Tempo 30 und Umweltspur: Was man als Autofahrer in Dortmund jetzt wissen muss

mlzFragen und Antworten

Eine Umweltspur, Tempo 30 auf zentralen Wegen und neue Ampelschaltungen - mit mehreren Maßnahmen will die Stadt die Luftbelastung in der Innenstadt verringern. Das Paket wirft Fragen auf.

Dortmund

, 23.01.2020, 16:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Mit dem Vergleich, den Land, Stadt und Deutsche Umwelthilfe vor dem Oberverwaltungsgericht geschlossen haben, sind Fahrverbote für Dieselautos in Dortmund vom Tisch. Trotzdem werden Autofahrer die Maßnahmen zur Verkehrsreduzierung, auf die man sich mit der Umwelthilfe geeinigt hat, zu spüren bekommen. Wir erklären die wichtigsten Punkte.

? Warum gibt es ein Maßnahmenpaket zur Verkehrsreduzierung?

Die Deutsche Umwelthilfe hat wegen der Überschreitung der EU-Grenzwerte für Stickstoffdioxid in 14 Städten in NRW Klagen eingereicht. Nachdem es Urteile mit Fahrverboten in Köln und Aachen gab, finden nun zu den anderen Kommunen Vergleichsverhandlungen vor dem Oberverwaltungsgericht statt. Dortmund war dabei nach Essen als zweite betroffene Stadt an der Reihe.

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? Was steht im Mittelpunkt der Maßnahmen?

Im Mittelpunkt stehen die drei Messstellen, an denen seit Jahren erhöhte Stickstoffdioxid-Werte gemessen werden. Das sind der Rheinlanddamm (B1), die Brackeler Straße nahe Borsigplatz und die Ruhrallee. An der Ruhrallee wurde mit einem Jahresmittelwert von 47 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft 2019 die höchste Belastung mit Stickstoffdioxid ermittelt. Der EU-Grenzwert liegt bei 40 Mikrogramm.

? Was ist konkret geplant?

An der Ruhrallee wird zwischen B1 und Wallring Tempo 30 eingeführt, zudem wird die Ampel nach der B1-Abfahrt in Richtung Innenstadt so geschaltet, dass sie länger Rot zeigt und so zu einer Art „Pförtnerampel“ wird.
An der Brackeler Straße gilt ebenfalls Tempo 30. Dort soll in Richtung Borsigplatz eine Umweltspur eingerichtet werden, auf der nur Busse, Fahrräder und E-Autos fahren dürfen.
Am Rheinlanddamm wird auf der Auffahrt auf die B1 von der Märkischen Straße in Richtung Westen Tempo 40 eingeführt. Zudem gilt für die gesamte B1 bald ganztägig ein Durchfahrtsverbot für LKW. Lastverkehr, der in einem Radius von 75 Kilometern startet oder endet, ist nicht betroffen. Alle anderen Lkw über 7,5 Tonnen werden ab den Autobahnkreuzen auf das Autobahnnetz um Dortmund mit A2, A45 und A1 umgeleitet.

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? Was soll das bringen?

Nach Modellrechnungen soll sich der Autoverkehr auf der Ruhrallee um 21 Prozent (6924 Autos pro Tag) verringern und an der Brackeler Straße um 20 Prozent (4837 Autos pro Tag). Für die B1 erhofft man sich 20 Prozent weniger Lkw-Fahrten am Tag.

? Wann sollen die Maßnahmen umgesetzt werden?

Möglichst kurzfristig im ersten Quartal dieses Jahres, an der Ruhralle spätestens bis 31. Mai.

? Wie wird die Wirkung kontrolliert?

Die Stadt verspricht Verkehrszählungen und richtet wie schon an der Brackeler Straße eine Dauerzählstelle für den Autoverkehr auf der Ruhrallee ein. Die Zählergebnisse werden der Deutschen Uwmelthilfe monatlich mitgeteilt. Ziel ist, schon innerhalb der ersten drei Monate eine Reduzierung des Verkehrs von mindestens 18 Prozent zu erreichen. Auch die Luftschadstoff-Werte werden weiterhin erfasst und beobachtet.

? Was passiert, wenn der erwartete Effekt nicht eintritt?

Dann soll nachgesteuert werden. Vorgesehen ist, dass dann etwa die Pförnerampeln noch „schärfer“ geschaltet werden. Auf der B1 soll das Durchfahrtsverbot eventuell schon für Lkw ab 3,5 Tonnen Gesamtgewicht gelten.

? Wie soll Ausweichverkehr verhindert werden?

Die Sorge ist, dass Autofahrer, die an der Ruhrallee oder der Brackeler Straße im Stau stehen, auf andere Zufahrtsstraßen ausweichen. Um zu kontrollieren, ob dort dann möglicherweise die Luftbelastung steigt, fordern die Grünen im Rat und die Deutsche Umwelthilfe zusätzliche Messstellen. Grundsätzlich will man aber den Verkehr insgesamt reduzieren und Autofahrer zum Umstieg auf Bus, Bahn oder Fahrrad bewegen.

? Wie will man die Autofahrer zum Umsteigen bewegen?

Zum Maßnahmenpaket, das mit der Umwelthilfe vereinbart wurde, gehören zahlreiche Maßnahmen, die die Stadt schon seit längerer Zeit etwa im Rahmen des Masterplans Mobilität und des Programms Emissionsfreie Innenstadt plant. Dazu gehören die Förderung der E-Mobilität und Verbesserungen für den Radverkehr wie der „Radwall“ an Ost- und Schwanenwall und der Radschnellweg Ruhr.
Mit einem Marketingkonzept will man zur verstärkten Nutzung von Park-and-Ride-Parkplätzen an Stadtbahnstationen anregen. Der P+R-Parkplatz am Remydamm, nahe der Ruhrallee, soll dazu auch ins Parkleitsystem der Stadt aufgenommen werden.

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? Was gehört noch zum Programm?

Der Fuhrpark der Stadt und die Busflotte von DSW21 soll möglichst schnell umweltfreundlich umgerüstet werden, sei es auf moderne Diesel-Standards oder Elektromobilität. Das Parkplatz-Angebot in der Innenstadt soll verringert und die Einführung von Anwohnerparkzonen beschleunigt werden.

? Welche Reaktionen gibt es auf das Maßnahmenpaket?

Vertreter der Wirtschaft und der Politik zeigen sich vor allem erleichtert, dass es keine Fahrverbote für Diesel gibt.

In der Politik hst das Maßnahmenpaket bereits die erste Hürde genommen: Im Ausschuss für Wirtschaftsförderung wurde es am Mittwoch (22.1.) einstimmig befürwortet. Die CDU enthielt sich allerdings beim LKW-Durchfahrtsverbot für die B1 und bei der Umweltspur an der Brackeler Straße. Man befürchte negative Folgen durch Ausweichverkehr und Rückstaus, erklärt der umweltpolitische Sprecher Uwe Waßmann.
Beifall für das Konzept gibt es auch von der SPD.

Die Grünen würden gern noch weiter gehen. Sie sehen das Maßnahmenpaket nur als „weiteren Schritt auf dem Weg zu einer klimafreundlichen Verkehrswende“. „Das Motto ‚Weniger – statt nur verdrängter – Autoverkehr in der Stadt und dafür mehr klimafreundliche Alternativen‘ sollte endlich zur politischen Grundhaltung werden“, heißt es. Die Linken/Piraten im Rat sehen das Konzept als „Schritt in die richtige Richtung, um die Schadstoffbelastung in Dortmund deutlich zu reduzieren und dem Dortmunder Klimaziel etwas näher zu kommen.“

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