Streit um Kastrationspflicht: Katzenschützer drohen jetzt der Stadt

mlzKommunalpolitik

Ob die Kastrationspflicht für Katzen im vierten Anlauf durchkommt, ist auch nach der Sitzung des Bürgerdienste-Ausschusses noch immer nicht entschieden. Nun stehen Drohungen im Raum.

26.09.2019, 06:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Geduld ist eine Tugend, die Katzenschützer in Dortmund brauchen. Sie mussten auf der Zuschauertribüne im Ratssaal fast drei Stunden warten, bis die Politiker im Bürgerdienste-Ausschuss sich am Dienstag (24.9.) mit der seit 2012 angestrebten Kastrationspflicht für Katzen befassten – als vorletzten Punkt auf der Tagesordnung.

Die Politik hatte zwar bereits im letzten Jahr eine Kennzeichnungs- und Kastrationspflicht für freilaufende Katzen im Grundsatz beschlossen, und der Katzenschutzverein hatte geforderte Zahlen zum Katzenelend nachgereicht.

Doch die Stadtverwaltung sieht nach wie vor keine Möglichkeit, eine rechtssichere Katzenschutzverordnung zu erlassen. Das teilten Rechtsdezernent Norbert Dahmen und Ordnungsamtschefin Beate Siekmann dem Bürgerdienste-Ausschuss mit. Solch eine Verordnung gibt es allerdings bereits in mindestens 767 deutschen Städten und Gemeinden - auch in Dortmunds Nachbarschaft.

„Bodenlose Frechheit“

„Das ist doch eine bodenlose Frechheit“, schimpfte Erika Scheffer, langjährige Vorsitzende des Dortmunder Tierschutzvereins, auf der Zuschauertribüne. Auch die Vertreter des Katzenschutzvereins können die Argumente der Verwaltung nicht nachvollziehen.

Mehr als die Hälfte der 266 wild lebenden Katzen, die im Jahr 2018 vom Katzenschutzverein eingefangen wurden, waren krank, verletzt oder unterernährt.

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Die Verwaltung hatte angeführt, dass diese Zahlen nicht ausreichten, um mit einer Satzung gegen das Tierleid zu reagieren.

Das entsteht durch Überpopulation, wenn sich unkastrierte, freilaufende Besitzerkatzen mit wild lebenden Katzen paaren. Tierschutz- und Katzenschutzverein wollen die Katzenschutzverordnung, um die Besitzer der Freigänger-Katzen in die Pflicht zu nehmen.

Tierheimzahlen nicht berücksichtigt

Der Bürgerdienste-Ausschuss wollte die Vorlage der Ordnungsverwaltung am Dienstag nicht einfach so zur Kenntnis nehmen. Stattdessen hatte die SPD-Fraktion Fragen an die Verwaltung.

Unter anderem wollte sie wissen, warum nur die Daten des Katzenschutzvereins berücksichtigt wurden und nicht auch die Fallzahlen des städtischen Tierheims.

„Dabei sind auch das genau die Tiere, um die es geht“, sagt Michael Jann, Vorsitzender des Katzenschutzvereins. Auch die mehr als 100 Totfunde in einem Jahr zeigten, welche Population dahinter stecke.

Streit um Kastrationspflicht: Katzenschützer drohen jetzt der Stadt

Mit mehr als 70 Plakaten wirbt der Dortmunder Tierschutzverein, unterstützt von der Firma Stroer, für die Einführung einer Kennzeichnungs- und Kastrationspflicht für freilaufende Katzen in Dortmund. © Dortmunder Katzenschutzverein

Ob die Verwaltung nicht die letzte Novellierung des Tierschutzgesetzes von Juli 2013 in ihre Bewertung einbezogen habe, will die SPD wissen. Auch die Bundesregierung habe bereits im Jahr 2018 darauf hingewiesen, dass immer mehr Kommunen eine Verordnung zur Kastrationspflicht erlassen.

Berlin begrüße ausdrücklich Initiativen zur Kastration und tierärztlichen Versorgung von herrenlosen Katzen.

Entscheidung vertagt

Rüdiger Schmidt (SPD) stellte die Frage an Rechtsdezernent Dahmen, warum in keiner der anderen über 700 Gemeinden, die eine Verordnung erlassen haben, diese von höherer Instanz wieder eingezogen wurde. Der Ausschuss verständigte sich darauf, vor einer Entscheidung auf die Antworten der Verwaltung zur nächsten Sitzung zu warten.

Sollte die Katzenschutzverordnung nicht zustande kommen, erwägt der Katzenschutzverein, das Einfangen unkastrierter, wild lebender Katzen einzustellen, kündigt Jann an. „Wir haben ohnehin viel mehr Anfragen, als wir bewältigen können. Doch wir werden dann die Leute, die sich an uns wenden, direkt zum Veterinäramt schicken.“

Die Ironie dabei: Genau dieses Amt habe im letzten Jahr den Katzenschutzverein angefordert, herrenlose Katzen einzufangen. „Wir haben auch die Kosten übernommen“, sagt Jann. Die Verwaltung bediene sich des Katzenschutzvereins und seiner Spender, „will uns aber nicht helfen, noch handlungsfähiger zu sein.“

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