Die Evakuierung in der Nordstadt läuft - auch mit Unterstützung der Polizei. © Peter Wulle
Bilanz der Stadt

Stundenlange Evakuierung in der Nordstadt „absolut im Normalbereich“

Die Evakuierung am Montagabend im Borsigplatz-Viertel stellte die Stadt- Verantwortlichen vor besondere Herausforderungen. Sie sagen: Lautsprecher-Durchsagen hätten das Ganze sogar noch verlängern können.

Fast viereinhalb Stunden dauerte die Evakuierung von Teilen des Borsigplatz-Viertels am Montagabend (2.8.). 3000 Bewohner mussten ihre Wohnungen wegen der Entschärfung eines Bomben-Blindgängers auf dem Westfalenhütten-Gelände nahe der Dürener Straße verlassen und konnten erst gegen 2 Uhr in der Nacht zurückkehren.

Ungewöhnlich lange dauerte die Evakuierung nach Ansicht der Organisatoren allerdings nicht.

Die Dauer der Evakuierung von rund vier Stunden bewege sich bei einem Spontan-Fund wie dem am Montag, der nötigen kurzfristigen Planung und der mit 3000 Anwohnern hohen Zahl an Betroffenen „absolut im Normalbereich“, erklärte Stadtsprecher Maximilian Löchter am Mittwoch (4.8.) auf unsere Anfrage vom Vortag.

„Auch wenn wir wissen, dass die Uhrzeit unangenehm war. Es musste sofort entschärft werden, das war alternativlos“, führt Löcher aus. Aber die Bevölkerung habe „super mitgemacht“. „Dafür möchten wir uns bedanken. Wäre dies nicht der Fall gewesen, hätte es weitaus länger gedauert. Eine Entschärfung zu einem späteren Zeitpunkt war nicht möglich“, so der Stadtsprecher.

Dass es unter den zu evakuierenden Häusern sogenannte „Problemimmobilien“ gab, die teilweise ohne Stromversorgung waren, habe letztlich keine große Rolle gespielt.

„Die Evakuierung der dort lebenden Menschen ist nach Rückmeldung der vor Ort eingesetzten Kräfte insgesamt unproblematisch verlaufen und hat jedenfalls nicht zu nennenswerten Verzögerungen geführt. Diese Objekte waren nicht ursächlich für die Dauer der Evakuierung“, erklärt Löcher.

Auf persönliche Ansprache gesetzt

Dass keine Lautsprecher-Durchsagen etwa mit Fahrzeugen der Feuerwehr wie zuletzt bei Impfaktionen in der Nordstadt gemacht wurden, um die Betroffenen schneller zu informieren und die Evakuierung zu beschleunigen, erklären die Verantwortlichen mit der besonderen Situation in dem Stadtquartier.

Es handele sich um ein Gebiet, „was durch eine bunte Bevölkerung geprägt ist, die aus unterschiedlichsten Herkunftsländern stammt und vielsprachig ist“, erklärt Maximilian Löchter. „Dazu gehört auch, dass es dort verschiedenste Sozialisierungen und Erfahrungen in den Herkunftsländern gibt, was Auftreten von uniformierten Kräften, Polizei und Staat im Allgemeinen angeht.“

Um die Betroffenen nicht durch uniformierte Einsatzkräfte einzuschüchtern, habe man am Montag bei der Evakuierung auf die persönliche Ansprache gesetzt – unterstützt auch durch Dolmetscher, die bei Verständnisproblemen weiterhelfen konnten.

Planungen für den 15. August

Die Wahrscheinlichkeit sei sehr hoch gewesen, „dass Menschen in diesem Quartier durch Lautsprecheransagen verunsichert werden und dadurch sich hätten weigern können, ihre Wohnung zu verlassen“, erläutert Löchter.

„Das hätte dann dazu geführt, dass die ganze Maßnahme sich deutlich verlängert hätte. Dazu ist es am Montag nicht in einem einzigen Fall gekommen. Die direkte Ansprache wird hier ihren Teil dazu beigetragen haben.“

Grundsätzlich seien Lautsprecher-Wagen in jüngster Zeit durchaus schon vom Ordnungsamt eingesetzt worden. Das werde voraussichtlich auch bei der anstehenden geplanten Evakuierung am 15. August im östlichen Innenstadt-Bereich der Fall sein, kündigt Löchter an.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Oliver Volmerich, Jahrgang 1966, Ur-Dortmunder, Bergmannssohn, Diplom-Journalist, Buchautor und seit 1994 Redakteur in der Stadtredaktion Dortmund der Ruhr Nachrichten. Hier kümmert er sich vor allem um Kommunalpolitik, Stadtplanung, Stadtgeschichte und vieles andere, was die Stadt bewegt.
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Oliver Volmerich

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