Starten, schalten, bremsen – So fährt man sicher auf dem E-Bike

mlzADFC-Pedelec-Kurs

Michael Mangesius fährt seit 2014 ein E-Bike. Zwei Stürze hat er bereits hinter sich, davon einen schweren mit Knochenbruch. Jetzt hat er einen E-Bike-Kurs gemacht. Und dabei etwas gelernt.

Dortmund, Hombruch

, 04.04.2019, 04:33 Uhr / Lesedauer: 4 min

Montagmorgen in Hombruch in einer Tiefgarage am Harkortbogen. Sechs Leute mit E-Bikes hoffen auf gute Ratschläge im Umgang mit ihrem Gefährt. Reinhold Hesse, Karl Heinz Geisel und Gerd Stemman vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) Dortmund stehen bereit für den ersten Pedelec-Kurs. 90 Minuten Theorie und vor allem Praxis, denn immer mehr Radfahrer steigen um auf elektrischen Antrieb, wissen aber oft nicht, wie sie ihn handhaben sollen.

So sorgt der E-Bike-Boom für mehr schwere Radunfälle. Das hohe Tempo der Radler ist eine unterschätzte Gefahr. Bei Michael Mangesius war es nicht nur die Geschwindigkeit, sondern vor allem das rutschige Laub im Herbst, das glatt war wie Eis, sagt er. Er brach sich bei dem Sturz das Sprunggelenk und landete im Krankenhaus. „Der Knochen war durch.“ Nach zwei Stürzen in fünf Jahren kam der Pedelec-Kurs, den der ADFC gemeinsam mit dem Fahrradgeschäft Edelhelfer anbietet, wie gerufen.

Alle Freunde haben schon ein E-Bike

Helga Weber hatte mehr Glück im Unglück. Sie stürzte bei einem Ausweichmanöver einmal vom Rad, dann aber gleich einen Abhang hinunter und zog sich „nur“ einen blauen Fleck zu.

Auch Uschi Prädel aus Holzwickede ist „zwei Mal ganz böse gestürzt“. Einmal zum Beispiel hatte sie zu spät gebremst und war in Panik geraten. Sie möchte vor allem wissen: „Wie komme ich sicher runter vom Rad?“

Irene Michels hat „null Erfahrungen“ mit einem E-Bike, trägt sich aber mit dem Gedanken, sich eines anzuschaffen, auch weil fast alle ihre Radfreunde schon E-Bike fahren. Gemeinsame Radtouren würden so für sie zu anstrengend. „Das macht keinen Spaß mehr.“ Für den Kurs bekommt sie vom ADFC ein Rad zur Verfügung gestellt.

Starten, schalten, bremsen – So fährt man sicher auf dem E-Bike

Wer sein Rad liebt, der schiebt. Bei dieser Übung geht es darum, das schwere E-Bike durch eine Engstelle zu schieben. © Gaby Kolle

Erste Lektion beginnt mit Schieben

Wer sein Rad liebt, der schiebt, heißt ein Spruch. So beginnt auch die erste Lektion bei den E-Bike-Lehrern. An kleineren Baustellen komme es zu Engstellen, durch die man sich als Radfahrer etwa an Bäumen vorbei quetschen müsse. Also gilt es zu üben. Zumal das E-Bike mit 25 bis 30 Kilogramm deutlich mehr wiegt als ein normales Fahrrad und je nach Antriebskonzept und Akku-Positionierung einen veränderten Schwerpunkt hat. Die Kursteilnehmer schieben es mal von der linken und mal von der rechten Seite durch das Hindernis. Geschafft.

Und wenn das Fahrrad doch mal aus der Hand rutscht oder sonst wie hinfällt? Dann hebt man es auf, indem man einen Fuß vor die Mitte des liegenden E-Bikes setzt. Dort ist in der Regel der Schwerpunkt „Man steigt sozusagen rein“, sagt Karl Heinz Geisel. Das Anheben gehe damit leichter.

Starten, schalten, bremsen – So fährt man sicher auf dem E-Bike

So hebt man ein E-Bike richtig auf. © Gaby Kolle

Immer mit beiden Händen bremsen

Im zweiten Schritt stehen Bremsmanöver auf dem Programm. Wie verhält sich das Rad, wenn ich plötzlich bremsen muss? Die Teilnehmer probieren es auch, und bremsen anfangs früher ab als sie sollen. Das Vertrauen zum Rad und in die eigenen Fähigkeiten muss wachsen. Wichtige Regel: Immer mit beiden Händen bremsen.

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Die Kursteilnehmer lernten, ihren Bremsen auch bei plötzlichen Bremsmanövern zu vertrauen. © Gaby Kolle

Die nächste Lektion ist Anfahren am Berg. Dazu sollte man zunächst – ohne Motorunterstützung – den für sich bestgeeigneten Anfahrgang herausfinden. Bei den meisten ist das der vierte Gang. Mit dem Anfahrmodus Eco geht es dann aus der Tiefgarage bergauf. Immer wieder. Bis es wie von selbst klappt.

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Auch das Anfahren am Berg will geübt sein. © Gaby Kolle

Die Trittfrequenz ist wichtig

Überhaupt das Kapitel Gangschaltung. Da gibt es für die Gruppe einiges zu lernen. „Man sollte“, sagt Reinhold Hesse, „mit einer Trittfrequenz von 70 bis 80 Umdrehungen pro Minute fahren.“ Trete man zu langsam, müsse die Batterie zu schwer arbeiten, trete man zu schnell, fange der Motor an zu schwitzen. Die ideale Trittfrequenz ist, wenn man bei gleicher Geschwindigkeit und gleichem Streckentyp die geringste körperliche Kraft aufwenden muss und Herz, Kreislauf, Muskeln und Gelenke am geringsten belastet werden.

Aber: Um Kraft auf die Pedale zu bekommen, werde zuallererst die Gangschaltung eingesetzt, der richtige Gang eingeschaltet und erst im zweiten Schritt, wenn es zu schwer werde, der höhere Antrieb, erklärt Hesse: „Bei batteriegetriebenen Fahrrädern ist es wichtig, die richtige Trittfrequenz zu haben.“ Sie ist neben dem persönlichen Krafteinsatz und der Wahl der Fahrstufe die größte Stellschraube während der Fahrt für Motorleistung und Akku-Reichweite. Ein hoher Fahrmodus kostet Energie und geht auf die Batterie. Hesse: „Da schafft man mit Motor nicht die 100 Kilometer.“ Ein Aha-Erlebnis für die Teilnehmer.

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Karl Heinz Geisel (l.) und Reinhold Hesse zeigen, wie man den Ball während der Fahrt übergibt – eine Geschicklichkeitsübung. © Gaby Kolle

Wie man trainiert, Schlaglöchern auszuweichen

Was auch nicht fehlen darf, sind ein paar Geschicklichkeitsübungen. Zwei sich entgegenkommende Radfahrer klatschen sich ab oder tauschen mitten in der Fahrt untereinander einen Ball aus. Das bedeutet, sie müssen ein kleines Stück nur mit einer Hand am Lenker fahren und das Gleichgewicht halten. Solche Situationen können zum Beispiel entstehen, wenn man einen Ast aus dem Weg schlagen möchte, damit er nicht im Gesicht landet. Bei manchen klappt das sofort, andere müssen erst in die Spur finden.

Dortmunds Schlaglöcher zu umfahren – das trainieren die Teilnehmer mit Hilfe von Hütchen, die sie im Slalom passieren. Sieht einfach aus, ist es aber nicht.

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Die gelben Hütchen simulieren Schlaglöcher. Die gilt es zu umfahren. © Gaby Kolle

Zum Schluss gibt es noch ein bisschen Theorie in Technik. „Man sollte das Fahrrad mit Akku nie in der prallen Sonne stehen lassen“, warnt Hesse. „Stellen Sie das Rad in den Schatten oder schließen Sie den Akku auf und nehmen ihn mit.“ Zudem sollte man die Batterie nicht unter 10 Grad plus lagern, aber auch nicht in der Hitze. Jetzt ist zwar Frühling, aber beim Überwintern ist es besser, den Akku nicht voll aufzuladen. Hesse: „Man sollte den Akku bei 60 Prozent der Batterieladekapazität lassen, das sind drei von fünf Strichen.“

Nicht gleich nach der Fahrt den Akku aufladen

Ist die Batterie vollgeladen, fährt man nicht sofort los. „Man muss sie sich erst ein bisschen beruhigen lassen. Das ist Chemie,“ sagt Hesse. Auch nach der Fahrt sollte man die Batterie nicht sofort wieder aufladen. „Ein Viertelstündchen warten.“

Ein weiteres Thema ist die Sicherheit. Ein Rahmenschloss kombiniert mit einem Kettenschloss der Sicherheitsklasse 10 sei schon ganz gut, meinen die ADFC-Helfer. Allerdings müsse die Kette lang genug sein. „Das Fahrrad immer so hoch wie möglich anschließen,“ rät Hesse; denn liege das Schloss am Boden, habe ein Bolzenschneider die beste Hebelwirkung. „Ich nehme immer Laternenpfähle“, sagt Karl Heinz Geisel, „die nimmt keiner mit.“

ADFC codiert E-Bikes gegen Diebe

Wer Dieben das Leben schwer machen will, kann sein wertvolles E-Bike auch beim ADFC für 15 Euro (Mitglieder 5 Euro) codieren lassen; denn ohne Eigentumsnachweis kommen sie mit dem zweirädrigen Diebesgut nicht weit. Die eingravierte Codierung zeigt sofort, wer der Eigentümer des geklauten Rades ist. So wird der Weiterverkauf, insbesondere über Flohmärkte oder via Internet, erschwert.

90 Minuten später, mit neuem Wissen und fahrerprobt, steigen Michael Mangesius und die übrigen Kursteilnehmer wieder auf ihr E-Bike – ganz zuversichtlich, damit unfallfrei durch die Stadt zu kommen. Alle waren sich einig: „Das hat Spaß gemacht.“ Irene Michels ist gleich im Anschluss ins Fahrradgeschäft gegangen und hat sich schon mal umgeguckt; denn wer einmal E-Bike gefahren ist, möchte meist auf kein anderes mehr steigen . . .

  • Termin: Der nächste Pedelec-Kurs des ADFC ist am Montag, 29. April, 16 bis 17.30 Uhr, an der Harkortstraße 107 in Hombruch.
  • Inhalte des Kurses sind Bremstechnik, Kombination Gangschaltung und Motorunterstützung, Trittfrequenz, Geschicklichkeitsübungen und Handhabung des Pedelecs, Erklärungen zu Akku, Anfahrhilfe, Display, Diebstahlvermeidung und Helm.
  • Kosten: für ADFC-Mitglieder 20 Euro, für Nichtmitglieder 30 Euro.
  • Leihrad: Wer kein eigenes Pedelec hat, dem kann eines gestellt werden. Dazu muss man den Personalausweis mitbringen und bei der Anmeldung Leihrad und Körpergröße angeben.
  • Anmeldung ist erforderlich unter r.hesse@adfc-dortmund.de oder per Handy 0174/2927250.
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