Tierärztin Petra Dreikauss greift dem Gaul ins Maul

Zahnprobleme bei Tieren

Shlomo, der 19 Jahre alte Welsh-Cop-Wallach, hängt buchstäblich in den Seilen, während Tierärztin Petra Dreikauss ihren Unterarm tief in seinen Rachen schiebt. Das Pferd hat seinen jährlichen Zahnarzt-Termin.

DORTMUND

von Von Gaby Kolle

, 12.10.2011, 05:35 Uhr / Lesedauer: 2 min
Auch Pferde gehen nicht gern zum Zahnarzt. Die Dortmunder Tierärztin Petra Dreikauss (l.) untersucht Shlomos Zähne. Besitzerin Monika Giesbert beruhigt den Wallach, dessen Kopf im Seilzug hängt.

Auch Pferde gehen nicht gern zum Zahnarzt. Die Dortmunder Tierärztin Petra Dreikauss (l.) untersucht Shlomos Zähne. Besitzerin Monika Giesbert beruhigt den Wallach, dessen Kopf im Seilzug hängt.

Bevor der Wallach die halbstündige Prozedur über sich ergehen lassen muss, bekommt er eine Beruhigungsspritze. Auch Besitzerin Monika Giesbert (69) redet sanft auf ihr Tier sein. Dann presst die Tierärztin ihm mit einem Maulöffner, einem so genannten Maulgatter, das Gebiss auseinander, legt ihm ein Dentalhalfter an und hängt seinen Kopf in den Seilzug, „damit er ihn nicht halten muss“, erklärt sie, „das wäre zu schwer.“ Erst dann schaut die 35-Jährige dem Gaul ins Maul und fühlt ihm auf den Zahn. Ihre Instrumente sehen aus wie die in der Human-Zahnmedizin, nur größer. Das Licht kommt von einer Stirnlampe. Mit einem Spiegel untersucht Petra Dreikauss Shlomos schmutzig-gelbe Zähne.

Sie müssen geschliffen werden, weil das etwas schmalere Unter- und das Obergebiss nicht mehr richtig aufeinander sitzen. Zahnspitzen, auch „Haken“ genannt, stehen über. Eine Zivilisationskrankheit bei Pferden, die dazu führen kann, dass die Tiere aufgrund von Schmerzen „maulig“ werden, also nicht am Zügel gehen wollen, im Rücken verspannen und sogar lahmen. Manche Pferde müssen erst nach zwei, drei Jahren ihre Zähne schleifen lassen, andere eher. Wie Shlomo. Petra Dreikauss greift zum Zahnschleifgerät, das Geräusche macht, wie in einer normalen Zahnarztpraxis. Die runde Schleifscheibe liegt auf einer knapp halben Meter langen Stange mit einer flexiblen Welle, um jeden Winkel im Pferdekopf zu erreichen.

Karies oder Parodontose kommen seltener bei Pferden vor. Bei eitrigen Zahnwurzeln kann auch ein Pferd eine dicke Backe bekommen. Doch solche Übel werden unter Vollnarkose in der Tierklinik gezogen. Shlomo hat es geschafft. Sein Gebiss passt wieder aufeinander. Noch ist er von der Beruhigungsspritze benommen, lässt den Kopf in den umgeschnallten Maulkorb hängen. Erst in zwei Stunden darf er wieder fressen, „weil sonst die Gefahr besteht, dass er eine Kolik bekommt“, erklärt Petra Dreikauss. Sie gibt dem Wallach einen aufmunternden Klaps aufs Hinterteil. Jetzt hat er erst mal wieder ein Jahr Ruhe bis zum nächsten Zahnarzttermin.

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