Stunksitzung im Spiegelzelt enthüllt Dortmund als Karnevals-Hochburg

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„Stunk unplugged“ heißt die Show von Kölner Musikern und Komikern, die abseits der Stunksitzung unterwegs sind und am Mittwoch das Spiegelzelt bespaßten. Dabei trat Erstaunliches zu Tage.

Dortmund

, 19.09.2019, 08:02 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es gibt eine Motto-Hymne, die die Jecken der Kölner „Stunksitzung“ gerne pflegen. Zu Musik und Melodie von U2 („With Or Without You“) singen sie: „Wer in Köln geboren ist, ist Natur-Karnevalist. Er kann nicht anders.“

Bei den Stänkerern heißt das Lied „Wegen dem Brauchtum“, einer ihrer Coversongs zu satirisch-parodistischen Texten, die einen Gutteil der „Stunk unplugged“-Show ausmachen - und die schönsten Perlen im Programm sind.

Am Mittwoch war die Ode an die kölsche Karnevals-DNA ganz am Schluss im Spiegelzelt zu hören, schon davor sprang der musikalische Funke mehr als einmal von der Bühne aufs Publikum über.

Publikum war wohlwollend

Wer sagt, dass kölsche Gassenhauer nur am Rhein zünden? Da wurde geschunkelt, Hände gingen zum Himmel, als wären dies die närrischen Tage und Dortmund eine Karnevals-Hochburg.

Vor so viel westfälischer Amüsierlaune konnte Moderatorin Biggi Wanninger nur den Hut ziehen. Denn, um ehrlich zu sein: Das Publikum war sehr wohlwollend zu den Kölnern, beklatschte auch manch lahme Nummer und machte es der Truppe alles andere als schwer.

„Stunk unplugged“, das sind ein Dutzend Musiker und Verbalkomiker, von denen einige auch singen. Biggi Wanninger führt moderierend durch den Abend. Als Andrea Nahles wettert sie atemlos gegen undankbare Genossen, die sie absägten. Die wahre Seuche der SPD seien diese Kerle mit S: „Scharping, Schröder, Scholz, Schulzi, Steini, Süntefering!“

Große Oper in komischer Ausführung

Die lustigste Einlage des Abends zeigt Wanninger an der Seite eines Kollegen, der als Pavarotti kostümiert ist, während sie als Montserrat Caballé antritt. Im Stil der großen Oper, pompös in Gestus und Klang, singen die beiden - Ballermann-Hits!

Die Idee ist schlicht, die Ausführung saukomisch. Willkommen bei der Nokia Night of the Prolls!

Das Keyboard generiert süffig-gravitätischen Streichersound. Diva und Opernkrösus holen tief Luft und schmettern Besuffski-Peinlichkeiten: „Das sind nicht 20 Zentimeter. Nie im Leben, kleiner Peter!“ Oder: „Es gibt 50.000 Hasen. Die wollen mir alle einen... erzählen!“ Trash im Gewand von Hochkultur, ein großer Lacher.

Nicht alle Sketche überzeugten

Mit gespielten Sketchen befleißigen sich die Stunk-Witzbolde einer sterbenden Gattung im Comedy-Geschäft, abseits des Karnevals nur selten anzutreffen.

Nicht alle Sketche überzeugten. Nicht der um tatterige Oldies, die für den WDR Winnetou spielen, Fritz Wepper als Old Shatterhand, Uschi Glas als Nscho-tschi.

Ziemlich bemüht auch das Spiel um die Schwaben, die in Scharen zum Karneval in der Domstadt einfallen. Und die Gags um Putin, Trump, Erdogan: so lala.

Viel besser gerät halt doch die Komik mit Musik: Etwa das Lied der Outdoor-Freaks im Jack Wolfskin-Look. „Wir tragen unisex aus Goretex. Wenn die Wildnis ruft, sind wir waterproofed!“

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