Eine Studie sagt, dass Dortmund der Top-Standort für Startups in Deutschland ist. Junge Unternehmen fühlen sich in Dortmund also besonders wohl - wie Gründer Nils Freyberg (l.) und Marketing-Spezialist Tiado Janis Pieperhoff von der Cropfiber GmbH auf Phoenix West. © Schaper
Firmengründungen

Studie sagt: Dortmund ist der Top-Standort für Startups in Deutschland

Laut einer Studie ist Dortmund in ganz Deutschland der Top-Standort für Firmengründungen – vor Hannover, vor Karlsruhe, sogar vor Berlin. Es wurden überraschende Kriterien zugrundegelegt.

Vor fast genau zwei Jahren hat Nils Freyberg sich selbstständig gemacht und seine eigene Firma, die Cropfiber GmbH, gegründet. Der Wirtschaftsingenieur wollte mit einem ganz auf Nachhaltigkeit und Innovation getrimmten Unternehmen durchstarten.

„Hobbymäßig“, so sagt der 29-Jährige, „hatte ich für Autos eine Dachbox aus Naturfasern entwickelt, die ich dann unter dem Markennamen Asphaltkind auf den Markt gebracht habe.“ Bereut hat er das bis heute nicht. Aus dem Ein-Mann-Unternehmen ist mittlerweile an der Carlo-Schmid-Allee 3 auf Phoenix West ein vierköpfiger Betrieb geworden.

„Für mich kam als Dortmunder Kind nichts anderes infrage, als mein Unternehmen in Dortmund zu gründen. Aber es ist auch so, dass man im Ruhrgebiet eine dichte Hochschullandschaft vorfindet. Ich stelle fest, dass das Interesse an einem Wissenstransfer seitens der Universitäten, Fachhochschulen oder auch von Instituten wie dem Fraunhofer-Institut durchaus da ist, wenn man den Wissenstransfer braucht. Und gleichzeitig gibt es auch eine Dichte an Studenten und Hochschulabsolventen, sodass man auch gut Fachkräfte findet“, sagt Nils Freyberg.

Studie berücksichtigt Anzahl der Anfragen bei Google

Die von ihm nach vorne gestellte Hochschuldichte spielt zwar in der Studie von „Weltsparen“, einer Online-Plattform für die Geldanlage, keine Rolle, sie kommt aber auch ohne dieses Pfund zu dem Ergebnis, dass Dortmund zum Gründen der Top-Standort in ganz Deutschland ist.

Auf der Grundlage von Faktoren wie der Einwohnerzahl pro Stadt, der Anzahl der Suchanfragen bei Google für „Wie gründet man ein Unternehmen?“, der Durchschnittsmiete für Büroräume sowie dem Bruttoinlandsprodukt in dem jeweiligen Bundesland wurden 76 deutsche Städte untersucht, um herauszufinden, welcher Standort am gründerfreundlichsten ist.

Unter dem Namen „Asphaltkind“ stellen Nils Freyberg (r.) und sein Marketing-Mitarbeiter Tiado Janis Pieperhoff bei Cropfiber GmbH in Dortmund Dachboxen aus Naturfaser her. Der Werkstoff ist besonders leicht und wird CO2-neutral hergestellt.
Unter dem Namen „Asphaltkind“ stellen Nils Freyberg (r.) und sein Marketing-Mitarbeiter Tiado Janis Pieperhoff bei der jungen Cropfiber GmbH Dachboxen aus Naturfaser her. © Schaper © Schaper

Und siehe da: Die Spitze des Rankings belegt nicht etwa Deutschlands Hauptstadt Berlin (Platz 21) und auch nicht Hamburg (Platz 16) oder München (Platz 9), sondern Dortmund. Dortmund ist mit 100 von 100 möglichen Punkten laut der „Weltsparen“-Studie der beste Standort für die Gründung eines Unternehmens. „Hier genießen“, so heißt es in der Pressemitteilung zu der Studie, „Gründerinnen und Gründer eine hohe Lebensqualität und moderate Lebenshaltungskosten. Die Durchschnittsmiete für Büroräume liegt hier bei 388 Euro pro Monat/Arbeitsplatz.“

Dortmund bietet bundesweiten Gründerwettbewerb „Start2grow“

„Das kommt hin“, sagt Nils Freyberg und erklärt, dass unter anderem aus diesem Grund das Gründen in Dortmund attraktiv ist: „Besonders am Anfang versucht man, die Kosten möglichst gering zu halten. Durch den Einzug in das Zentrum für Produktionstechnologie, eines der Dortmunder Technologiezentren, können wir uns nach und nach vergrößern.“

Natürlich freut man sich bei der städtischen Wirtschaftsförderung, wo man seit 20 Jahren mit der Initiative „Start2grow“ Geschäftsideen unterstützt, über das Super-Abschneiden bei der „Weltsparen“-Studie. Man verweist auf eine Vielzahl von Akteuren mit ineinandergreifenden Themen, Angeboten und Aktivitäten, die das Gründungsökosystem in Dortmund vereine.

Andrea Schubert, die Leiterin vom „Team Gründen“ bei der Wirtschaftsförderung nennt neben den Hochschulen als Ideengeber und Keimzelle vieler Startups noch folgende Beispiele:

  • Die Sparkasse Dortmund sei mit den „Seed Capital Fonds“ ein wichtiger Partner zur Finanzierung der Startups,
  • das Technologie-Zentrum Dortmund und die unterschiedlichen Kompetenzzentren seien „wesentliche Orte und Knotenpunkte im Ökosystem für unsere technologischen Gründungsteams“,
  • das Starter-Center NRW, bei dem man gemeinsam mit der Industrie- und Handelskammer (IHK) und der Handwerkskammer intensiv zusammen arbeite und darüber hinaus die Startups mit den etablierten Unternehmen in der Region vernetze.

Gastronomische Geschäftsideen werden gerade gesucht

„Für uns als Wirtschaftsförderung“, sagt Andrea Schubert, „ist es wichtig, soziale wie technologische Innovationen und Gründungs-Knowhow zusammenzubringen und die Vernetzung der Gründerinnen und Gründer zu fördern. Wir als ‚Team Gründen‘ bei der Wirtschaftsförderung unterstützen dabei nicht nur technologische Startups, sondern seit einigen Jahren auch Gründer mit sozialen und ökologischen Ideen oder aktuell ja auch Gründer mit gastronomischen Geschäftsideen in dem Gründungswettbewerb Geschmackstalente.“

Ob Dortmund wirklich für Startups die Nummer eins unter den deutschen Städten ist, mag man so bei der IHK nicht sagen. „Ich kenne die Studie nicht, aber die Tendenz passt durchaus“, sagt Dominik Stute, Leiter des Referats Innovation, Industrie, Internationale Netzwerke bei der IHK zu Dortmund.

Der Experte führt den Deutschen Startup Monitor 2020 an, in dem die Metropolregion Rhein-Ruhr als absoluter Gründungs-Hotspot aufgeführt ist. Rein zahlenmäßig verteilen sich danach die meisten Startups in Deutschland auf Nordrhein-Westfalen und Berlin.

Industrie interessiert sich in Dortmund für Startups

Dass speziell in Dortmund aber die Firmengründungen zunehmen, kann Dominik Stute nicht bestätigen. Es sei aber definitiv so, dass das Gründungsinteresse trotz Corona gleichbleibend hoch geblieben sei und kein Einbruch zu verspüren war, so der IHK-Mann.

„Was Dortmund vor allem auszeichnet“, sagt Dominik Stute, „ist die Verzahnung von Wirtschaftsförderung, Hochschulen, Fraunhofer Institut und IHK. Der Austausch zeichnet den Standort aus, das merken auch die Startups. Und die Industrie hier hat Interesse an Startups. Die Unternehmen treten sowohl als Kunden als auch als Investoren auf. Das fehlt in Berlin. Auch die Hochschuldichte gibt es dort so nicht und die Wohnungsmieten sind in Berlin zu hoch. Deshalb sind Dortmund und die Rhein-Region für Gründer inzwischen attraktiver.“

Der Werkstoff Naturfaser, den Nils Freyberg (r.) und Tiado Janis Pieperhoff aus Dortmund hier zeigen, ist besonders leicht und wird CO2-neutral hergestellt.
Der Werkstoff Naturfaser, den Nils Freyberg (r.) und Tiado Janis Pieperhoff hier zeigen, ist besonders leicht und wird CO2-neutral hergestellt. © Schaper © Schaper

Er verweist beispielsweise auf EBM-Papst, einen süddeutschen Hersteller von Ventilatoren, der jetzt im Technologiezentrum mit der EBM-Papst Neo GmbH & Co. KG einen neuen Standort für Forschung und Entwicklung eröffnet hat. „Und die größte Erfolgsgeschichte eines hiesigen Startups“, sagt Dominik Stute, „ist sicher die des Mobilitätssoftware-Anbieters Fleetbird, der 2017 von Berlin nach Dortmund gekommen ist und heute einen Unternehmenswert von mehreren Millionen Euro hat.“

Firmengründer sagt: „Leichtbauteile werden gefragt sein“

Davon ist Nils Freyberg mit seiner Cropfiber GmbH noch etwas entfernt. Doch wer weiß: Mit der Dachbox „Asphaltkind“ aus Naturfaser hat sich der Leichtbau-Experte bereits einen Namen gemacht. „CO2-neutraler Leichtbau ist für viele Bereiche interessant“, sagt Nils Freyberg.

So hätten süddeutsche Autohersteller schon angefragt, ob man die Naturfaser nicht auch für Seitenspiegelkappen oder Fronthauben einsetzen könne. „Wir arbeiten daran und lernen gerade, immer besser mit dem Werkstoff Naturfaser als Verstärkung für Kunststoffe umzugehen. Im Moment wird bei den Automobilherstellern durch die aktuellen Lieferprobleme bei den Halbleitern das Innovative hintenangestellt. Aber Leichtbauteile werden bald gefragt sein. Denn je leichter ein Auto ist, desto weniger Energie braucht es. Und der Werkstoff Naturfaser ist obendrein CO2-neutral“, sagt Nils Freyberg.

„Welt-Innovationszentrum“ soll auf Phoenix West entstehen

Energieeffizienz und Klimaneutralität sind die Zukunftsthemen der Wirtschaft. Darauf kann der Jungunternehmer setzen. Und das an einem Standort, der vielleicht einer der spannendsten in ganz Deutschland wird. Unter dem Namen „The Fourth Wave“ („Die vierte Welle“) sollen auf dem 160 Jahre alten Industrieareal Phoenix West in Hörde ein modernes Wirtschaftsquartier sowie ein „Welt-Innovationszentrum“ entstehen, wie Oberbürgermeister Thomas Westphal sagt.

Nils Freyberg hört das gerne und träumt auch davon, seine Produktion dereinst in dem ehemaligen Schalthaus einzurichten. „Es passiert hier einiges und das beflügelt die Fantasie. Aber gut ist das nur, wenn auch die Preise günstig bleiben“, sagt er.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Nach mehreren Stationen in Redaktionen rund um Dortmund bin ich seit dem 1. Juni 2015 in der Stadtredaktion Dortmund tätig. Als gebürtigem Dortmunder liegt mir die Stadt am Herzen. Hier interessieren mich nicht nur der Fußball, sondern auch die Kultur und die Wirtschaft. Seit dem 1. April 2020 arbeite ich in der Stadtredaktion als Wirtschaftsredakteur. In meiner Freizeit treibe ich gern Sport: Laufen, Mountainbike-Fahren, Tischtennis, Badminton. Außerdem bin ich Jazz-Fan, höre aber gerne auch Rockmusik (Springsteen, Clapton, Santana etc.).
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Peter Wulle

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