Stress im Dortmunder Streichelzoo – rücksichtslose Besucher treten Tiere tot

mlzTierquälerei im Zoo

Nicht nur gucken, sondern anfassen darf man in Streichelzoos. Im Dortmunder Zoo sorgen immer wieder Besucher für Stress – mehr als ein Dutzend zahme Tiere starben in den vergangenen Jahren.

Dortmund

, 03.04.2019, 15:35 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eigentlich ist der Dortmunder Streichelzoo geschütztes Gelände. Haustiere und Menschen können sich hier näherkommen und Tuchfühlung zueinander aufnehmen. Zugegeben, die Ziegen werden schon mal rabiat, wenn sie sich auf das Automatenfutter meist in den Händen von Kindern stürzen, doch unter den Besuchern gibt es Menschen, die sind um einiges rabiater.

Ziegen werden geschlagen, Enten mit Steinen beworfen und Wachteln totgetreten. Innerhalb der letzten fünf bis sechs Jahre seien 14 Tiere im Zoo durch Menschenhand tödlich verletzt worden, berichtet Zoodirektor Dr. Frank Brandstätter. „Wenn sich das weiter zuspitzt, müssen wir über die Schließung des Streichelzoos nachdenken.“

Nur im Streichelzoo ist Füttern erlaubt

Das wäre umso trauriger, da der Streichelzoo ein Publikumsmagnet vor allem für die kleinen Besucher ist. Kinder haben hier Gelegenheit auszuprobieren, wie sich zum Beispiel das Fell einer lebenden Ziege oder die Federn einer Ente anfühlen. Der Streichelzoo ist auch der einzige Ort im Zoo, wo das Füttern der Tiere erlaubt ist. Allerdings nur mit Futter aus dem Automaten.

Die Zutraulichkeit der Tiere im Streichelzoo macht sie zu beliebten Fotomotiven. Doch das führe auch dazu, dass manche Menschen versuchten, sie für ein Handyfoto zu positionieren, berichtet Dr. Brandstätter. Weil die Tiere nicht immer so wollten wie die Menschen, komme es vor, dass die Besucher ihre Fotomotive anschreien oder gar mit Steinen nach ihnen werfen, so Brandstätter. „Das ist Tierquälerei. Wir hoffen darauf, dass andere Besucher uns das melden, wenn sie so etwas beobachten.“

Auch andere Zoos haben das Problem

Der Dortmunder Zoo steht mit diesem Problem nicht allein da. So mussten auch schon andere Zoos oder Tierparks ihren Streichelzoo schließen, weil Kinder die Ziegen dort nicht fütterten oder streichelten, sondern ihre Aggressionen an ihnen ausließen. Vor knapp einem halben Jahr haben Jugendliche im Streichelzoo am Big Tipi im Fredenbaum ein Huhn ertränkt und ein Schaf mit einem Feuerlöscher solange besprüht, bis es am Schaum erstickte. Ein Fall, der Empörung auslöste und für Aufregung sorgte.

Die Mehrzahl der Besucher verhalte sich anständig, betont der Zoodirektor, „die wenigen, die sich nicht an die Regeln halten, sind das Problem.“ Diese Besucher hätten auch keine Hemmungen mehr, die Wegbegrenzungen zu verlassen und selbst durch die bepflanzten Flächen in den Tierhäusern zu laufen.

„Panzersperre“ vor dem Leopardengehege

Manche Besucher sind sogar so weit gegangen, dass sie ihre Kinder durch das Gitter einen Leoparden streicheln lassen wollten. Das führte dazu, dass bereits im Frühjahr vergangenen Jahres eine „Panzersperre“ vor das Leopardengehege aufgestellt wurde. Brandstätter: „Wir haben jahrelang dafür gekämpft, einen möglichst gitterlosen Zoo zu haben.“ Jetzt müsse man wieder aufrüsten, zum Schutz der Tiere und der Menschen.

Stress im Dortmunder Streichelzoo – rücksichtslose Besucher treten Tiere tot

Weil Besucher ihre Kinder die Finger durch das Leopardengehege stecken ließen, hat der Zoo bereits im Frühjahr des letzten Jahres eine schwere Metallsperre vor das Gehege setzen lassen. © Schaper

Auch der Umgangston gegenüber Zoomitarbeitern habe sich geändert, hat Brandstätter beobachtet. Wenn sich früher ein Tierpfleger in seinem grünen Arbeitsanzug mit dem Emblem des Dortmunder Zoos genähert habe, hätten die Besucher gleich von unerlaubtem Tun abgelassen. Wenn Besucher heute vom Personal aufgefordert würden, wieder zurück hinter die Zaunbegrenzung zu treten, müssten sich Tierpfleger schon mal Unflätiges und auch verbale Drohungen anhören. Der Zoodirektor: „Das ist das völlige Ignorieren von Regeln und Anstand. Aber das ist ein gesamtgesellschaftliches Problem und betrifft nicht allein den Zoo.“

Der Streichelzoo ist täglich von 10 bis 12 Uhr und von 14 bis 16 Uhr geöffnet.
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