Tetanus, Salmonellen, Feuer: Grill- und Garten-Saison hat viele Tücken

mlzTipps von Dortmunder Arzt und Feuerwehr

Tetanus und Magen-Darm-Infektionen lauern in unseren Gärten, sagt die AOK Nordwest. Wir haben einen Dortmunder Ärzte-Vertreter gefragt, wie man die Gefahren der Sommer-Saison übersteht.

Dortmund

, 06.06.2020, 15:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Pandemie hat Ihnen die Reiselust vermiest und Sie wollen die Sommer-Sonne im Garten genießen? Klingt nach einer guten Idee, doch die AOK Nordwest warnt nun vor Magen-Darm-Infektionen beim Grillen und Tetanus-Erkrankung bei der Gartenarbeit. Alles rund um die Gefahren der Sommer-Saison erklären der Vertreter der Dortmunder Ärzte und die Dortmunder Feuerwehr.

Eine aktuelle Umfrage des ZDF-Politbarometers vom Freitag (29.5.) zeigt: So richtig in Reiselaune sind die Deutschen anscheinend nicht – vor allem nicht, was Reisen ins Ausland angeht. Nur 13 Prozent der Befragten gaben an, in diesem Sommer eine Reise ins europäische Ausland zu planen; bei Reisen außerhalb Europas war es nur ein Prozent. 31 Prozent wollen innerhalb Deutschland reisen, 37 Prozent aller Befragten wollen gar keinen Urlaub machen.

AOK warnt vor Magen-Darm-Infektionen und Tetanus

Bei diesem früh-sommerlich warmen Wetter wie an den Pfingsttagen schien es für so manchen Dortmunder auch nicht dramatisch zu sein, die Sommer-Saison im eigenen Garten oder den Dortmunder Parks zu verbringen.

In zwei Pressemitteilungen vom Dienstag (26.5.) zeigte die AOK Nordwest jedoch ein anderes Bild: Sie warnte vor der Gefahr, sich beim Grillen eine Magen-Darm-Infektion oder bei der Gartenarbeit eine Tetanus-Erkrankung einzuholen.

Magen-Darm-Infektionen könnten „vor allem durch Grillen von rohem Geflügelfleisch entstehen“, heißt es, und im vergangenen Jahr seien in Dortmund „107 Erkrankungen an Salmonellose und 549 Fälle von Campylobacter-Enteritiden“ gemeldet worden. In den Sommermonaten würden beide Infektionszahlen ansteigen.

„Damit der Grillgenuss nicht krank macht, sollte das Grillgut stets gut durchgegart sein und wichtige Hygieneregeln beim Umgang mit Lebensmitteln beachtet werden“, sagt AOK-Serviceregionsleiter Jörg Kock, denn die Erreger würden häufig übertragen werden, wenn Geflügelfleisch nicht durchgebraten werde.

Weiter heißt es: „Um eine Infektion zu verhindern, ist Hygiene sehr wichtig. Dazu gehören: die Hände gründlich waschen, Marinaden oder Verpackungen nicht mit anderen Lebensmitteln in Kontakt bringen.“ Außerdem sollte das Tauwasser aus dem Kühlschrank weg gegossen werden.

Dr. Prosper Rodewyk, Leiter der Bezirksstelle Dortmund der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL), schließt sich der Warnung vor Magen-Darm-Infektionen an, insbesondere der vor Salmonellen. Geflügelfleisch sei häufig von Salmonellen befallen und werde daher beim Metzger von anderen Fleischsorten getrennt.

Geflügelfleisch separieren und durchbraten

„Wenn das Geflügel beim Grillen aber auf einen Teller mit zum Beispiel Steaks gerät und das Steak nicht richtig durchgebraten wird, kann das für eine Infektion reichen“, sagt Rodewyk. Daher auch sein Hinweis: Geflügelfleisch immer separat zubereiten und gut durchbraten.

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Auch bei der Gartenarbeit gebe es neben den üblichen Corona-Hygiene-Regeln einige Hygiene-Aspekte zu beachten, weil es durch Gartenscheren, Dornen und Holzsplitter schnell zu Verletzungen kommen könne. In der zweiten AOK-Pressemitteilung heißt es: „Da auch die Sporen der Tetanus-Bakterien in der Gartenerde vorkommen, können diese in die Wunde gelangen und die lebensbedrohliche Erkrankung Tetanus (Wundstarrkrampf) auslösen.“

Eine aktuelle Tetanusimpfung schützt bei der Gartenarbeit vor der Krankheit.

Eine aktuelle Tetanusimpfung schützt bei der Gartenarbeit vor der Krankheit. © Archiv

Vor der Erkrankung schützt eine Tetanusimpfung, die vor maximal zehn Jahren erfolgt ist. Es gilt also durch den Hausarzt zu überprüfen, ob die Tetanusimpfung noch aktuell ist, bevor mit der Gartenarbeit angefangen wird, rät Jörg Kock. Gerade im höheren Alter seien Impfungen wichtig, da Menschen über 45 Jahren häufig erkranken würden.

Dr. Rodewyk rät: bei Übelkeit, Fieber und Durchfall immer zum Arzt gehen, denn die Erkrankung könnte durch verschiedene Erreger entstehen. Daher müssten Proben genommen und der Erreger identifiziert werden. Bei schweren Erkrankungen seien neben Medikamenten auch manchmal Infusionen nötig.

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Außerdem empfiehlt Dr. Rodewyk, bei längerem Aufenthalt im Freien einen guten Mückenschutz zu benutzen. Aktuell seien nämlich Kribbelmücken aktiv, die lokale Entzündungen auslösen können. Durch Kratzen und Dreck, der in die Entzündung gelangt, könne sie sich ausbreiten.

Tipps für sicheres Grillen

Neben den Infektionskrankheiten ist auch die Brandgefahr beim Grillen in der Sommer-Saison zu beachten. Von jährlich über 4.000 Grill-Unfällen in Deutschland enden rund 400 mit schweren oder schwersten Verbrennungen. Auf der Internetseite der Stadt Dortmund gibt die Dortmunder Feuerwehr Hinweise und Tipps zum sicheren Grillen.

Gegrillt werden sollte im Freien und in ausgewiesenen Grillbereichen mit ebener Fläche. Ein Eimer Wasser oder Feuerlöscher und Handschuhe sollten griffbereit sein und es sollten keine Kleidungsstücke mit Kunststofffasern in Grill-Nähe getragen werden. Außerdem: Der Grill ist zum Grillen da – nicht zum Heizen.

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Kleine Kinder sollten vom Grill ferngehalten und die Menge an Grillkohle an die Größe des Grills angepasst werden. Die Kohle sollte mit Grillanzündern angezündet werden, nicht mit Spiritus. Gabeln oder Zangen sollten zum Wenden verwendet und danach auf eine Ablage für das Grillbesteck gelegt werden.

Essensreste oder Müll sollten nicht im Grill verbrannt werden. Die Kohle soll unter Aufsicht auskühlen und nur völlig erkaltet entsorgt werden. Einmalgrills sollten mit Wasser gelöscht und abgekühlt werden lassen, ebenso wie der Boden unter dem Grill.

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