Wieder kontrollierte die Polizei in der Nacht zu Samstag (20.2.) die Auto-Szene auf dem Dortmunder Wallring. Rund 500 Personen wurden überprüft. © Oliver Schaper
Tuner und Poser

Tempo-30-Start am Wall: Party-Stimmung, ein paar Raser und viel Polizei

Wegen nächtlicher Rennen und aufgemotzter lauter Autos gilt seit Freitag Tempo 30 auf dem Wall. Zum Start haben wir eine Runde zu Fuß um den Wall gedreht. Das haben wir erlebt.

Punkt 21 Uhr am Freitagabend (22.1.) auf dem Dortmunder Wall: Bereits seit einigen Minuten bewegt sich ein Großteil des Verkehrs etwas langsamer als sonst üblich über die Straße. Denn es ist der erste Freitagabend, an dem offiziell das neue Tempo-Limit gilt. Die vorherige Höchstgeschwindigkeit von 50 Kilometern pro Stunde ist nun auf 30 reduziert, Dutzende Schilder kündigen dies an.

Viel nächtliches Treiben auf dem Wall

Leer ist es dadurch aber vorerst nicht. Sowohl auf, als auch neben der Straße ist viel los. Junge Menschen sitzen in oder lehnen an ihren Autos, stehen in kleinen Grüppchen zusammen, unterhalten sich durch das geöffnete Autofenster miteinander – dazwischen schallt Musik aus verschiedenen Fahrzeugen, Motoren und Hupen ertönen, typischer Abgas-Geruch liegt in der Luft.

Die Stimmung scheint ausgelassen, auch auf der Straße. So gilt das Tempo-Limit noch keine fünf Minuten lang, und das erste Fahrzeug beschleunigt an einer Ampel auf deutlich höhere Geschwindigkeit als inzwischen noch erlaubt – kurz vor dem festinstallierten Blitzer am Ostwall bremst es ab. Die Positionen der Radarfallen sind hinlänglich bekannt.

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Wall-Rundgang: Erste Nacht mit Tempo-Limit

Polizei und Ordnungsamt auf der Straße unterwegs

Doch an diesem Abend sind es nicht nur die Blitzanlagen, die das Geschehen auf der Straße im Blick behalten. Ordnungsamtsmitarbeiter stehen neben dem Blitzer, beobachten die Straße und steigen schließlich in zwei verschiedene Fahrzeuge ein, um sich ebenfalls auf die Straße zu begeben. So schnell, wie es Tempo-30 nun einmal zulässt, verschwinden sie in der Flut an Fahrzeugen, die nachrollt.

Ein silbernes Fahrzeug beschleunigt nun, einige weitere Wagen, die offensichtlich anschließen wollen, stecken jedoch noch hinter einem Lastwagen fest. An der Ampel auf Höhe eines Kiosks startet ein Fahrzeug dann ein Überholmanöver von rechts.

Viele Polizeikontrollen am Straßenrand

Ein anderes Auto mit Gelsenkirchener Kennzeichen fährt an dieser Stelle vom Wall ab in Richtung Kaiserstraßenviertel, biegt jedoch sofort links auf einen Parkplatz ab. Von dieser Seite ist die Einfahrt allerdings verboten. Die Polizei hat den Falschfahrer schon im Visier und winkt ihn zu sich. Hier stehen sie und halten ihren Blick auf die Straße gerichtet. In einiger Entfernung drehen Reifen durch, schräg gegenüber hält noch ein Polizeiteam einen weiteren Wagen an.

Das Tempo-Limit scheint der allgemeinen Wall-Faszination keinen Abbruch zu tun. „Die Leute wollen raus, wollen sich treffen, das verstehe ich auch“, sagt ein Autofan, der vom Parkstreifen aus das Geschehen beobachtet. Trotzdem seien die meisten unter ihnen keine Raser, sprechen sich hingegen sogar selbst eindeutig gegen das Rasen aus.

Einige bezweifeln die Wirksamkeit des Tempo-Limits

Das Tempo-Limit soll Druck auf die Raserszene ausüben, sie vertreiben, heißt es von Stadt und Polizei. Ob das Mittel auch zum Zweck führen wird, darüber herrscht Uneinigkeit. Eine Anwohnerin, Samira Shakarrna, bezweifelt, dass sich nun etwas ändern wird. Sie wohnt am Ostwall, nahe des Blitzers. „Bis dahin fahren die Leute langsam“, erzählt sie. „Danach wird wieder Gas gegeben.“

22 Uhr in Höhe der Alten Post – seit einer Stunde gilt nun bereits die reduzierte Höchstgeschwindigkeit. Erneut heult ein Motor auf, ein kostspielig aussehender Wagen fährt vorbei, bleibt dabei für einige Hundert Meter auf dem Mittelstreifen, die Reifen quietschen, zum Glück ist an dieser Stelle des Walls gerade etwas weniger los. Normalerweise entstehen nur wenige Meter weiter immense Staus, berichtet Dundar Sefar. „Das Tempo-Limit wird für noch mehr Staus sorgen“, befürchtet der Taxifahrer, der häufig am Hauptbahnhof auf Fahrgäste wartet.

„Es gibt immer Idioten – das wird kein Ende nehmen“

Nicht selten rasen hier Fahrzeuge mit „70, 80 Sachen, vielleicht auch mehr“ vorbei, erzählt er. „Dass bis heute hier keiner umgekommen ist, ist ein Wunder.“ Die festen Blitzer seien den Fahrern bekannt, die Polizei solle besser mit mobilen Lasermessgeräten auffahren. „Viel nützt das sonst nicht. Es gibt immer Idioten – das wird kein Ende nehmen.“ Raser werden weiterhin rasen, lautet seine eindeutige Einschätzung zum Tempo-Limit.

Doch hinter dem Hauptbahnhof wird es an diesem Abend bereits deutlich ruhiger. Nur aus der Ferne sind nun noch Motorengeräusche zu hören. Die vierspurige Fahrbahn am Schauspielhaus bleibt für eine Ampelphase lang sogar komplett leer.

Stau zwischen Stadthaus und Ostwall

Ein Stückchen weiter, nun ist beinahe wieder der Ostwall erreicht, ertönt ein Martinshorn, Blaulicht zuckt über den Asphalt. Hinter dem Stadthaus hat sich ein Stau gebildet. Ein Fußgänger murmelt zu seiner Begleitung: „Das würd mir mehr auf den Sack gehen, dieser ganze Stau, als das Rumballern sonst.“ Für das „Rumballern“ ist nun vorerst gar kein Platz. Die Polizei macht den Wall einspurig, einige Autos zieht sie aus der Schlange heraus. Akribisch leuchten sie in Radkästen und Motoren hinein, während daneben die unverdächtigen Wagen passieren dürfen.

Hinter dem Stau nähert sich nun ein Krankenwagen, es dauert einige Momente, bis er sich durch die wartenden Autos und durch die Polizeisperrung geschlängelt hat.

Doch der Hotspot hinter der Polizeisperrung scheint sich vorerst aufgelöst zu haben. Am Straßenrand stehen nun weniger Grüppchen, auch auf der Straße ist weniger los. Einige Stunden nach Beginn des Tempo-Limits ist es in diesem Moment, bis auf einige Ausnahmen, bereits etwas ruhiger.

Über die Autorin
Freie Mitarbeiterin
1998 im Rheinland geboren und seit ein paar Jahren zum Studieren im Ruhrgebiet Zuhause. Verschiedene Menschen und ihre Geschichten - das möchte ich erleben und darüber berichten.
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Tabea Prünte

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