Das Team des Dortmunder Opernhauses kann unverhofft mehr Tickets verkaufen als ursprünglich geplant. Diese Gelegenheit lässt man aber zunächst verstreichen. © Stephan Schütze
Neue Corona-Regeln

Ticket-Kontingent im Opernhaus verdoppelt – es soll aber noch leerer bleiben

Es gibt neue Corona-Regeln für Kultur-Events: Während die Mozart-Gesellschaft Zuschauer ausladen muss, hätte das Theater 646 Karten mehr pro Vorstellung. Die sind aber nicht sofort erhältlich.

Bislang sind von den 1170 Plätzen im Dortmunder Opernhaus nur 524 im Schachbrett-Sitzplan in den Verkauf gegangen. Nachdem die Stadtverwaltung für Kulturveranstaltungen nun mit 1000 Zuschauern plant, gibt es für jede der bereits ausverkauften Ballettgalas am 18. und 19. September nun wieder 646 Karten.

Für die Premiere von Puccinis Oper „Tosca“ am 11. September stockt das Theater das Kontingent aber noch nicht auf.

Ballett als Gradmesser des Verhaltens

Denn Opernintendant Heribert Germeshausen zweifelt: „Ich bin skeptisch, dass wir durch die Öffnung des Saals mehr einnehmen. Die Menschen sind vorsichtig, das kann man ja selbst beim BVB sehen“, sagt der Intendant, der nicht davon ausgeht, ad hoc 1000 der 1170 Karten zu verkaufen.

Er hätte sich eine schrittweise Öffnung mit „langfristiger Planung“ gewünscht. Die Ballettgalas sind ein Gradmesser, wie sich das Publikum verhält.

Eine Spielzeiteröffnung mit „Tosca“ (mit Gaststars wie Michael Volle und seiner Ehefrau Gabriela Scherer am 4. Dezember) kann sich das Theater auch mit 524 Plätzen leisten.

„Wir haben Rücklagen, weil wir in der vergangenen Saison die Produktionskosten eingespart haben“, sagt Germershausen. Die letzte Premiere im Musiktheater war vor einem Jahr ein Musical-Abend. Und die Oper hat einen Puffer, weil sie in der Saison vor der Corona-Pandemie Rekordeinnahmen hatte.

65 durchgeimpfte Musiker im Graben

Auch alle anderen Musiktheater-Premieren nach „Tosca“, bis zur „Lustigen Witwe“ im Januar, sind gesichert. „Bei ,Ferdinand Cortez‘ im April und der ,Walküre‘ im Mai hängt es davon ab, wie sich Corona entwickelt. Wir hoffen, dass die Pandemie dann Geschichte ist“, sagt Germeshausen.

„Tosca“ wird Puccini ohne Abstriche. Der Impfstatus im Theater ist sehr hoch, und die Philharmoniker können mit einer großen Puccini-Besetzung mit 65 vollgeimpften Musikern im Graben spielen. Nur der Chor muss wegen der Corona-Auflagen von der Hinterbühne singen – live, und in Videos wird er auf einem Gaze-Vorhang vor der Bühne sichtbar sein.

Drei tolle Tosca-Sängerinnen hat die Oper mit Inga Kalna, Stéphanie Müther und Gabriela Scherer, außerdem drei großartige Scarpias mit Noel Bouley, Mandla Mndebele und Michael Volle. Und mit James Lee einen fantastischen Tenor als Cavaradossi. Bei der öffentlichen Probe hörte man schon, dass diese „Tosca“ musikalisch überwältigend werden wird.

Und das Publikum sah, wie genau Regisseur Nikolaus Habjan probt. Nach der „Entführung aus dem Serail“ ist die Puccini-Oper seine zweite Dortmunder Inszenierung und seine erste Opernregie ohne Puppen.

„Der Auftritt wird noch gruseliger sein“

Probe, 1. Akt: Vor dem eindrucksvollen Gemälde, mit dem der Maler Cavaradossi den Altar in der Kirche gestaltet, begegnen sich Sängerin Florina Tosca und Polizeichef Scarpia zum ersten Mal. „Später werden noch Soldaten auf der Bühne sein. Der Auftritt von Scarpia wird noch gruseliger sein“, erklärt der Regisseur den Zuschauern.

Und dann feilt er in der Fächerszene an Bewegungen, bewegt Scarpia millimetergenau um Tosca herum. Auch die Chorszenen wirken nicht wie eine Notlösung: Die Videos mit den huschenden Wesen auf dem Vorhang passen perfekt in diese gespenstische Szene.

Nikolaus Habjan inszeniert den ersten Akt wohltuend ruhig. Im Mittelpunkt steht das, wonach sich das Publikum seit einem Jahr sehnt: Überwältigende Live-Musik, gesungen von tollen Sängern und später getragen vom Puccini-Klang der Philharmoniker unter Gabriel Feltz.

Aufführungen gibt es ab dem 11. September bis zum 4. Februar. Tickets sind erhältlich unter Tel. (0231) 5 02 72 22 oder www.theaterdo.de.

Über die Autorin
Kultur-Redaktion
Julia Gaß begleitet und beobachtet seit 35 Jahren für die Zeitung das Kulturleben in Dortmund und in der Region.
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