Schwarze Tierheim-Hunde werden wegen ihrer Fellfarbe „diskriminiert“

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Schwarze Hunde und Katzen im Dortmunder Tierschutzzentrum warten häufig länger auf ein neues Zuhause als Artgenossen mit hellem Fell. Der Leiter der Einrichtung kennt Gründe, warum das so ist.

Dortmund

, 17.11.2020, 04:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Black is beautiful (Schwarz ist schön) – dieser Slogan der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung gilt nicht für Insassen des Dortmunder Tierheims, zumindest nicht in den Augen vieler Betrachter. Eine Umfrage des Deutschen Tierschutzbundes förderte zutage, was man im Dortmunder Tierschutzzentrum schon lange weiß: Tiere mit schwarzem Fell sind beim Warten auf ein neues Zuhause benachteiligt. Sie sind schwerer zu vermitteln als ihre Artgenossen mit hellem Pelz.

Für Peter Hobrecht, Leiter des Dortmunder Tierschutzzentrums, „ein Klassiker. Das ist eine grundsätzliche Beobachtung, die wir immer wieder machen.“

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Für die Vermittlung von Tierheim-Tieren, so Hobrecht, gebe es drei Kriterien: „Alter, Gesundheit und die Helligkeit des Fells. Je heller es ist, umso eher wird ein Tier vermittelt.“ Warum ist das so? „Ich führe das auf Urängste zurück“, sagt Hobrecht und liegt damit auf der Linie des Tierschutzbundes.

„Black Dog Syndrome“

Viele Menschen verbinden schwarzes Fell mit Unglück, noch immer hängen manche dem Aberglauben an nach dem Motto: „Geht die schwarze Katze von rechts nach links, gelingt’s, von links nach rechts, wird’s was Schlecht’s“. In US-amerikanischen Tierheimen gibt es mit dem „Black Dog Syndrome“ sogar einen festen Begriff für dieses Phänomen.

Luna, ein drei Jahre alter Alano-Mix, sitzt seit fast zwei Jahren im Dortmunder Tierschutzzentrum. Die Hündin hat einen starken Schutztrieb und braucht einen erfahrenen Halter.

Luna, ein Alano-Mix, sitzt seit fast zwei Jahren im Dortmunder Tierschutzzentrum. Die Hündin hat einen starken Schutztrieb und braucht einen erfahrenen Halter. © Tierschutzzentrum Dortmund

Ein schwarzes Fell werde häufig als bedrohlich empfunden, weswegen es große schwarze Hunde bei der Vermittlung besonders schwer hätten, heißt es beim Deutschen Tierschutzbund und wird von Hobrecht bestätigt.

Manche Menschen vermuteten irrtümlich, dass dunkle Tiere aggressiver seien als Tiere mit einem andersfarbigen Fell. Dabei sage die Farbe des Fells überhaupt nichts über den Charakter des Tieres aus.

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Hobrecht hat neben so unsinnigen Gründen wie Aberglaube und Vorurteilen eine weitere Erklärung für die Diskriminierung seiner schwarzfelligen Insassen: „Bei schwarzen Tieren haben Leute Probleme, die Mimik zu erkennen und zu deuten.“

Aus der Entfernung sind in dem schwarzen Fellknäuel oft nur die Augen zu sehen. „Zum Beispiel bei den Labradorhunden merkt man, dass man bei den schwarzen genauer hingucken muss als bei den braunen und gelben.“

Schwer zu fotografieren

Manche Menschen, so der Deutsche Tierschutzbund, fänden schwarze Vierbeiner auch deshalb nicht schön, weil sie als weniger fotogen gelten würden und in Zeiten von Instagram und Co Selfies mit ihnen schwieriger zu fotografieren seien.

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Wie benachteiligt schwarze Tiere sind, sei immer wieder zu bemerken, wenn ganze Würfe zu vermitteln seien, berichtet Hobrecht: „Die Helleren werden immer zuerst genommen, und die Schwarzen bleiben immer länger sitzen.“ So auch bei einem ganzen Labrador-Wurf vor gut vier Jahren. Alle waren sehr niedlich, doch die beiden dunkelsten „Labbis“ mussten am längsten auf ein neues Zuhause warten.

Ob Maus oder Mensch

Bei den Hunden unter den Dauerinsassen des Dortmunder Tierheims seien es am Ende aber oft Verhaltensauffälligkeiten und Krankheiten, die eine Vermittlung scheitern ließen, sagt Hobrecht. Bei den Katzen lässt sich auf der Homepage des Tierheims das Pech des dunklen Fells auf den ersten Blick erkennen: Vier der sechs abgebildeten Samtpfoten sind schwarz: Bristol, Sevilla, Jersey und Chelsea.

Der junge Kater Bristol lebt seit Ende Juni im Tierschutzzentrum. Das Fundtier ist ein Freigänger, der sich gern zurückzieht und deutlich zeigt, wenn er etwas nicht möchte.

Der junge Kater Bristol lebt seit Ende Juni im Tierschutzzentrum. Das Fundtier ist ein Freigänger, der sich gern zurückzieht und deutlich zeigt, wenn er etwas nicht möchte. © Tierschutzzentrum Dortmund

Auch ihnen sollten Tierliebhaber eine Chance geben ganz nach der Erkenntnis des französischen Schriftstellers Max O’Rell: „Ob eine schwarze Katze Glück oder Unglück bringt, hängt davon ab, ob man eine Maus oder ein Mensch ist.“

Die Umfrage des Deutschen Tierschutzbundes

Aberglauben, Vorurteile und Angst

  • In einer aktuellen Umfrage des Deutschen Tierschutzbundes unter den dem Dachverband angeschlossenen Tierheimen gaben 55 Prozent der Tierheime an, dass sie schwarze Hunde schwerer vermitteln als andersfarbige. Bei den Katzen waren es 48 Prozent der Tierheime.
  • Ausschlaggebend scheinen laut Aussage von 37 Prozent der befragten Tierheime Aberglauben und Vorurteile zu sein, gefolgt von der Angst vor schwarzen Hunden (30 Prozent).
  • Insgesamt nahmen 313 der angefragten Tierheime (74 Prozent), die Hunde und Katzen aufnehmen, an der Umfrage teil (Das Dortmunder Tierschutzzentrum gehört nicht zu den angeschlossenen Tierheimen).
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