Einen Ort, an dem junge Menschen in Dortmund feiern können, in Form von Pop-Up-Partyzonen fordert die Dortmunder FDP. Nicht alle sind von der Idee überzeugt. © Unsplash
Dortmunder Nachtleben

Statt Party an U und Möllerbrücke: Forderung nach „Pop-Up-Partyzonen“

Mit einem Vorstoß liefert eine Partei eine Idee für Dortmunds Partyszene. Sie soll Hotspots wie U und Möllerbrücke entlasten. Andere sind skeptisch, ob das eine sinnvolle Lösung fürs Nachtleben ist.

Ansammlungen feiernder Menschen am U-Turm oder an der Möllerbrücke haben zuletzt Polizeieinsätze und Diskussionen nach sich gezogen. Um solche Szenen zu vermeiden, fordert die FDP vom Oberbürgermeister kurzfristig die Ausweisung offizieller „Pop-Up-Partyzonen“, also von provisorisch eingerichteten Flächen wie sie aus dem Verkauf oder aus dem Verkehr bekannt sind.

Mit ihrem Vorstoß wollen die Liberalen Konflikte durch ausufernde Partynächte vermeiden, die vor allem die Anwohner stören. „Aber dafür brauchen die jungen Menschen auch Alternativen“, meint Roman Senga, der für die FDP dem Ratsausschuss für Kultur, Sport und Freizeit angehört

Für die Pop-Up-Partyflächen soll es klare Regeln geben

Damit nicht immer die gleichen Anwohner mit der Feierlaune konfrontiert sind, sollen die Zonen wechseln. Auch solle es klare Regeln geben, darunter eine maximale Musiklautstärke und einen zeitlichen Rahmen.

Die rechtlichen Grundlagen für solche Ausnahmen vom Schutz der Nachtruhe finden die Liberalen in den Ausnahmeregelungen im Landesimmissionsschutzgesetz der Stadt. Damit könnten Regelverstöße und Sachbeschädigungen der Feiernden geahndet werden.

Trotzdem sollen die Pop-Up-Partyzonen Dortmunds Nachtleben befördern, wie Senga erklärt: „Eine lebendige Stadt braucht Freiräume für junge Menschen. In der Vergangenheit haben Anwohner-Beschwerden, Lärmschutz und die Umwandlung von Gastronomie-Flächen in Shopping-Center oder Büro-Projekte dieser Lebendigkeit schwere Schläge versetzt.“

CDU: „Wo sind denn diese Flächen?“

Auch die Fraktion der CDU bekennt sich zu einer lebendigen Kneipenkultur. Den FDP-Vorstoß sehen die Christdemokraten jedoch skeptisch. „Ich vermisse da eine konkrete Benennung von Orten. Das ist sonst nur Wahlkampf“, bemängelt Sascha Mader, Sprecher des Ausschusses für Bau, Verkehr und Grün. „Mir ist schleierhaft, wie man das umsetzen will. Wo sind denn nach Ansicht der FDP diese Flächen?“ Mader argumentiert dafür, die Gastronomie vor Ort zu unterstützen.

Für eine vielfältige Nachtkultur setze sich auch die Fraktion der Grünen ein, wie Hannah Sassen, Mitglied im Dortmunder Rat, betont. Ihr gehe es darum, dass gerade die jungen Menschen nach dem Verzicht der Pandemie Orte wie den U-Turm als Treffpunkt wahrnehmen können.

Grüne und SPD plädieren für Dialog

„Da diese Treffpunkte für uns nicht auf dem Prüfstand stehen, erscheint uns auch der Vorschlag der FDP nach Pop-up-Partyzonen nicht durchdacht. Die Menschen treffen sich da, wo sie sich treffen wollen, nicht in vorher geplanten und festgelegten Zonen“, meint Sassen.

„Dieser Vorschlag lässt sich nicht so einfach umsetzen, wie der Name fälschlicherweise verspricht. Statt weniger brauchen wir in der Stadt auch in den späten Abendstunden mehr belebte Orte und mehr attraktive Angebote für junge Menschen.“

Die Grünen plädieren für Lösungen, die Anwohner und die Kneipen- sowie Clubszene mit einbezieht. Einen Lösungsansatz sieht die Partei in der neu eingerichteten Institution der Nachtbürgermeister. An diese möchte auch die SPD anknüpfen, um Rücksicht auf Anwohner zu nehmen und Feiern zu garantieren.

Linke: Das ist „Wahlkampfgetöse“

„Die Pandemie hat dazu geführt, dass über Monate ein solches Nachtleben leider nicht stattfinden konnte und viele Menschen dies aber nun einfordern“, erklärt Jan-Joschka Pogadl, Fraktionsgeschäftsführer der SPD. „Wir müssen deshalb Orte schaffen, wo dies möglich ist. Der Antrag der FDP ist ein guter Ansatz, den wir gerne noch weiter denken möchten.“

Die Linke spricht sich für Freiräume aus. „Ein Widerstand der FDP bei drohenden Zerstörungen von Freiräumen für junge Menschen bei Wirtschafts- und Unternehmensinteressen darf stark bezweifelt werden“, meint Thomas Zweier, Mitglied der Fraktion. „Die FDP-Forderung nach Pop-Up-Partyflächen scheint nur Wahlkampfgetöse.“

Eine Anfrage der Redaktion an die AfD zum Thema Partyzonen blieb unbeantwortet.

Der neue Lokalsport-Newsletter für das Münsterland

Immer dienstags und freitags um 18:30 Uhr das Wichtigste aus dem Lokalsport direkt in Ihr E-Mail-Postfach.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.