Stirbt die Evinger Kohlenkirmes?

mlzEvinger Rummel

Der geplante Umbau des Marktplatzes hat Auswirkungen auf die Kohlenkirmes. Organisator Thomas Trosse befürchtet gar das Ende des Rummels. Der Bezirksbürgermeister sieht das gelassener.

Eving

, 19.02.2019, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Kettenkarussell von Schausteller Alwin Kleuser ist auf der Kohlenkirmes ein Fahrgeschäft der ersten Stunde. Es dreht sich seit 38 Jahren auf dem traditionellen Evinger Rummel. Im August könnte es zum letzten Mal in Eving aufgebaut werden. Denn der Cheforganisator und Schausteller Thomas Trosse sieht die Kohlenkirmes in Gefahr. „Sollte der Evinger Marktplatz entsprechend der Nordwärts-Planungen zu einer Parklandschaft umgestaltet werden, ist die Kirmes Geschichte“, sagt Trosse.

Überplanung des Evinger Marktplatzes

Einladend wirkt der Platz derzeit wirklich nicht: grau, parkende Autos, gerissener Asphalt. Seit Jahrzehnten schon spricht die Evinger Politik über eine Verschönerung des Evinger Marktplatzes – und ist Ende letzten Jahres einen großen Schritt weitergekommen. Im Rahmen des Nordwärts-Projektes hat sich die Verwaltung für einen Entwurf des Solinger Büros Gunter Ulrichs-Fischer entschieden. Demnach sollen eine Quartiershalle mit einem Café und einer öffentlich zugänglichen WC-Anlage sowie ein Fontänenfeld entstehen. Die große Freifläche entlang der kleinen Geschäfte wird es dann nicht mehr geben – und somit auch keinen Platz für die großen Fahrgeschäfte der Kohlenkirmes.

Stirbt die Evinger Kohlenkirmes?

Thomas Trosse sieht die Kohlenkirmes vor dem Aus, wenn der Marktplatz umgestaltet wird. © Ostrowski

Thomas Trosse fühlt sich von der Verwaltung im Stich gelassen. „Ich hänge in der Luft, es gibt keine konkreten Aussagen zur Zukunft der Veranstaltung. Hier werden Pläne geschmiedet, ohne an die größte Veranstaltung zu denken, die wir in Eving haben. Hier wird eine 40-jährige Tradition demontiert.“

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Der Evinger Bezirksbürgermeister Oliver Stens wiegelt das ab. Erstens stehe noch gar nicht fest, wann und welche Teile der Pläne umgesetzt werden. Dafür müssten jetzt erst die finanziellen und baurechtlichen Voraussetzungen geschaffen werden. „Zweitens ist uns schon bewusst, dass die Umgestaltung natürlich Auswirkungen auf die Kohlenkirmes haben kann. Die nehmen wir für einen schöneren Marktplatz in Kauf“, sagt Stens. Aber was das genau bedeute, müsse man abwarten.

Chance für den Evinger Rummel?

Der Bezirksbürgermeister sieht in der Marktplatzumgestaltung auch eine Chance für die Kohlenkirmes. Er selbst wolle sich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, aber die Frage aufwerfen, ob das Konzept der Veranstaltung überhaupt noch zeitgemäß sei. Auf die Nachfrage, wie Stens das meine, wollte der Bezirksbürgermeister aber nicht mehr konkret antworten. Nur: Noch gebe es ausreichend Zeit dafür, eine Alternative für die Kohlenkirmes zu suchen. Denn Stens gehe davon aus, dass das Projekt noch auf sich warten lasse. Es sei gut möglich, dass die Kohlenkirmes auch im nächsten Jahr noch in gewohnter Manier stattfinden könne.

Stirbt die Evinger Kohlenkirmes?

Bezirksbürgermeister Oliver Stens: „Uns ist schon bewusst, dass die Umgestaltung Auswirkungen auf die Kohlenkirmes haben kann. Die nehmen wir für einen schöneren Marktplatz in Kauf.“ © Schröter

Und danach? Thomas Trosse findet das zu kurz gedacht. Er selbst stammt aus Eving, kennt sich im Ort aus und sagt: „Hier im Stadtteil gibt es keine Fläche, die die Kohlenkirmes mit Blick auf die Größe und Infrastruktur aufnehmen könnte.“ Innerhalb des Planungsverfahrens sei ihm die Deutsche Straße als Ausweichfläche genannt worden. Für Trosse kein ernst zu nehmender Vorschlag. „Die Straße ist vielleicht zwölf Meter breit. Alleine der Autoscooter misst 18 mal 36 Meter. Andere Fahrgeschäfte sind nicht viel kleiner. Die könnten dann alle gar nicht mehr aufgestellt werden. Will Eving künftig ein abgespecktes Straßenfest oder eine echte Kirmes?“, fragt er. Trosse denke dabei nicht nur an sein eigenes Geschäft. „Ich bin Unternehmer und muss damit rechnen, dass Aufträge wegbrechen. Aber ich denke auch an die Evinger, für die die Kohlenkirmes ein fester Bestandteil im Jahreskalender darstellt.“

Kohlenkirmes könnte in einen anderen Stadtteil ziehen

So wie die Vorzeichen heute stehen, geht Thomas Trosse davon aus, dass es die Kohlenkirmes auf absehbare Zeit in Eving nicht mehr geben wird. Wenn alle Stricke reißen, sagt der Organisator, werde die Veranstaltung unter dem gleichen Namen eben verlagert werden. Dann findet die Kohlenkirmes eben nach 40 Jahren in einem anderen Stadtteil statt.“

das Programm 2019

Fünf Fahrgeschäfte

Geplant ist es, dass die Evinger Kohlenkirmes zumindest in diesem Jahr noch einmal in gewohnter Art und Weise rund um den Evinger Marktplatz stattfindet. Auch das Datum steht fest: Freitag, 9. August, bis Sonntag, 12. August. Das Volksfest feiert an diesen vier Tagen mittlerweile die 40. Auflage und wird gemeinsam vom Evinger Gewerbeverein sowie der Schaustellerfamilie Kleuser/Trosse veranstaltet. Die Verträge mit den Schaustellern sind bereits geschlossen. „Dabei achten wir immer auf eine ausgewogene Mischung. Wir wollen nicht mehrere Stände mit dem gleichen Angebot haben“, sagt Thomas Trosse. Das habe auch damit zu tun, dass sich die Branche im Umbruch befinde und es nicht mehr so einfach sei, Schausteller für Großveranstaltungen zu begeistern. „Wer zu uns auf die Kohlenkirmes kommt, soll anschließend auch zufrieden sein. Das gelte für die Kirmesbesucher ebenso wie für die Schausteller. Zu den für dieses Jahr engagierten 30 Standbetreibern und Schaustellern zählen auch fünf große Fahrgeschäfte. Neben dem traditionellen Kettenkarussell wird es dieses Jahr auch Twister, Autoscooter, Flugsimulator und die Amazonasbahn geben. Dazu kommen zwei Kinderkarussells. Zur Tradition der Kohlenkirmes gehören ein großer Biergarten und eine Bühne mit durchgehendem Programm. Dann werden auch wieder Mister und Miss Kohlenkirmes gesucht.
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