Die Anwohner begrüßen Tempo 30 nachts auf dem Wall und hoffen jetzt auf ungestörte Nachtruhe. © Kevin Kindel
Raser- und Tunerszene

Tempo 30 auf dem Wall: Anwohner jubeln – aber haben auch Befürchtungen

Bei den Anwohnern des Dortmunder Wallrings kommt die Einführung von Tempo 30 in der Nacht gut an. Sie wundern sich nur, dass das erst jetzt möglich ist – und könnten sich noch mehr vorstellen.

Als Ina Gehrken am Donnerstagmorgen (21.1.) im Bett die Ruhr Nachrichten las, war es für sie ein guter Start in den Tag: „Raserprobleme: Jetzt kommt Tempo 30 auf dem Wall“ – diese Schlagzeile ließ das Herz der Wall-Anwohnerin hüpfen.

„Ich war erstaunt. Bei uns steht bereits das erste Tempo-30-Schild an der Ecke Luisenstraße“, sagte sie wenige Stunden später, „ich freue mich riesig.“

Seit dem 17. Januar gilt auf dem gesamten Wallring in Dortmund ab 21 Uhr Tempo 30. © Oliver Schaper © Oliver Schaper

Mit Tempo 30 (von 21 bis 5 Uhr) auf dem Wall wollen Stadt und Polizei verschärft gegen die Raser- und Tunerszene vorgehen.

Ungezählte Nächte haben die Wallraser mit quietschenden Reifen sowie die Wallrowdys mit lauter Musik und Hupkonzerten Ina Gehrken und ihren Mann um den Schlaf gebracht. „Ich erwarte jetzt Ruhe“, sagt sie.

Schon bei den letzten konzertierten Kontroll-Aktionen von Polizei und Ordnungsamt an den Wochenenden habe man eine Besserung gemerkt. „Herrlich, 100 Tempo-30-Schilder werden ihr Übriges tun“, sagt sie, befürchtet aber, dass sich die Szene verlagern wird.

Grundlage ist der Lärmschutz

Bei aller Freude wundert sich Ina Gehrken auch über den Sinneswandel bei der Stadtspitze. Im Oktober hatte sie einen Brief an Oberbürgermeister Thomas Westphal geschrieben mit dem Vorschlag, Tempo 30 auf dem Hiltropwall einzuführen.

Anfang Januar antwortete Westphal in einem Schreiben, die Anordnung eines Tempolimits von 30 km/h als Maßnahme zur Bekämpfung der Raserszene sei „aus rechtlichen Gründen nicht möglich“.

Auf einer so ausgebauten Bundesstraße wie der B54, zu der der Hiltropwall zählt, gelte grundsätzlich die zulässige Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h. Demnach stehe „die gewünschte Temporeduzierung auf 30 km/h nicht im Kausalzusammenhang mit einer möglichen Gefährdung“, so der OB.

Grundlage für die Tempo-30-Einführung ist nun der Lärmschutz. So steht es unter den Schildern. „Jetzt wird der Druck zu hoch geworden sein“, mutmaßt Ina Gehrken. Zum Glück sei auch NRW-Innenminister Reul nachts vor Ort gewesen.

Der hatte sich in der Nacht zu Sonntag (17.10) selbst ein Bild von den Verkehrsverhältnissen gemacht. Darin sieht die Wall-Anwohnerin auch den Anstoß für die erneuten Überlegungen der Stadt, einen fünften stationären Blitzer am Außenring des Hiltropwalls zu installieren.

Polizei-Aktionen brachten schon eine Besserung

Hannah Schmidt, freie Mitarbeiterin dieser Redaktion, wohnt direkt gegenüber der Nebenfahrbahn des Ostwalls, wo sich die Szene nachts trifft und ihr den Schlaf raubt. Sie findet Tempo 30 in der Nacht „super“, fragt sich aber, „wer sich daran hält“.

Dennoch hofft sie, dass die Maßnahme etwas bringt. Schon mit den verstärkten Polizeikontrollen sei es in den letzten 14 Tagen deutlich besser geworden, auch wenn in der Nacht zu Donnerstag (21.1.) wieder laute Musik vom Parkplatz in ihr Schlafzimmer schallte.

Noch wirkungsvoller wäre nach ihrer Ansicht aber die temporäre Verengung des Ostwalls auf nur eine Spur, so wie während des ersten Lockdowns. „Das waren die ruhigsten Nächte meines Lebens, seitdem ich hier wohne“, sagt Hannah Schmidt. Keine lauten Geräusche mehr vom Parkplatz. „Das war ein Traum und hat deutlich mehr verändert als die Polizeikontrollen.“

Ostwall-Anwohner Eike Julian Bredehorn ist nicht sicher, ob Tempo 30 auf dem Wall etwas bringt, hält das aber trotzdem für „eine gute Maßnahme“. Er begrüßt, „dass man jetzt eine Null-Toleranz-Politik fährt. Es stört mich einfach, wenn man aus dem Fenster guckt und Leute sieht, die sich einen Dreck scheren um ihre Mitmenschen.“

Über die Autorin
Redaktion Dortmund
Stellvertretende Leiterin der Dortmunder Stadtredaktion - Seit April 1983 Redakteurin in der Dortmunder Stadtredaktion der Ruhr Nachrichten. Dort zuständig unter anderem für Kommunalpolitik. 1981 Magisterabschluss an der Universität Bochum (Anglistik, Amerikanistik, Romanistik).
Zur Autorenseite
Gaby Kolle

Der neue Lokalsport-Newsletter für das Münsterland

Immer dienstags und freitags um 18:30 Uhr das Wichtigste aus dem Lokalsport direkt in Ihr E-Mail-Postfach.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.