Stellvertretender Bezirksbürgermeister erklärt seinen CDU-Austritt

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Das ist für viele Politik-Interessierte im Stadtbezirk Brackel ein Hammer: Der stellvertretende Bezirksbürgermeister Ulf Katler ist aus der CDU ausgetreten. Im Interview erklärt er sich.

Brackel

, 26.06.2020, 14:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Der stellvertretende Brackeler Bezirksbürgermeister, Ulf Katler (59), ist aus seiner Partei, der CDU, ausgetreten. Wir haben ihn im Interview zu den Gründen befragt.

Hallo Herr Katler, ich stelle die wichtigste Frage zuerst: Warum sind Sie ausgetreten?

Zurückliegend gab es bereits mehrere Ereignisse, die mich daran haben zweifeln lassen, ob ich in der CDU Dortmund noch richtig bin. Zuletzt hat mich dann aber besonders geärgert, dass keine Beteiligung durch den Stadtbezirksvorstand zur Vorbereitung der Delegiertenversammlung zur Aufstellung der BV-Liste erfolgt ist, laut Satzung war ich als stellvertretender Bezirksbürgermeister sogar stimmberechtigtes Mitglied des Stadtbezirksvorstandes.

Die Spitze des Eisbergs ist allerdings in der Tat die Nichtberücksichtigung eines Wahlvorschlages bezüglich meiner Kandidatur auf der Ratsreserveliste zu den anstehenden Kommunalwahlen. Ich lasse mal dahingestellt, ob dies überhaupt satzungskonform ist, mindestens hätte ich aber eine persönliche Ansprache hierzu erwartet. Deutlicher kann man schon nicht mehr zum Ausdruck bringen, dass jemand verschwinden soll.

Es ist mir unangenehm, jetzt derart nachzukarten. Aber irgendwann fragt man sich, ob man das nach 26 Jahren Parteizugehörigkeit verdient hat.

Was hat man gegen Sie?

In 26 Jahren in der Partei und über 20 Jahren BV-Mitgliedschaft macht man sich eben nicht nur Freunde. Ich muss zugeben, dass ich zwischenzeitlich nicht mehr im Stadtbezirk Brackel gewohnt habe, sondern in Sölde, in dieser Zeit habe ich mich in der Ortsunion Sölde eingebracht. Eigentlich war auch nicht vorgesehen, dass ich wieder in den Stadtbezirk zurückkehre. Seit Dezember wohne ich nun aber wieder hier, also könnte ich auch wieder ein Mandat für den Stadtbezirk Brackel wahrnehmen. Ich musste aber feststellen, dass die Felle bereits geteilt waren, besonders enttäuschend, dass dies ohne Aussprache erfolgt ist.

Das kann aber nicht der alleinige Grund sein.

Unter anderem gibt es jemanden, der wohl immer noch sauer auf mich ist, weil er bei einer früheren Kandidatenkür gegen mich verloren hat und jetzt für Asseln für die Bezirksvertretung nominiert ist. Ich wünsche ihm aber trotzdem viel Erfolg bei der Arbeit für Brackel.

Das klingt ja danach, dass Horst Seehofer recht hat, wenn er sagt, in der Politik habe man keine Freunde.

Auf jeden Fall hat er recht. Aber vielleicht bin ich auch etwas egoistischer geworden in den vergangenen Jahren, ich mache nicht mehr alles mit. Ich war acht Wochen lahmgelegt, weil ich einen durch berufliche Ereignisse bedingten Burnout hatte. Seitdem sage ich nicht mehr zu allem Ja und Amen.

Zur Person

Ulf Katler arbeitet als Hauptkommissar beim LAFP NRW, dem zentralen Bildungsdienstleister der Polizei NRW, und war 26 Jahre CDU-Mitglied. Seit 1999 ist er Mitglied der Bezirksvertretung, seit 2005 stellvertretender Bezirksbürgermeister. Er lebt mit seiner Lebensgefährtin zusammen und hat zwei erwachsene Kinder.

Sie hatten einen Burnout? Dann hat Ihr Aus ja vielleicht für Sie persönlich auch positive Aspekte.

Ja, sicher. Ich bin nachdenklicher geworden, die Zeit in der wir jetzt leben, hat sich nicht zum Positiven verändert, das macht traurig, Vertrauen und Menschlichkeit bleiben oft auf der Strecke. Da ich jetzt bald 60 Jahre alt werde, kann ich auch schon auf die Zeit nach dem Berufsleben schauen, diese Zeit will ich frei von Belastungen erleben. Die zurückliegende Zeit in der Kommunalpolitik war eine schöne Zeit, jetzt wird es aber Zeit nach vorne zu schauen.

Was würden Sie denn als Höhepunkte Ihrer Arbeit für die CDU ansehen?

Ich freue mich besonders darüber, dass es uns ab 2004 gelungen ist, in der Bezirksvertretung Brackel konstruktiv mit allen Parteien zusammenzuarbeiten. Es kommt ja nicht von ungefähr, dass wir zuletzt eine gemeinsame Liste zur Aufstellung des Bezirksbürgermeisters beschlossen haben. Auch die Aktion „9000 Meter am laufenden Band“ mit einer Art Hellweg-Olympiade vor längerer Zeit und die Verstetigung des Gottesdienstes auf dem Kopf der Halde fand ich sehr gelungen.

Sind Sie inhaltlich mit der Arbeit der CDU in Dortmund zufrieden?

Mit allem bin ich nicht einverstanden. Zum Beispiel hat die CDU gesagt, sie wolle auf keinen Fall neue Ampeln an der B1. Dazu muss man aber wissen, dass Ampeln bedeuten würden, dass man weniger Bäume abholzen muss. Das ist doch auch ein wichtiger Aspekt in diesen Zeiten, in denen der Umweltschutz so wichtig geworden ist. Und manchmal könnte sie Beschlüsse vielleicht etwas positiver darstellen und den Menschen gewisse Dinge besser erklären. Beispiel OWIIIa: Dort soll ja kein Betonband gebaut werden. Das wissen aber viele nicht. Es gibt eben gewisse Kompromisse, die man in einer Großstadt eingehen muss. Dennoch: Wenn man nicht an einen Kreisverband gebunden wäre, wäre ich in der CDU geblieben.

Wie geht es politisch für Sie weiter? Treten Sie einer anderen Partei bei?

Nein, erst mal nicht. Jetzt muss ich zunächst zur Ruhe kommen und alles sacken lassen. Ich könnte mir vorstellen, dass ich künftig vielleicht bei bürgerschaftlichen Projekten mitmache.

Wollen Sie noch etwas ergänzen, was wir nicht angesprochen haben?

Abschließend möchte ich die Gelegenheit nutzen, Herrn Dr. Hollstein viel Erfolg bei seiner Wahl zum Oberbürgermeister in Dortmund zu wünschen. Den Verantwortlichen der CDU Dortmund empfehle ich: „Nehmt Euch nicht so wichtig, sprecht mit den Menschen in der Partei und in der Stadt, bevor ihr Entscheidungen trefft.“

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