Tanzende Gegensätze in Marienkirche

06.01.2008, 17:55 Uhr / Lesedauer: 1 min

Tiefschwarz ist die Kulisse, vor der die drei Frauen tanzen. Die Augen geschlossen, verleihen ihre Körper einem ebenso seltenen wie schönen Gefühl anmutigen Ausdruck: "Harmonia Celestis", himmlische Harmonie, lautet der Titel der Ausstellung.

Bei Dagmar Schenk-Güllich ist die fließende Bewegung der Körper Sinnbild für die innere Vollkommenheit. Dazu gehört auch der Tod - das Skelett tanzt mit. Der harte Kontrast zum dunklen Hintergrund ist gewollt: "Schwarz ist für mich die Farbe der Konzentration. Es ist ein ausgesprochen friedliches Bild."

Zwei sehr unterschiedliche Bilder zeigt die Russin Julia Schwarzmann. Mit dem rein goldenen Hintergrund, Symbol der himmlischen Sphäre, ist "Mutter und Kind" an den traditionellen Ikonenstil angelehnt. Das Gesicht auf dem traumartigen "Hoffnung" blickt, in sanft kubistischer Abstraktion, gen Himmel.

Zwischen den Fresken Michelangelos und flapsiger Pop-Art schwankt "Harmonia Celestis auf Wolke 97" der Muslimin Zeynep Yüksel. Ein breiter Wolkenstreifen durchzieht himmlisches Hellblau, auf dem Engelchen musizieren. "Mit Instrumenten der türkischen Folklore", präzisiert Dagmar Schenk-Güllich die leise Ironie. "Zeynep Yüksel hat die spirituelle Leichtigkeit, um hier auszustellen."

Denn der Ort ist wichtig für die Werke, sie wurden für die Marienkirche gemalt. "Wir sind ja keine Kirchenmaler", sagt Schenk-Güllich. Darum sind nur sieben der fünfzehn Mitglieder der "Künstlerinnen Sezession Düsseldorf" vertreten.

"Diese wunderbare Kirche hat eine starke Ausstrahlung, die wir keinesfalls zerstören wollten." Um die Blickachsen freizuhalten, hängen die hochformatigen Leinwandfahnen über den Gängen der Seitenschiffe. Schenk-Güllich: "Eigentlich ist das eine Installation."

Mit seinen körnigen Erdfarben ist "Mutter zweier Kinder" von Helga Hütten fast körperlich spürbar. Das Bild betont die himmlische Harmonie durch ihre Abwesenheit: "Viele Väter kamen nach dem Krieg nicht mehr zurück. Das Bild zeigt die Sehnsucht ihrer Familien", sagt die Künstlerin. tag

Die Ausstellung ist voraussichtlich bis Sonntag (13.1.) zu sehen.

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