Die 14-jährige Serafine hat unter anderem Autismus. Dadurch kann sie nicht alleine zur Schule gehen. © Sandra Ebel
Menschen mit Behinderung

Streit mit der Stadt: Schülerin seit sieben Monaten nicht im Unterricht

Im September hat die 14-jährige Serafine zum letzten Mal eine Schule von innen gesehen. Nicht nur wegen der Pandemie ist sie seitdem zuhause. Ihr Eltern liegen im Clinch mit der Stadt Dortmund.

Wegen der Pandemie fand dieses Schuljahr eher selten in Präsenz statt. Die 14-jährige Serafine war aber nicht nur wegen Corona seit September nicht in der Schule. Sondern weil die Pflegeeltern mit der Stadt Dortmund im Clinch liegen – und das nicht zum ersten Mal.

Bereits 2018 wandte Sandra Ebel sich an die Ruhr Nachrichten. Damals war ihre Pflegetochter Serafine, die sie im Alter von drei Jahren bekommen hat, ebenfalls seit Monaten nicht in der Schule. Stadt und Pflegeeltern kämpften damals vor Gericht darum, wer das Schul-Taxi bezahlen muss. Den Prozess gewann die Familie.

Dieses mal geht es wieder um den Schulalltag. Denn die Förderschülerin braucht nicht nur ein Taxi, sondern auch eine Integrationshelferin. Serafine hat mehrere Behinderungen, unter anderem wurden Autismus, ein Gen-Defekt und das Fetale Alkohol-Syndrom (FHAD) bei ihr diagnostiziert.

Durch den Autismus ist sie bindungsgestört. Auf große Menschenmengen reagiert sie dann schon mal mit Aggressionen. „Aber nicht, weil sie ein aggressiver Mensch ist, sondern weil sie sich nicht anders ausdrücken kann“, stellt ihre Pflegemutter klar.

Krankenwagen sollte sie in Psychiatrie bringen

Das passierte unter anderem im September 2020. Danach kündigte die Integrationshelferin der Familie. Danach wurden die Probleme größer: „Ständig rief die Schule an, dass Serafine auffällig sei und sie deswegen abgeholt werden muss“, sagt Ebel. Beide Elternteile arbeiten in der Pflege, Serafines Brüder sind in der Ausbildung, sie mal eben abholen – nicht möglich.

Also ließ Sandra Ebel es eines Tages drauf ankommen. Sie erklärt, dass sie Serafine nicht abholen kann. Daraufhin rief die Schulleitung einen Krankenwagen. „Der sollte sie in die Psychiatrie bringen. Ich habe dem Sanitäter dann am Telefon erklärt, dass er sie nicht mitnehmen soll“, so die Pflegemutter.

IQ schwankt je nach Entwicklungsgrad

Die Herbstferien verbrachte die 14-Jährige daraufhin in der Klinik für Kinder mit Beeinträchtigungen in Unna-Königsborn. Dort wurde ein neues Gutachten erstellt. Unter anderem heißt es darin, dass Serafine einen IQ von 75 hat. Und auch, dass die Jugendliche eine Integrationsfachkraft braucht.

„Die Ausbildung zum Integrationshelfer kann jeder machen, der will. Eine Fachkraft ist aber ein Pädagoge“, erklärt Sandra Ebel. Und damit beginnen die Schwierigkeiten mit der Stadt. Denn in der Entwicklung schwankte Serafines IQ, weswegen die Zuständigkeit nach jedem Gutachten wechselt.

Auf Anfrage erklärt die Stadt Dortmund: „Liegt eine körperliche und/oder geistige Behinderung des Kindes vor, ist der LWL für die Leistungen der Eingliederungshilfe für Kinder und Jugendliche mit Behinderung in Pflegefamilien zuständig. (…) Bei einem IQ Wert unter 70 spricht man von einer geistigen Behinderung“, so Pressesprecherin Anke Widow.

So ganz ist dadurch nicht geklärt, wer nun zuständig ist: „Die Wechsel von Zuständigkeiten der Rehabilitationsträger sind gesetzlich vorgeschrieben und bei Änderungen einer Erkrankung und/oder Behinderung leider unvermeidbar“, so Widow weiter. So lange wird die Familie vom Jugendamt betreut.

Familie kümmert sich selber um Integrationshelfer

Seit sieben Monaten geht es nun darum, jemanden zu finden, der Serafine auf Dauer begleitet.

Inzwischen kümmern die Eltern sich selber um eine Integrationskraft. Eine Option gibt es dabei bereits. Bis zu den Sommerferien ist einmal die Woche der familienunterstützende Dienst nach der Schule gekommen. Die Frau kennt Serafine, kann das Mädchen einschätzen und sich durchsetzen.

Die Integrationshelferin wäre auch bereit, die Aufgabe zu übernehmen. Sandra Ebel hat die Frau auch schon bei der Stadt vorgeschlagen. Das steht noch in der Klärung. Bis dahin hat Familie Ebel erstmal eine andere Lösung gefunden. Einer der Söhne kann im Moment mit Serafine zur Schule gehen.

Über die Autorin
Freie Mitarbeiterin
1993 in Werne geboren. Habe Geschichte und Religionswissenschaften an der Ruhr-Uni Bochum studiert. Seitdem ich 15 bin bei Lensing Media: Angefangen in der Lokalredaktion Werne, inzwischen fast nur noch als Freie Mitarbeiterin in der Stadtredaktion Dortmund.
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Verena Schafflick

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