Dr. Frank Renken, Leiter des Gesundheitsamtes der Stadt Dortmund, bei einer Pressekonferenz zu Beginn der Pandemie - damals noch ohne besondere Abstandsregeln. © Oliver Schaper (Archiv)
Coronavirus

Tausende Überstunden im Gesundheitsamt: Dr. Renken platzt der Kragen

Dr. Frank Renken ist ein freundlicher und besonnener Mann. Der Leiter des Dortmunder Gesundheitsamts arbeitet mit seinem Team aber seit Monaten an der Belastungsgrenze. Das wurde am Dienstag spürbar.

Zu Beginn der Sitzung des Ausschusses für Soziales, Arbeit und Gesundheit gab es eigentlich nur einen kurzen Bericht zum aktuellen Corona-Geschehen in Dortmund. Doch einige Nachfragen der Politiker haben den Leiter des Gesundheitsamtes, Dr. Frank Renken, zu einer regelrechten Schimpftirade veranlasst.

Einzelne Politiker sprachen von einem Durcheinander bei Fragen der Kontaktverfolgung oder einem „kopflosen Auftreten“ des Gesundheitsamtes. Unter anderem wurde die Informationspolitik der Stadtverwaltung bemängelt.

Gesundheitsamt erfährt bei Pressekonferenz von neuen Regeln

Zu den aktuell gültigen Quarantäne-Regeln antwortete Renken: „Da hat man die Gesundheitsämter mal beteiligt, zehn Tage gewartet und dann aber etwas anderes veröffentlicht.“ Grundsätzlich ärgert er sich sehr über die Praxis der Landesregierung, freitags per Pressekonferenz Verordnungen zu erlassen, die bereits am Wochenende in Kraft treten – ohne dass die Behörden Fragen klären können.

Inhaltlich gilt laut Renken jetzt: „Wenn ich positiv getestet werde, bin ich qua Verordnung in Quarantäne.“ Das Gleiche gelte für Kontaktpersonen: „Die getestete Person muss selbst diese Kontaktpersonen verständigen, damit die wissen, dass sie auch gleich in Quarantäne sind.“ Die Stadtverwaltung muss die Maßnahme also nicht erst anordnen.

„Das war gut gemeint, um uns zu entlasten. Aber das weiß bloß keiner“, sagte Renken: „Am Ende kriegen wir die Haue, weil die Leute die Verordnung nicht kennen.“ Dabei sei es aus seiner Sicht Aufgabe der Landesregierung, den Bürgern die neuen Regeln nahezubringen. „Ich selbst habe einen halben Tag gebraucht, bis ich wusste, was in der neuen Verordnung steht“, so der Amtsleiter: „Dass die Menschen das nicht verstehen, kann ich nachvollziehen.“

Jeder Mensch möge sich mal vorstellen, wie es ist, „dass Sie alle drei Wochen nachlesen müssen, ob Ihre Arbeitsgrundlage noch rechtmäßig ist.“ Und weiter: „Unser größter Gegner ist der Verordnungsgeber, der alle paar Wochen alles auf links krempelt.“

Mehrere Mitarbeiter könnten ein Jahr lang frei nehmen

Im Gesundheitsamt haben sich seiner Auskunft nach „tausende von Überstunden“ angehäuft. Im Frühsommer habe Renken genauer nachgefragt, da wurde ihm schon gesagt, dass man drei bis vier Leute zum Ausgleich ein Jahr lang nach Hause schicken könnte: „Seitdem hab ich nicht nochmal nachgefragt.“

Die Arbeit seines Teams habe dazu geführt, dass man aktuell in den „allermeisten Fällen“ noch am Tag des positiven Testergebnisses die Kontaktpersonen erreichen könne. Zwar gebe es sukzessive mehr Personal, das muss aber von eigenen Mitarbeitern angelernt werden. „Gebt mir mehr Personal und ich hab noch mehr Probleme“, sagte der Chef: „Weil ich jeden einzelnen anlernen und Fehler korrigieren muss.“ Den einzelnen Angestellten sei da natürlich kein Vorwurf zu machen.

„Wir alle bemühen uns, den Laden am Laufen zu halten“

„Sie haben entnommen, dass ich relativ unglücklich bin über die Arbeitssituation“, fasste Renken zusammen: „Wir alle bemühen uns, dass wir unseren Laden am Laufen halten.“ Weil jeder gerade mit der eigenen Arbeit genug beschäftigt sei, leide der Austausch mit anderen Kommunen – etwa wenn es um Menschen geht, die in Dortmund arbeiten, sich eventuell hier infiziert haben aber in einer anderen Stadt wohnen. Auch zu diesen Fragen wünscht sich der Amtsleiter mehr Unterstützung vom Land NRW.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Kevin Kindel, geboren 1991 in Dortmund, seit 2009 als Journalist tätig, hat in Bremen und in Schweden Journalistik und Kommunikation studiert.
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Kevin Kindel

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