Streit um Schulunterricht in Corona-Zeiten spitzt sich zu

mlzCorona und Schule

Die Stadt Dortmund fordert ein Stufenmodell für den Schulunterricht, um auf steigende Corona-Infektionen reagieren zu können. Im Streit mit dem Land gibt es dafür viel Unterstützung.

Dortmund

, 11.11.2020, 15:51 Uhr / Lesedauer: 2 min

Geteilte Klassen und wechselweise Unterricht vor Ort und Zuhause - das sieht das sogenannte „Solinger Modell“ als Reaktion auf steigenden Corona-Fälle vor. Doch das Land NRW hat das Experiment der Stadt Solingen gestoppt.

„Hybrider Unterricht“, also eine Mischung aus Präsenz- und Distanzunterricht über digitale Medien, solle nur in Einzelfällen in Schulen erlaubt werden, etwa dann, wenn aufgrund von Personalausfällen Präsenzunterricht nicht mehr möglich ist, gibt Dortmunds Schuldezernentin Daniela Schneckenburger (Grüne) die Haltung von NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) wieder. Es habe dazu in einer Telefonkonferenz mit Vertretern der Städte und des Ministeriums eine „lebhafte Debatte“ gegeben, berichtete Schneckenburger.

„Keine taugliche Lösung“

Die Dortmunder Meinung ist dabei klar: „Wir halten das Vorgehen des Landes aus Dortmunder Sicht für keine taugliche Lösung, die auf zunehmende Infektionszahlen antwortet“, sagte Daniela Schneckenburger - nicht zuletzt vor dem Hintergrund, dass auch die Infektions- und Quarantänefälle an Schulen in Dortmund drastisch gestiegen sind.

Daniela Schneckenburger erneuerte deshalb die Forderung nach einem Stufenmodell zwischen Präsenz- und Distanzunterricht. Es soll Anpassungen des Unterrichts je nach Inzidenzlage ermöglichen, erklärt die Schuldezernentin.

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Als Beispiel führt sie das Land Hessen an. Das Konzept dort hat vier Stufen und sieht ab Stufe 3 einen Hybrid-Unterricht wie im „Solinger Modell“ und in der letzten Stufe einen reinen Distanzunterricht vor. „Das müsste auch in NRW möglich sein“, sagte Schneckenburger.

Beschwerden über volle Busse und Bahnen

„Das Stufenmodell würde Klarheit und Sicherheit schaffen - und auch die Schülerverkehre entlasten“, stellte die Dezernentin mit Blick auf Beschwerden über überfüllte Busse und Bahnen zu Stoßzeiten fest.

Mit ihrer Forderung steht die Stadt nicht allein. Im Landtag kritisierten SPD und Grüne am Mittwoch die Ablehnung des Solinger Modells durch die Landesregierung. Der Kritik schließen sich auch der NRW-Städtetag und die Landeselternkonferenz als Dachverband der Stadt- und Kreis-Schulpflegschaften an.

Es würden dringend Stufenkonzepte benötigt, „die Schutz, Bildung, Betreuung und Förderung auch bei steigenden Infektionen ermöglichen“, heißt es in einem offenen Brief der Landeseltern an Schulministerin Gebauer. Die Elternvertreter beklagen Unsicherheit in den Schulen und einen Vertrauensverlust in die Landespolitik, weil viele Versprechungen nicht eingelöst worden seien und widersprüchliche Regelungen getroffen wurden.

Dass das Land lediglich Vollbetrieb ohne Rücksicht auf das aktuelle Infektionsgeschehen oder Schulschließungen mit reinem Distanzunterricht zulasse, stehe im Widerspruch zu den Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts (RKI), heißt es in dem Schreiben. „Viele Eltern wollen es nicht länger hinnehmen, dass sie sich im eigenen Leben einschränken müssen, während für Schulen die RKI-Regeln nicht gelten sollen und unter Umständen sie dadurch gefährdet werden.“ Die Elternvertretung forderte einen Bildungsgipfel, auf dem gemeinsam Regelungen vereinbart werden sollen.

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Die Stadt hat derweil auf andere Art auf die steigenden Infektionszahlen reagiert. Wie angekündigt, beschloss der städtische Krisenstab auf Wunsch der Schulverwaltung, dass kein Sport- und Schwimmunterricht mehr in städtischen Hallen stattfindet. Die Regelung soll Woche für Woche überprüft werden, kündigte Daniela Schneckenburger an.

Nachtrag: Die Information über die Schließung der Sporthallen beruht auf einem Missverständnis in der Kommunikation mit der Stadt. Denn der Beschlussvorschlag ist offenbar modifiziert worden. Die städtischen Sporthallen können demnach weiter für Schulunterricht genutzt werden - außer für Kontaktsport. Geschlossen sind die Schwimmbäder.

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