Studenten in Dortmund drohen Mängel in Wohnheimen und geschlossene Mensen

mlzHochschulen

Das Studierendenwerk in Dortmund geht finanziell auf dem Zahnfleisch. Die landeseigene Anstalt kritisiert das Land NRW scharf. Für Mensabetrieb, Wohnheime und Co. sind die Aussichten düster.

Dortmund

, 09.01.2020, 04:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Studierendenwerk ist die Anlaufstelle Nummer eins für viele Fragen rund um die Hochschulen in Dortmund: Bafög, Mensa oder Wohnheim - die landeseigene Anstalt stellt viele Angebote zur Verfügung. Doch das Team kritisiert die Landesregierung scharf.

Es geht ums Geld: „Das Land zieht sich aus seiner Verantwortung immer weiter zurück“, ist in einer aktuellen Pressemitteilung zu lesen. Im Haushaltsplan 2020 gebe es eine finanzielle Nullrunde: „Dabei bräuchten die Studierendenwerke dringend eine massive Erhöhung der Zuschüsse, um weiterhin ihre gesetzlichen Aufgaben dauerhaft erfüllen zu können.“

Während die Studierendenzahlen und Sozialbeiträge (der Betrag, den Studierende pauschal zahlen müssen) bereits 2018 einen Höchststand erreicht haben, stagniere der „Allgemeine Zuschuss“ des Landes nahezu auf dem Niveau von 1994. Seitdem sei die Zahl der Studenten um mehr als 230 Prozent gestiegen - und sie müssen mehr als fünfmal so viel selbst für das Studierendenwerk zahlen als damals.

Jörg Lüken, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Studierendenwerke NRW, sagt: „Nur die Kombination aus stark steigenden Sozialbeiträgen und Studierendenzahlen hielten die Studierendenwerke in den vergangenen 25

Jahren finanziell über Wasser. Die Studierenden und nicht das Land haben den finanziellen Ausgleich geleistet.“ Das werde zukünftig so nicht funktionieren.

Der Semesterbeitrag liegt bei mehr als 300 Euro

Für das kommende Jahr sei eine kleine Anpassung des Landeszuschusses angekündigt. Doch diese Erhöhung kann aus Sicht der Studierendenwerke nur ein Einstieg in eine nachhaltige und aufgabengerechte Grundfinanzierung sein. Dies dürfte jedoch, wenn es kein Einlenken der Politik gebe, ein frommer Wunsch bleiben.

Inzwischen liegt der Beitrag pro Semester bei mehr als 300 Euro - nur, um an einer Hochschule immatrikuliert zu sein, inklusive ÖPNV-Ticket und weiteren Ausgaben, aber ohne Wohnheimmiete. Knappe studentische Geldbeutel seien sehr stark belastet, ist in der Mitteilung zu lesen.

Jetzt lesen

Vom Studierendenwerk Dortmund heißt es: „Es droht durch diese fortwährende Unterfinanzierung in den nächsten Jahren ein erheblicher finanzieller Mangel. Und den Studierenden drohen weitere Preiserhöhungen und insbesondere Leistungseinschränkungen.“

„Ohne weitere finanzielle Mittel müssen die Studierenden mit immer schlechter ausgestatteten Wohnanlagen leben“, sagt Sprecherin Petra Mikolajetz: „Ein Sanierungsstau droht.“

Gesetzlicher Auftrag „nahezu unrealisierbar“

Und mehr: Auswahl und Öffnungszeiten der Mensen und Cafeterien seien gefährdet. „Nahezu unrealisierbar“ seien jetzt schon soziale oder kulturelle Angebote - ein Auftrag, den das Studierendenwerk eigentlich per Gesetz erhalten hat.

Jetzt lesen

Das NRW-Wissenschaftsministerium vermeidet die Antwort auf die Frage, ob der Landeszuschuss ausreiche, um die Arbeit des Studierendenwerks zu sichern. Stattdessen heißt es auf Anfrage: „Die Studierendenwerke finanzieren sich vor allem aus den Sozialbeiträgen der Studierenden, den Umsätzen aus der Hochschulgastronomie sowie einem Landeszuschuss.“ Letzterer mache derzeit rund zehn Prozent der Finanzierung aus.

Sprecherin Carolin Marienfeld verweist auf die Erhöhung im kommenden Jahr und darauf, dass die Werke eigenverantwortlich wirtschaften. Auf den Vorwurf, das Land ziehe sich aus seiner Verantwortung zurück, geht sie in ihrer schriftlichen Antwort nicht ein.

Lesen Sie jetzt