. „Diese Liste ist überzeichnet.“ Heißt: Es gab weitere Projekte auf der Warteliste. Der Neubau der Turnhalle im Schulzentrum Nette soll nun in den Doppelhaushalt 2020/21 eingestellt werden.

Dieser Artikel wurde am 19. September 2019 um 15.15 Uhr aktualisiert. In der ursprünglichen Fassung fehlte die nachträgliche Feststellung der Stadt Dortmund, dass andere Projekte aus der Investitionsliste nun in das KIF-2-Programm aufgerückt seien. Dadurch entstand der falsche Eindruck, die Stadt habe Fördermittel des Bundes nicht ausgeschöpft.

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