Tempo 30 gilt seit April 2020 auf der Ruhrallee, um den Ausstoß von Luftschadstoffe zu verringern. © Oliver Volmerich
Luftreinhaltung

Tempo 30 und Umweltspur – wie die „Verkehrsbremsen“ in Dortmund wirken

Seit einem Jahr gelten in Dortmund an kritischen Stellen Vorgaben zur Luftreinhaltung. Sie sollen Dieselfahrverbote vermeiden. Ob sie wirken, zeigen jetzt die Messdaten für das Jahr 2020.

Seit März 2020 gibt es die Umweltspur an der Brackeler Straße, seit April 2020 gilt Tempo 30 an der Ruhrallee. Das Ziel: An kritischen Stellen, an denen die Luftschadstoffe überhöht waren, den Autoverkehr zu drosseln oder zu verdrängen. So soll die Belastung mit dem gesundheitsschädlichen Stickstoff-Dioxid unter die kritische Grenze von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft gebracht werden.

Und das scheint gelungen zu sein. „Die Maßnahmen zur Luftreinhaltung zeigen Wirkung“, berichtete Umweltdezernent Ludger Wilde am Dienstag nach der Sitzung des Verwaltungsvorstands am Dienstag (27.4.).

Er zog damit gewissermaßen eine Jahresbilanz zu dem Maßnahmenpaket, auf das sich Stadt, Land und Deutsche Umwelthilfe in einem Vergleich vor dem Oberverwaltungsgericht geeinigt hatten. So sollten drohende Diesel-Fahrverbote verhindert werden, nachdem die Umwelthilfe wegen der Überschreitung der EU-Grenzwerte für Stickstoffdioxid geklagt hatte.

Drei kritische Bereiche

Drei Straßenabschnitte standen dabei mit Grenzwert-Überschreitungen besonders im Fokus: die Brackeler Straße, die Ruhrallee und die Bundesstraße 1. Für alle drei Straßen wurden maßgeschneiderte Maßnahmen vereinbart.

An der Brackeler Straße wurden an der Zufahrt zum Borsigplatz eine Pförtnerampel, die den Verkehrszufluss dosiert, eine Umweltspur für E-Fahrzeuge und Busse sowie Tempo 30 eingerichtet. Der Effekt: Der Jahresmittelwert für Stickstoffdioxid lag für 2020 an der Messstelle vor Ort bei 36 Mikrogramm und damit unter der kritischen Grenze von 40.

Mit großen Symbolen auf der Fahrbahn ist die Umweltspur auf der Brackeler Straße gekennzeichnet. © Oliver Volmerich © Oliver Volmerich

An der Ruhrallee gibt es nun ebenfalls eine Pförtnerampel in Höhe B1 und Tempo 30 auf der gesamten Strecke bis zum Neutor. Die Verkehrszählung zeigen, wie erhofft, eine deutliche Reduktion des Verkehrs. Und der Grenzwert für Stickstoffdioxid sank hier auf 35 Mikrogramm.

Ähnliche Effekte gibt es auf der Bundesstraße 1, wo nun ganztägig ein Durchfahrtsverbot für Lkw gilt. Auch wenn die B1-Bürgerinitiative beklagt, dass sich viele Brummi-Fahrer nicht daran hielten, weist die Dauerzählstelle des Landes in Höhe der Dasa in Dorstfeld eine Abnahme des Lkw-Verkehrs auf der B1 aus. Auch hier werde der Grenzwert für Stickstoffdioxid mit 32 Mikrogramm an der Messstelle am Rheinlanddamm eingehalten, berichtete Wilde.

Dass die Corona-Pandemie dabei eine Rolle spielt, liegt auf der Hand. Es sei aber keine entscheidende Rolle, ist Wilde überzeugt. Auch in Monaten mit normalem Verkehrsaufkommen hätten die Werte unter der kritischen Grenze gelegen, stellt er fest. „Wir werden auch nach Ende der Pandemie unter dem Wert von 40 Mikrogramm liegen“, ist der Umweltdezernent überzeugt.

Weitere Messstellen eingerichtet

Um sicherzustellen, dass das möglichst flächendeckend gilt, wurden aber an vier weiteren Stellen – an der Märkischen Straße, der Ruhrallee, an der Borsigstraße und an der Mallinckrodtstraße – Messstellen eingerichtet. Eine Auswertung der Jahresdaten ist aber erst für 2022 möglich, erklärte Wilde.

Zum dauerhaften Erfolg in Sachen Luftreinhaltung beitragen sollen auch weitere Projekte aus dem Maßnahmenpaket wie die Förderung des Radverkehrs und des ÖPNV oder von Park-and-Ride-Angeboten. Coronabedingt konnten noch nicht alle Maßnahmen umgesetzt werden, bedauert Wilde.

Das Ziel der Schadstoff-Reduzierung an den kritischen Stellen scheint aber erreicht. Die Anfang 2020 noch drohenden Fahrverbote für Dieselfahrzeuge in Dortmund dürften nach aktuellem Stand der Dinge vom Tisch sein, sagt Ludger Wilde. „Es wird in Dortmund kein Dieselfahrverbot geben.“

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Oliver Volmerich, Jahrgang 1966, Ur-Dortmunder, Bergmannssohn, Diplom-Journalist, Buchautor und seit 1994 Redakteur in der Stadtredaktion Dortmund der Ruhr Nachrichten. Hier kümmert er sich vor allem um Kommunalpolitik, Stadtplanung, Stadtgeschichte und vieles andere, was die Stadt bewegt.
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Oliver Volmerich

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